Der Neue Merker

WIEN / Albertina: HANS ROBERT PIPPAL

Pippal Frau mit Blumen 
Alle Fotos: Albertina

WIEN / Albertina / Tietze Galleries for Prints and Drawings:
HANS ROBERT PIPPAL
Vom 22. Jänner 2016 bis zum 28. März 2016

Sehnsucht nach der heilen Welt

Künstler, die dem Publikum nicht a priori aggressiv entgegen springen, haben es in unserer Zeit gar nicht so leicht. Dennoch gibt es nicht nur eine Art, die Welt anzusehen. Hans Robert Pippal (1915–1998) erlebte Schlimmes und zeichnete und malte meist Schönes. Es ist ein erfreulicher „Spaziergang“, seinen Werken im obersten Stock der Albertina zu begegnen. Diese Ausstellung würdigt die Schenkung der Tochter des Künstlers an das Haus.

Von Renate Wagner

Hans Robert Pippal     Geboren während des Ersten Weltkriegs, am 4. April 1915 in Wien, absolvierte Pippal eine technische Lehre (das Berufsziel „Stanzenmacher“, das mit Werkzeugherstellung zu tun hat, ist heute kaum mehr geläufig), entschloss sich aber schon früh für den „Beruf“ des frei schaffenden, autodidakten Malers. Es blieb ihm nicht viel Zeit, bis er 1939 Militärdienst bei der Wehrmacht tun musste, aus dem ihn erst 1943 eine schwere Verwundung (er verlor ein Bein) „befreite“. Nach dem Krieg konnte er seine Tätigkeit als Maler wieder aufnehmen – ein in Rötel gestaltetes Selbstporträt von 1945 zeigt einen Mann, der älter wirkt als seine 30 Jahre, sehr resigniert und müde. Dennoch hat Pippal sich in den Nachkriegsjahren zu einer künstlerisch positiven Sicht der düsteren Welt aufgeschwungen. Er war Mitglied der Secession, unternahm zahlreiche Reisen, reflektierte im eigenen Werk Strömungen der modernen Kunst und blieb dennoch durchaus er selbst. Obwohl er an der Biennale in Venedig teilnahm, hätte man sein Schaffen nie unter die „Moderne“ einreihen können. Diese gewisse „konservative“ Grundhaltung war es wohl auch, die Pippal immer beliebt, aber nie dermaßen berühmt machte wie seine radikalen Zeitgenossen. Hans Robert Pippal starb am 6. November 1998. Seine Tochter Martina, Professorin für Kunstgeschichte an der Wiener Universität, hat viel getan, das Werk des Vaters nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Pippal Raum 2

Der freundliche Blick     Die Albertina-Ausstellung ist nach Themenschwerpunkten gereiht und beginnt mit jenen Porträts entzückender Frauen, die an die Illustrierten-Welten der fünfziger Jahre (in denen sie auch entstanden sind) erinnern. Dass er – neben dem erwähnten „tragischen“ Selbstporträt – auch Köpfe im Stil großer Meister zeichnete, weist schon auf Pippals Lust hin, sich mit seinem unzweifelhaften Können auf die Spuren großer Meister zu setzen. Das wird dann besonders deutlich im Raum seiner religiösen Bildnisse, die sakrale Szenen im modern variierten Stil der alten Werke zeigen, aber weit stärker und nachdrücklicher in Umriss und Farbe als die geradezu impressionistischen Porträts und Genreszenen.

Pippal Oper seitlich

Wiener Veduten     Am berühmtesten sind Pippals Wiener Szenen geblieben, Stadtansichten, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Schäden von einst aussparten und eine Anmut beschworen, die die Stadt wohl nur in der Kunst, nicht in der Realität besitzt. Er betrachtete liebevoll die Staatsoper, die Josefstadt (die in der Nähe seines Ateliers in der Alserstraße lag), den Brunnenmarkt oder Pötzleinsdorf. Später hat er auf seinen Reisen auch Städtebilder von Venedig oder Paris in dieser unwiderstehlich „schönen“ Art und Weise hingehaucht, die zu seiner Zeit allerdings schon impressionistisch „historisch“ war – obzwar Pippal bei genauem Hinsehen einen höchst persönlichen Stil findet.

Pippal Josefstadt

Er konnte auch anders     Dass Pippal auf Grund seines Talents und seiner handwerklichen Fähigkeiten sich in jedem Stil ausdrücken konnte, zeigen sowohl seine quasi „kubistischen“ Versuche, mit denen er Picasso oder Braque in höchst interessanten Stillleben variierte, oder seine „Gebrauchsgraphie“. Hier dienen die Tuschzeichnungen zu Milo Dors Erzählband „Unterwegs“ dazu, Pippals Fähigkeit zu beweisen, auch das Düstere eindrucksvoll zu gestalten. Er wollte es nur offenbar selten…

Albertina: Hans Robert Pippal.
Bis 28. März 2016, täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr
Katalog im Eigenverlag des Museums

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