Der Neue Merker

WEIMAR: LE MARIAGE FORCÉ – Die erzwungene Heirat. Musik, Tanz und Schauspiel am Hof des Sonnenkönigs

Musik, Tanz und Schauspiel am Hof des Sonnenkönigs

Le Mariage forcé – Die erzwungene Heirat

 Comédie-ballet

Von J.-B. Molière, J.-B. Lully und P. Beauchamp

 Eine Aufführung des Instituts für Alte Musik an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT in Weimar im Schießhaus 22.10.2016

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Copyright: Thomas Janda

Man nehme ein zu allen Zeiten witziges Thema: Ein älterer Mann will eine junge Frau heiraten. Diese würze man mit herrlicher Barockmusik, gespielt von enthusiastischen Studenten und ihren hervorragenden Lehrern und dazu gebe man einige Profitänzer und Schauspieler: Heraus kommt eine kulinarisch opulente Balletkomödie à la Molière und Lully, an der das Publikum sich bukolisch amüsiert. So geschehen anno 22. 10. 2016 im Schießhaus zu Weimar.

Entwickelt und als spiritus rector umgesetzt hat die Idee dazu Bernd Niedecken zusammen mit Prof. Myriam Eichberger und ihren Kollegen vom Institut für Alte Musik an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT in Weimar.

Le Mariage forcé war die erste Ballettkomödie aus der Zusammenarbeit von Molière und Lully im Auftrag von Ludwig XIV. und sie wurde am 29. Januar 1664 uraufgeführt. In diesem barocken Werk greifen gleich drei königliche Künstler:

Jean-Baptiste Molière, Jean-Baptiste Lully und Pierre Beauchamp tief in die Trickkiste des Barocktheaters. Mit humorvoll-sarkastischen Dialogen zeichnet Molière meisterhaft den durch Eitelkeit und Selbstsucht verstellten Blick des Menschen nach und wird dabei musikalisch und choreographisch unterstützt von Lully und Beauchamp.

Die Handlung ist schnell erzählt: Der über 50jährige Sganarelle will die hübsche und junge Dorimene unbedingt heiraten, das teilt er seinem Freund Geronimo mit, der in ihm einige Zweifel weckt. Worauf der Heiratswilde gleich nach einem Traum zwei Philosophen konsultiert, einen Skeptiker und einen Aristoteliker. Die beiden nerven ihn so sehr, dass er sie verprügelt. Natürlich weiß man als Publikum schon, dass die Hübsche auf das Geld aus ist und Sganarelle erfährt es auch, weil er ein Gespräch zwischen ihr und ihrem Geliebten Lycaste belauschen kann. Zwischendurch gibt es noch die Deutungen eines Magiers und von zwei Zigeunerinnen, die ihm auch ordentlich Dukaten abnehmen. Sganarelle meldet sich beim Vater der Braut, will sein Versprechen zurück, der will Bedenkzeit und schickt seinen Sohn zum Duell. Es endet mit einer Tracht Prügel für den feigen Sganarelle und schließlich soll die Hochzeit statt-finden, aber vorher gibt es noch Tanzunterricht für den tollpatschigen Sganarelle. Alles kulminiert im Hochzeitsfinale mit barockem Tanz und Musik.

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Copyright: Thomas Janda

Zu diesem kernigen Theater spielt das Ensemble für Alte Musik des Instituts für Alte Musik auf einem breit gefächerten historischem Instrumentarium des einstmals europaweit berühmten „Lully-Orchesters“: mit Violinen, Violen, Violen da gamba, Basses de Violon, Cembali, Blockflöten, Theorbe und Percussion. Im abendlichen Orchester sind sämtliche Instrumentalklassen aus dem Bereich Alte Musik beteiligt. Gespielt, gesprochen und gesungen wird in deutscher und in französischer Sprache, beteiligt sind insgesamt über 30 Studierende.

Das Projekt ist eine Kooperation und bindet auch Studierende aus mehreren Hochschulbereichen ein: die Abteilungen Blockflöte, Gesang und das Musiktheater, Orchester, Jazz, Rhythmik und das Institut für Gitarre. Außerdem gibt es eine begleitende Ausstellung, die betreuen Studierende des Studienganges Musikwissenschaft sowie des Studiengangs Visuelle Kommunikation der Bauhaus Universität. Die Inszenierung und die Choreographie lieferte Bernd Niedecken.

Die musikalische Spielfreude war allen Beteiligten in insgesamt vier Vorstellungen anzuhören von den Flöten- bis zu den Gambenspielern. Sehr gelungen sind die Einsätze und das Wechselspiel zwischen Orchester, Einzelsängern und Sprechtext. Echt beeindruckend wirkten auch die Chorstücke, mit schöner barocker Dynamik vorgetragen. Auch Kostüme und Beleuchtung trugen außerordentlich zum Gelingen bei. Da wurde kraftstrotzendes vitales Musiktheater geboten und die Zuschauer wurden belustigt und mitgerissen, so sehr, dass die Veranstalter noch eine Extravorstellung dranhängten.

Bravo und Jubel zu so einer köstlichen Heiratskomödie, bei der der Humor keinesfalls erzwungen, sondern zwerchfellerschütternd naturgewaltig über alle Zuschauer kam. So ein Studentenmusiktheater wollen wir öfter erleben, nur Mut für die Zukunft und weiterhin so pfiffige Ideen.

Das Institut für Alte Musik und Myriam Eichberger lassen auch künftig auf opulente Musikgenüsse hoffen, auf die man gespannt sein darf.

Larissa Gawritschenko und Thomas Janda

 

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