Der Neue Merker

WEIMAR/ Lutherkirche Apolda/“mon ami“: IL DISSOLUTO PUNITO OSSIA IL DON GIOVANNI

W.A. Mozart: Il dissoluto punito ossia il “Don Giovanni”

Aufführungen: 22., 23., 24. und 25. August 2017 – mon ami Weimar und

  1. August 2017 – Lutherkirche Apolda

10 Jahre Mittendrin: „Don Giovanni“ und die Studenten des Lyric Opera Studios Weimar

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Foto: Thomas Janda

Zum zehnjährigen Bestehen führt das Lyric Opera Studio Weimar die „Oper der Opern“ auf, wie sie von E.T.A Hoffmann genannt wurde. Damon Nestor Ploumis führt mit sparsamen Inszenierungsmitteln und viel Witz seinen „Don Giovanni“ in ein ganz ursprünglich angelegtes Spielerlebnis zurück. Seine Giovanni-Besetzungen sind kernige Kerle aus Australien oder der Ukraine. Überinterpretationen und Verheutigungen meidet Ploumis, dafür bemüht er sich die Personenkerne der handelnden Figuren herauszustellen und die kleine Bühne des „mon amiWeimar macht einen sehr unmittelbaren Kontakt zwischen Publikum und Akteuren möglich, den man in großen Theatern nicht so einfach herstellen kann.

Ploumis versteht es auch den Bühnenweg des Weiberverführers als bunteste Opernhandlung von Adel-, Bürger- und Bauernstand in Szene zu setzen. Zwischen Bangen, Verführung und Liebe lässt er alle Facetten eines quirligen Lebens entstehen. Die sinnlich triumphale Champagnerarie gelingt genauso gut wie der erschütternde Auftritt des Komturs, der allen Zuschauern Gänsehaut-Grusel macht.

Ploumis selbst tritt in einer winzig-kleinen Nebenrolle auf mit einem Schlafmützchen, denn er verkörpert Witz und Spielfreude in seiner Person, die er seinen Eleven einzuhauchen weiß.

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Foto: Thomas Janda

Der italienische Text ist sehr präsent und gut artikuliert und so sind alle Veranstaltungen amüsante Abende. Und wenn die Zuschauer hinaustreten in den lauen Weimarer Sommerabend, dann sind sie immer noch beschwingt von den herrlichen Melodien und dem intensiven Spiel.

Der Einfallsreichtum in der Musik kennt keine Grenzen. Das verdankt man nicht nur Mozart, sondern wird auch durch Olaf Storbecks Dirigat noch verstärkt: Dezent flicht er kleine „Pfiffigkeiten“ ein, begleitet wird ein Rezitativ mit Cembalo. Die Musik bekommt dadurch ein Eigenleben, das das Geschehen auf der Bühne dezent kommentiert. Es sind die kleinen Akzente, die diese Aufführungen so spritzig erscheinen lassen.

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Foto: Thomas Janda

Das Lyric Opera Studio Weimar veranstaltet einen spannenden Mozartabend, der mit der Regie von Damon Nestor Ploumis klug die Waage zwischen unbeschwerter Leichtigkeit und düsterer Tragik aufrecht hält. Dabei geht es weniger um Schuld, als vielmehr um Eifersucht, Wut, Sehnsucht und Begierde, die sich in wechselnden Konstellationen gegenüber stehen.

Larissa Gawritschenko und Thomas Janda

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