Der Neue Merker

WALDVIERTEL „KERZENLICHT-KONZERTE“ GASTIERTEN 2016 ERSTMALS AUF BAROCKSCHLOSS RIEGERSBURG

Waldviertler Kerzenlicht-Konzerte gastierten 2016 erstmals auf Barockschloss Riegersburg

Was modernen Architekten kaum jemals gelingt, verstanden ihre Berufskollegen in der Vergangenheit in höchster Perfektion: Schönheit und Zweckmäßigkeit zu vereinen, wobei ersteres zugegebenermaßen den Sieg davonträgt. Wer das niederösterreichische Barockschloss Riegersburg betritt, ist von einer Aura des Zaubers umgeben. Die außerordentliche Schönheit des Ortes veranlaßte Robert Pobitschka, Leiter der „Kerzenlicht-Konzerte“, mit den Eigentümern, der Familie Graf Pilati, Kontakt aufzunehmen. Das Resultat waren zwei hochkarätige Konzertabende.

Klassik gewinnt gegen Fußball-WM

Mit Bangen blickten die Organisatoren dem ersten Konzert, das am 2. Juli stattfand, entgegen, das zeitgleich stattfindende Fußballspiel Italien gegen Deutschland ließ die Hoffnung auf zahlreiche Konzertbesucher sinken. Darüber hinaus war es ja ein Start für die „Kerzenlicht-Konzerte“ auf neuem Boden, wie die Hausherrin Francesca Gräfin Pilati in ihrer Begrüßung bemerkte. Und zu allem regnete es noch. Doch die Freude war groß, als sich der Saal fast vollständig füllte!  

Nicht zuletzt waren natürlich die beiden Künstler der große „Magnet“ der das Publikum anzog: Franz Bartolomey, Solocellist der Wiener Philharmoniker, musizierte gemeinsam mit Edda Andrea Graf am Flügel. Bartolomey präsentierte sich als Künstler, der aus seinem inneren Reichtum schöpft. Sein Ton ist transzendent, niemals grob, seine Darstellung immer von feinstem Esprit und differenzierten  Nuancen. Er verwandelt Gefühle in Klänge. Etwas anders liegt der Schwerpunkt bei seiner Partnerin am Klavier. Ihr Spiel erschien eher als dramatisch. Dementsprechend fiel ihre Klavierbegleitung über Strecken vielleicht etwas zu massiv und zu dominant aus. Aber auch sie beherrscht die Kunst subtiler Darstellung. 

Beethovens 7 Variationen über das Thema „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ Es-dur WoO 46 eröffnete die Programmfolge. Die beiden Künstler spielten spritzig und pointiert. Bei Brahms‘ zweiter Sonate in F-Dur op. 99 gelang ihnen hervorragend der breite, romantische Bogen. Nach der Pause folgte die Sonate op. 6 von Richard Strauss. Für viele Zuhörer war es die erste Begegnung mit diesem frühen Werk des münchner Meisters, das noch ganz in der romantischen Tradition steht. In den abgründigen, dunklen zweiten Satz legten die beiden Musiker viel Seele, die Ecksätze bestachen durch Elan und Vitalität.

Für den begeisterten Applaus dankten die Künstler mit zwei Romanzen von Johann Strauß, die dieser in St. Petrsburg komponiert hat und die dem Großfürsten Nikolaus gewidmet sind – einem entfernten Verwandten des Hausherrn Graf Pilati, wie sich zufälligerweise herausstellte.

Kerzenlicht-Konzert 1. Okt. 2016 Riegersburg 09
Kerzenlicht-Konzert am 1.10. Copyright: Kerzenlicht-Konzerte

Das zweite „Kerzenlicht-Konzert“ auf Barockschloss Riegersburg fand am 1. Oktober statt und war der Gattung Streichquartett gewidmet: Das „Ensemble Tokyo“ mit Yoko Saotome-Huber und Lyrico Sonnleitner auf der Violine, Junko Nagai Viola und dem Wiener Philharmoniker Prof. Jörgen Fog am Cello verzauberte sein Publikum

Zahlreiche der anwesenden Gäste bestätigten im anschließenden Gespräch: Es war ein besonderer Abend.  Einfühlsam abgestimmte Klänge, die die vier Musiker ihren Instrumenten entlockten, setzten den Barocksaal in Vibration, legten einen Schleier aus Empfindung und Harmonie über ihn und entführten die Hörer geradezu in einen Traum.

Ensemble Tokyo Foto Yoko Saotome-Huber - Lyrico Sonnleitner - Junko Nagai - Jörgen Fog
Ensemble Tokyo. Salome Huber, Lyrica Sonnleitner, Junko Nagai, Jörgen Fob. Copyright: Ensemble Tokyo

Das ansprechende Programm bestand im ersten Teil des Abends aus Hayds Quartett op. 20/2, dessen komplexe Strukturen die Musiker transparent vermittelten, und Mozarts d-Moll Quartett KV 421, das vielleicht noch etwas mehr Farbe vertragen hätte, aber ebenso mitreißend musiziert war. Nach der Pause erklang Dvoraks berühmtes Quartett op. 96 „Amerika“. Dvoraks Erzählungen von Sehnsucht und Liebe erfaßten und rührten das Publikum, das dem Ensemble für die hinreißende Wiedergabe des Werkes mit Bravo-Rufen und stürmischem Applaus dankte. Ganz dem Rahmen entsprechend beschlossen die Musiker mit dem zweiten Satz aus Haydns „Kaiser-Quartett“ als Zugabe den Abend.

Nennenswert auch die Ernennung von drei Personen zu Ehrenmitgliedern der „Kerzenlicht-Konzerte“, die vor Beginn dieses Konzertes stattfand. Gewürdigt für ihren Einsatz wurden die Gründerin der Konzertreihe, Elfriede von Manowarda, die Hausherrin Francesca Gräfin Pilati und Hofrat DI Siegfried Kautz. Die Urkunden wurden von Mag. Robert Pobitschka, dem Geschäftsführer der Konzerte, überreicht.

Wegen des guten Ankanges sind für die kommende Saison 2017 weitere Konzerte auf Barockschloss Riegersburg geplant. Am 13. Mai 2017 wird Erich Binder, 1. Konzertmeister der Wiener Philharmoniker em., gemeinsam mit seinem Eroica-Streichquartett zu hören sein, der Abend ist dem Geburtstag von Kaiserin Maria Theresia gewidmet, der sich auf den Tag genau zum 300. Mal jährt. Maria Theresia war wiederholt Gast auf Schloss Riegersburg und mehrere Portraits von ihr befinden sich im Schloss. Ein weiterer Abend ist klassischer und romantischer Klaviermusik gewidmet und wird am 7. Oktober 2017 von Robert Pobitschka, Leiter und zugleich „Hauspianist“ der Kerzenlicht-Konzerte, bestritten. Wie heuer berechtigt die Eintrittskarte auch zum Besuch der Sonderausstellung.

www.kerzenlicht-konzerte.at

A.C.

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