Der Neue Merker

WIEN / Albertina: FILMSTILLS

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WIEN / Albertina / Galleries for Photography:
FILMSTILLS
Fotografien zwischen Werbung, Kunst & Kino
Vom 4. November 2016 bis zum 26. Februar 2017 

Ikonen aus eigenem Recht

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In der Ausstellung fotografiert von Renate Wagner

Wer kennt sie nicht? Nosferatu, wie er erstarrt das Bild des Schreckens selbst ist, Marilyn, wie sie in sich hineinlacht, wenn ihr weißer Rock hoch weht. Sie flankieren den Eingang zur Albertina zur „Filmstills“-Ausstellung. Es sind Bilder, die Geschichte machten, nicht bloß Filmgeschichte. Kino – das sind die Moving Pictures. Fotos, das sind die „Stills“. Man kann sie in Ruhe ansehen und verinnerlichen. Als Objekte waren sie an sich nur zur Werbung und zur Dokumentation gedacht. Die Ausstellung in der Albertina zeigt, dass „Filmstills“ Meisterwerke für sich sein können und auch als solche in der Welt der Fotografie, aber auch der des kollektiven Bewusstseins stehen.

Von Renate Wagner

Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum      Das Filmmuseum (derzeit geleitet von Alexander Horwath)  ist unmittelbarer Nachbar, fast Untermieter, denn es befindet sich (mit eigenem Eingang auf Straßenebene, vor der zur Albertina führenden Treppe) im Gebäude der Albertina selbst. Dort ist das Filmmuseum nicht nur aktiv, indem man immer wieder kostbare Klassiker des Kinos für Zuschauer zugänglich macht, sondern man sammelt auch – 400.000 Fotos sind es mittlerweile, die seit 1964, der Gründung der Institution durch Peter Konlechner und Peter Kubelka, zusammen getragen wurden. Die Albertina zeigt in ihrem schon längere Zeit der Fotografie gewidmeten Raum 130 ausgewählte Objekte, hauptsächlich Schwarzweißfotos. Dazu gibt es, gewissermaßen als „Aufputz“, einmal ein Plakat (Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ auf Französisch), einmal eine Czeschka-Graphik zu den „Nibelungen“ groß affichiert. Im übrigen sind die Objekte klein – und sprechen für sich, wenn man sich die Mühe nimmt, sie genau anzusehen.

Werbung heißt, Erwartungen wecken     Film braucht Werbung, die Öffentlichkeit muss erfahren, dass es den Film gibt, ein Foto als Blickfang muss Erwartungen wecken, mehr noch – den Wunsch und das Bedürfnis evozieren, Geld zu investieren, um den Film zu sehen, über den man voraus nur liest bzw, viel effektvoller, ein Foto sieht, das unwiderstehlich anziehend wirkt. Es ist eine Welt, in der die Studios aktiv waren, und oft kennt man die dort angestellten Fotografen gar nicht, die da zu den „Werbefotos“ abkommandiert wurden. Dass dann beim Ausarbeiten „getrickst“ wurde, in Ausschnitten, in Retouchen, ist selbstverständlich. Und doch, die „Studioaufnahmen“, die man sich leistete, hatten künstlerischen Anspruch für sich.

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Ein Quiz für Fans     Die Aushangfotos, die man früher in den Kinos sah, waren dann aus dem Film selbst genommen – Filmfans werden sich hier entzückt in einem Quiz finden, den sie mühelos bestehen. Wer kennt sie nicht, Anita Eckberg und Marcello Mastroianni im Fontana di Trevi? Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg durch Paris bummelnd? Charlie Chaplin vor dem Globus? Cary Grant auf der Flucht vor einem Hubschrauber in der Wüste? James Dean mit seinem zu allem entschlossenen Gesichtsausdruck? Ein Bild, ein Film, ein Stück Filmgeschichte. Eine Ausstellung für Fans.

Tief in die Historie      Die Ausstellung, von Kurator Walter Moser nach einem vielschichtigen Themenkatalog gestaltet, blendet allerdings tief in die Geschichte zurück, 1902 bis 1975 ist der selbst gewählte zeitliche Rahmen, da hängt eine geheimnisvolle Marlene Dietrich für den Themenkomplex „Star-Portät“, dessen Bedeutung kaum zu unterschätzen ist, da wird aber auch auf die kunstvolle Stilisierung hingewiesen, mit der Fritz Lang etwa seine „Nibelungen“ (auch in Bezug auf Czeschka-Illustrationen) gestaltet hat, oder wie etwa der Fotograf Hans Natge Murnaus „Faust“ fotografierte, als komponiere er verschwommene Graphiken…

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Die grenzenlose Spannweite des Fotos     Wenn Waler Ruttmann in den wilden zwanziger Jahren den Film „Berlin – Die Symphonie einer Großstadt“ schuf, dann sind die dazu ausgestellten Fotos Collagen, die Einzelelemente wie Hochhäuser, Autos, Züge und Damenbeine, gespreizt oder hängend, zur Wirrnis der Epoche zusammen fügen. Besonders interessant sind die unter „Metabilder“ zu sehenden Fotos, Jimmy Stewart, wie er mit Riesenobjekt in „Das Fenster zum Hof“ den Nachbarn ausspioniert, Liv Ullmann, wie sie in „Persona“ durch die Kamera blickt… Und natürlich begegnet man, unter welchem Gesichtspunkt auch immer, den großen Namen der Filmgeschichte, ob Fellini oder Kubrick, ob Kazan oder Strohheim, Goddard oder Visconti, Film ist Kunst und die „Stills“, die nach so vielen Aspekten ausgewählten Bilder zu Filmen, sind es auch.

Albertina:
FILMSTILLS
Fotografien zwischen Werbung, Kunst & Kino
Bis zum 26. Februar 2017,  Täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch 10 bis 21 Uhr
www.albertina.at

 

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