Der Neue Merker

WEIMAR/ Jugend- und Kulturzentrum „mon ami“. DIE ZAUBERFLÖTE

Weimar, Jugend und Kulturzentrum, mon ami/ Wolfgang Amadeus Mozart Die Zauberflöte/ Vorstellung am 20. Juli 2017

 Zehnjähriges Jubiläum des Lyric Opera Studio Weimar mit Mozarts Die Zauberflöte

 Das Lyric Opera Studio Weimar präsentierte Mozarts Zauberflöte mit jungen Opernsängern aus den USA, Kanada, Südamerika, Europa und Asien.

Das Kurzzeit-Ensemble stellte sich vor in einer szenischen Aufführung in deutscher Sprache, inszeniert vom Künstlerischen Direktor und Bassbariton Damon Nestor Ploumis und dirigiert vom General Musikdirektor Olaf Storbeck.

Damon Ploumis als Schreckgespenst
Damon Ploumis als Schreckgespenst. Copyright: Lyric Opera Studio Weimar

 Damon Nestor Ploumis äußerte noch in der Probezeit: „Mozarts Zauberflöte ist für mich ein Meisterwerk über Verrat, Mitgefühl und die Liebe, in dem das Ringen des Menschen um Weisheit und Tugend dargestellt wird.“

Für diese szenische Umsetzung auf der Bühne des „mon ami – Weimar“ wählte Ploumis Spielformen, die in die Entstehungszeit der Oper zurückreichen.

Damon Nestor Ploumis: „Ich habe versucht zu verstehen, was Mozart und Emanuel Schikaneder gewollt haben und aus welcher Sing- und Schauspieltradition sie ihren Stoff entwickelt haben. Da sind diese herrlichen Gruselstoffe des Wiener Volkstheaters, aber auch die musikalische Lamento und Ombra-Tradition, die ich den Nachwuchssängern vermitteln möchte.“

In der Personenführung gelingt es Ploumis seinen Sängern diese Mozartsche Urenergie einzuhauchen, mit dem Resultat lebendigen Spiels. Damon Nestor Ploumis sagt dazu: „Es ist ja diese Mischung aus Erhabenem und Komischen und vor allem die Einweihungsrituale, die mit Freimaurern zu tun haben, das ist ein riesiges Spektrum an Formen, sowohl im Spiel als auch in der Musik.“

Getrieben von liebender Sehnsucht begeben sich Tamino und Pamina auf ihren unterweltlichen Weg und erleben da ihre psychische Verwandlung. Dieser ernsthafte Weg korrespondiert mit der komischen Gegenüberstellung von Papageno und Papagena. Überhaupt gelingt es Ploumis auf diesem kleinen Raum viele Facetten zu entfalten, indem er auch den ganzen Raum bespielt und den Chor von einer Empore aus singen lässt, so wird das Publikum auf diese Initiationsreise mitgenommen.

Sarastro, Pamina und Tamino
Doowon Kim (Tamino), Toni Nezic (Sarastro), Lisa Shin (Pamina). Copyright: Lyric Opera Studio Weimar

Die Mitglieder des Ensembles zeigten dabei eine reife Leistung: Pamina, Lisa Shin (Südkorea); Tamino, Doowon Kim (Südkorea); Königin der Nacht, Priscilla Cornelius (Australien); Papageno, Greg Hoyt (USA); Papagena, Megan Strachan (Großbritannien); Erste Dame, Shaina Sanders (USA); Zweite Dame, Jenna Sears (USA); Dritte Dame, Kristina Agur (Kanada); Monostatos, Gabriel Ma (China, Großbritannien); Sarastro, Toni Nezic (Kroatien); Sprecher, Marko Erzar (Slowenien); Erster Knabe, Morgan Elise Brady (USA); Zweiter Knabe, Katherine Olson (USA); Dritter Knabe, Géraldine Cloux (Schweiz); Erster geharnischter Mann, Joseph McBrayer (USA); Zweiter geharnischter Mann, Ian Joyal (USA)

Damon Nestor Ploumis, der nach seinem Geschichtsstudium in Cambridge auch noch Theologie in Jerusalem am berühmten Bibelinstitut der Dominikaner studiert hat, hat sich mit altägyptischen Mysterienkulten beschäftigt und ihren Einfluss auf europäische Kulturentwicklungen analysiert.

Ploumis: „Es ist ganz spannend nachzuvollziehen, wie im 18. Jahrhundert durch die Freimaurerei diese Hieroglyphen-Welt unter die europäischen Leute kommt. Damals konnte man sie ja noch nicht deuten. Sie wurden ornamental benutzt und mit der griechischen Sagenwelt verwoben. Als, sozusagen, griechischer Nachfahre interessieren mich natürlich auch diese Mysterienkulte und einige Aspekte fließen auch in meine Regiearbeit mit ein, ohne dass ich vordergründig historisierend arbeiten will. Ich finde Friedrich Beuthers Entwürfe für die Weimarer Neuinszenierung von 1816 unglaublich anregend. Allerdings sind die realen Möglichkeiten auch sehr bescheiden, so dass ich immer Lösungen im Kleinen finden muss.“ Ploumis selbst tritt, wie einst der Krimi-Regisseur Alfred Hitchcock, in einer kleinen Nebenrolle auf.

Und diese Lösungen sind dann auch spannend für die Zuschauer, denn sie werden immer wieder mit in das Geschehen hineingenommen.

Dafür sorgten 43 internationale Gesangsstudenten aus 18 verschiedenen Ländern (einschließlich Brasilien, Irland, Slowenien, Australien, Großbritannien, Kanada und der USA) stellten sich dieser Herausforderung und nahmen in diesem Jahr am Sommerkurs des Lyric Opera Studio Weimar teil, der ihren Einstieg in den deutschen Opernmarkt fördern soll.

Papageno
Greg Hoyt (Papageno). Copyright: Lyric Opera Studio Weimar

In den vergangen zehn Jahren haben mehr als 750 Studenten aus 42 verschiedenen Ländern diesen Opern-Trainingskurs besucht. Mehr als 50 Teilnehmer der vorigen Jahre fanden vom Lyric Opera Studio Weimar den Weg an das Deutsche Nationaltheater Weimar, die Deutsche Oper Berlin, die Semperoper Dresden, Glyndebourne sowie an weitere Theater weltweit. Kein Wunder also, dass sich über 350 Sänger in diesem Jahr für das mittlerweile sehr angesehene Programm des Lyric Opera Studio Weimar beworben haben. Jetzt im zehnten Jahr richtet sich das Programm an Sänger, die vor kurzem ihre Hochschulausbildung abgeschlossen haben und ihren beruflichen Einstieg am Theater vorbereiten.

Das Weimarer Publikum zeigte sich begeistert und applaudierte kräftig mit dem Wunsch, möglichst viele von diesen verheißungsvollen jungen Sängern auf deutschsprachigen Bühnen wiederzusehen.

Wir wünschen viel Erfolg auf diesem nicht ganz einfachen Weg.

Larissa Gawritschenko und Thomas Janda

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