Der Neue Merker

WELS /OÖ: TANNHÄUSER. „Tristan ersetzt Tannhäuser“

22. 5.2015 –   RICHARD WAGNERFESTIVAL WELS:  „TANNHÄUSER“

 

Tristan ersetzt Tannhäuser        

Nicht nur große Opernhäuser haben bei diesen Witterungsschwankungen mit Umbesetzungen zu kämpfen, auch das Wagnerfestival in Wels war davon betroffen. Sowohl Peter Seiffert als auch Petra Maria Schnitzer sagten ihre Mitwirkung als Tannhäuser und Elisabeth krankheitsbedingt ab.

Der Sänger des Tristan in der diesjährigen zweiten Produktion, Stig Andersen übernahm den Tannhäuser und rettete somit den Abend. Nach vorsichtigen Beginn konnte er mit einer gelebten Romerzählung voll überzeugen. Als Glücksfall kann man Astrid Weber als Elisabeth bezeichnen. Sie sang einfach mit so viel Gefühl und Innigkeit und ohne jeglicher Hysterie diese Rolle, dass sie einen echten Gegenpol zu Venus bot und der Elisabeth aus der Legende sehr nahe kommt. Eine absolute Entdeckung ist der junge Tenor Christian Sturm als Walter von der Vogelweide. Eine wunderbar timbrierte Stimme, die gut trägt, weil technisch sehr gut geführt. Sein kurzes Solo trug sehr zum Erfolg dieser Vorstellung bei. Auch Martin Achrainer konnte als äußerst lyrischer Wolfram von Eschenbach sehr gefallen. Nicht nur dass er das „Lied an den Abendstern“ sehr gut gestaltete, bot er auch eine gute Darstellung dieses Minnesängers. Die weiteren Mitglieder des „mittelalterlichen songcontest“ waren Nicolas Legoux als grimmiger Biterolf, Franz Gürtelschmied und Marco di Sapia waren Reinmar von Zweter und Heinrich der Schreiber. Hermann von Thüringen war Reinhard Hagen, der trotz leichter Höhenschwierigkeiten sehr beeindruckte. Als Venus im wunderschönen roten Kostüm hörte man Judith Nemeth mit sehr starken „Ausdrucksvibrato“ und ebensolch starken Spiel. Als junger Hirt bezaubernd Iva Schell (vormals Mihanovic), die nicht nur wirklich sehr gut sang, sondern auch so gut spielte, dass es eine ganz besonders schone Szene wurde. In dieser Regie hat sich der junge Hirt noch am Schluss um die arme verzweifelte Elisabeth zu kümmern.         

Sehr kräftig sang der „Slowakische Philharmonische Chor“ unter Josef Chabron. Ralf Weikert leitete souverän die „Slowakische Philharmonie“ und konnte gut mit der Bühne kommunizieren.   .    

Das Ballett tanzte eine schöne Choreografie von Daniel Morales Perez.

 Herbert Adler sorgte wieder für eine wunderbare verständliche Regie und Lichtgestaltung, dasselbe gilt auch für Dietmar Solt für Ausstattung und Licht. Die Bühnenbilder waren einfach wunderschön, fast schon verträumt. Auch die Kostüme mit viel Geschmack und sehr gut auf die Sänger abgestimmt.

So, das soll jetzt tatsächlich das „Aus“ für dieses Unternehmen gewesen sein. Eine Schande für die oberösterreichische Kulturpolitik. Frau Renate Doppler, die Initiatorin und Gesamtleiterin, kann sich allerdings freuen, ihr Konzept wird im Royal Opera House in Muskat/Oman übernommen.!

Am 20.und 22. Oktober 2016 treffen sich die Wagnerverbände im Oman.

Elena Habermann     

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