Der Neue Merker

WIEN / Albertina: MARKUS PRACHENSKY

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Red on White – Los Angeles (alle Fotos: Albertina)

WIEN / Albertina / Basteihalle-Appendix:
MARKUS PRACHENSKY
EINE HOMMAGE
Vom 18. Jänner 2017 bis zum 19. März 2017  

Ist ungegenständlich abstrakt?

Man steigt in den „Keller“ der Albertina (der sich eigentlich auf der Ebene der Straße draußen befindet und Basteihalle heißt) und ist dort mit einer eindrucksvollen Großpräsentation von „Contemporary Art“ konfrontiert. Sucht man dann unter Anselm Kiefer, Gerhard Richter, Arnulf Rainer, Georg Baselitz, Alex Katz oder Maria Lassnig die neueste Ausstellung zu Markus Prachensky, wird man in einen Seitenraum verwiesen – 35 Werke, deren Ausstellung nicht nur den Zweck hat, an den 85. Geburtstag zu erinnern, den der Künstler nicht mehr erlebt hat. Vielmehr ist die Erinnerung an ihn auch Dank an die Witwe Brigitte Prachensky, die dem Haus „einige der seltensten, größten, frühesten und wichtigsten Werke“ geschenkt hat, wie Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder ebenso dankbar wie begeistert vermerkte.

Von Renate Wagner

Markus Prachensky (1932-2011)   Geboren in Innsbruck, wird Prachensky unter dem Kürzel „österreichischer Maler und Grafiker des Informel“ geführt. Er studierte in Wien, zuerst Architektur, dann Malerei, gehörte einigen der progressiven Künstlergruppen der fünfziger Jahre an, Mikl, Rainer, Hollegha (mit denen er auch in Otto Mauers Galerie nächst St. Stephan gemeinsam ausstellte) waren seine Zeitgenossen, er war auch Mitglied der Secession. Er lebte zeitweise in Berlin und Stuttgart, immer mit eigenen Ateliers und auch öffentlichen Aufträgen. USA-Reisen brachten nachdrückliche künstlerische Ergebnisse (California – paintings oder der eindeutige Einfluß der Pop-Art auf  Red on White – Los Angeles I), überhaupt waren Reisen in alle Welt für ihn eine künstlerische Notwendigkeit. In seinen späteren Jahren war der Professor an der Wiener Akademie. Viele Ausstellungen und Einzelausstellungen begleiteten sein Leben ebenso wie Ankäufe großer Häuser und offizielle Ehrungen. Nach seinem Tod 2011 zeigte die Albertina in memoriam ihre Prachensky-Besitztümer (die sich nun so spektakulär vermehrt haben). Es war ein anerkanntes und erfolgreiches Künstlerleben.

Die Farbe Rot    Die Albertina zitiert einen zentralen Satz des Künstlers: „Schon sehr früh hatte ich die Vorstellung, Rot sei die Farbe meines Lebens.“ Nur ein Schritt in die Ausstellung, und man bekommt es bestätigt – Rot strahlt dem Besucher entgegen, gelegentlich fast aggressiv, aber auch einladend, lockend, faszinierend (was nicht bedeutet, dass er nicht gelegentlich – wenn auch selten – ohne Rot auskam).

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Amanpuri / Rouge sur gris

Aus aller Welt heimgebracht   Und noch ein Satz Prachenskys, an der Wand zu lesen, prägt sich als Grundmotto ein:  „Ist ungegenständlich abstrakt?“ Tatsache bleibt, dass einzelne Titel, die der Künstler den Werken gab, „Swing the Provence“ etwa, für ihn Bedeutung hatten, für den Betrachter aber uneinsichtig sein mögen. Klaus Albrecht Schröder allerdings ortet hier eine „unterschwellige Gegenständlichkeit“, schließlich hat Prachensky, wie man weiß, unendliche Eindrücke von seinen Reisen mitgebracht (und Rouge sur Gris ist beispielsweise eine Hommage an chinesische Kalligraphie schlechthin). Architektonisches mag immer wieder als Inspiration durchschimmern. Letztlich aber spielen reale Zusammenhänge angesichts der unleugbaren, spontanen Wirkung der Werke keine Rolle.

Spannung oder Kontemplation    Denn da ist noch ein Prachensky-Ratschlag an sein Publikum: Man solle anschauen, nicht sinnen. Es ist die emotionale Ebene, die er mit diesen Werken anspricht. Sehr oft hat er mit breitem Pinsel wilde (rote) Linien über die Leinwand geführt, und selbst, wenn man keine reale Bedeutung finden mag, so spürt man doch die Spannung, die Dynamik. Andererseits besteht das „Große Bild in Blau, Grau und Schwarz“ (eines jener Werke, die die Albertina geschenkt erhielt) aus streng nebeneinander gestellten rechteckigen Farbflecken. Hier ist nun Ruhe angesagt, wahrscheinlich gibt es Menschen, die hier Meditationshilfe finden.

Basteihalle Albertina
Markus Prachensky. Eine Hommage
Bis 19. März 2017, täglich 10-18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr

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