Der Neue Merker

WIEN / Albertina: ERWIN BOHATSCH

Bohatsch Plakat 1~1

WIEN / Albertina / Tietze Galleries for Prints and Drawings:
ERWIN BOHATSCH
Vom 8. April 2016 bis zum 12. Juni 2106  

Der Kunst Tiefe geben

Wie immer sorgt Klaus Albrecht Schröder, der in der Albertina über beneidenswert zahlreiche Ausstellungsflächen verfügt, dafür, dass die Moderne bei ihm vertreten ist, vorzugsweise die Österreicher. Nun ist Erwin Bohatsch in die Tietze Galleries for Prints and Drawings mit einer eindrucksvollen Personale eingezogen –  eine lange, lange Reihe abstrakter Werke, die eine unverkennbare Handschrift tragen. Es sind Papierarbeiten (immer, schon von der Geschichte als „Graphische Sammlung“ her, ein besonderes Anliegen der Albertina), Zeichnungen, Monotypien und Aquarelle.

Von Renate Wagner

Erwin Bohatsch    Erwin Bohatsch, der 67jährige Steirer, ist einer der wichtigsten in jener Künstlergruppe, der zwar auch figurativ begonnen, sich aber dann der Abstraktion verschrieben haben. Man wird bei den Werken, die grundsätzlich unter der Bezeichnung „Ohne Titel“ figurieren, nur rudimentär gelegentlich irgendetwas Realistisches, Verfremdetes finden – grundsätzlich sind es ist Form und Farbe in schier unendlicher Variation. Die „dezenten“ Farben, die für ihn charakteristisch sind, schreibt der Künstler einerseits seinem Charakter zu, andererseits möchte er sich von einer „allzu bunten“ Welt auch bewusst distanzieren. Und statt vordergründiger Statements seiner Kunst „Tiefe geben“.

Bohatsch Raum~1

Die Freiheit auf Papier    „Freier“ als in Öl kann ein Künstler hier agieren, meint Klaus Albrecht Schröder, von „kammermusikalischer Intensität“ spricht Bohatsch selbst. Einige farbige Monotypien neuesten Datums hat er übrigens allein für die Albertina-Ausstellung gemacht. Im übrigen stammt der allergrößte Teil der 61 Werke aus vier Jahrzehnten, die von Kuratorin Antonia Hoerschelmann zusammen gestellt wurden, ohnedies aus dem Haus selbst.

Das bewusste Außenseitertum   Tatsächlich steht man vor den Werken, eine Menge großformatig, viele im Zeichenformat, oft wie vor einem Mandala, versenkt sich gar nicht in Deutungen, sondern in sich selbst. Das „sensible Austarieren der Malerei und ihrer differenzierten koloristischen Möglichkeiten“, wie Klaus Albrecht Schröder es formuliert, macht einen Künstler nicht auf die Schnelle lautstark berühmt, aber wer keine Angst vor Außenseitertum hat wie Erwin Bohatsch, wird dann vermutlich mit weit größerer Nachhaltigkeit belohnt.

Bohatsch weiß~1

Anstoß für „Kunst“ ….  Detail am Rande: seine monochrom weißen Werke könnten als Anstoß für Yasmina Rezas heftiges Stück „Kunst“ herangezogen werden…

Bis 12. Juni, täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch 10 bis 21 Uhr,
Katalog, erschienen im Verlag für Moderne Kunst, 136 S., 24 Euro,
www.albertina.at

 

Diese Seite drucken