Der Neue Merker

VARNA/ Sommeroper: GROSSE OPERNGALA zum 85. Geburtstag von Borislav Ivanov

Sommeroper Varna: Große Operngala zum 85. Geburtstag von Borislav Ivanov, 25.8.2016

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Borislav Ivanov. Copyright: Rossen Donev

Zu diesem Fest fanden sich viele Wegbegleiter auch aus früheren Tagen ein. Und ebenso viele junge Künstler die er mit großer Freude völlig uneitel fördert und ihnen hilft wie nur möglich.

Eröffnet wurde mit der Ouverture zu Verdis Nabucco, unter dem Meister effektvoll vorgetragen. Der aus Italien angereist Mauro Augostini, der hier auch eine Masterclass hält, sang ein überzeugendes, schon phrasiertes Dio di Giudo. Augostini ist ein internationaler Bariton, der auch in Wien einige Male im Rahmen der Produktionen der Amici del Belcanto beispielsweise als Barnaba und Macbeth zu hören war. Als Abdallo fiel wieder der junge Hristo Ganevski (wie schon in der Norma) positive auf.

Als Abigaille konnte die junge Dimitrinka Raycheva das Publikum begeistern. Eine nicht hochdramatische, aber herrlich geführte Spintospinne die in allen Lagen gleich gut trägt und nie schrill oder übersteuert klingt. Als Baalpriester konnte man die schöne samtige Stimme von dem in diesem Konzert etwas unterbeschäftigten Bass Geo Chobanov hören. Als Waarlam im Boris war er hier vor zwei Wochen sehr erfolgreich.

Die Stimme von Boyka Vassileva ist fast Contraalto. Als Dalila sang sie verführerisch schön mit diesem gewissen Samt in der Stimme. In der Borisproduktion konnte sie als Schenkwirtin gefallen.

Nach dem Carmenblock gab es zum Auftakt zur Lenski Arie eine sehr schwungvoll gespielte Pollonaise aus dem „Jewgeny Onegin.“

Die Arie des Lenski präsentierte Arseniy Arsov mit toller Technik und feiner lyrischer Stimme. Als Gottesnarr war er im Boris zu erleben.

Ein wenig zu brav wirkte Elena Chavdarova mit der Habanera der Carmen. Eine schöne Stimme, aber die Carmen verträgt viel mehr Pfeffer im Vortrag.

Ein sehr erfreuliches Wiedersehen und -hören gab es mit dem Tenor Kaludi Kaludov, der ja nicht nur bei den Amici del Belcanto , sondern auch an der Wiener Staatsoper in den 90er-Jahren so einiges sang. Da erlebte ihn als Forresto. Cassio (sang er die Premiere neben Placido Domingo bzw. Wladimir Atlantov und Renato Bruson). Auch einige Male den ital. Sänger im Rosenkavalier. Bei einem Benefizkonzert fur das St. Anna Kinderspital war er ebenso dabei an der Seite von Ruggero Raimondi und Ildiko Raimondi, die an diesen Abend ihr erstes Wiener Konzert sang. Gestern hörte man ihn als Don José im absoluten Vollbesitz seiner Stimme. In der „Forza del destino“ sang er einen beachtlichen Alvaro. 

Vor der Pause gab es noch einen kleinen Block aus dem „Trovatore“, da kam die Überraschung des Abends. Als Manrico präsentierte sich der relative junge Tenor Valery Georgiev, der als Orchestermusiker begann – als Hornist. Der höchst musikalisch singende Künstler hat eine enorm große Spintostimme mit gewaltiger Höhe und pfefferte eine Stretta hin wie nichts. Ein echter Rohdiamant.!  Als Shuyski war als als Boris Kontrahent zu hören.

Davor gab es noch das Terzett Leonora, Manrico und Conte di Luna aus dem 2. Bild. Als Leonora war Elena Baramova nicht nur eine wunderbare Erscheinung, sie sang auch hervorragend, der Bariton Venzelslav Anastasov  konnte als Luna überzeugen. Diesen Block dirigierte der Chorleiter mit  Dirigierverpflichtung Stefan Bayadzhiev mit sicherer Hand und guten Tempi.  

Der zweite Teil wurde mit der Ouverture zu „La forza del destino“ eröffnet. Am Pult stand die junge Dame Viliana Valcheva, die auch die „Norma“ leitete. Alles genau, aber sehr militärisch ohne den schmeichelnden Verdi Schmelz wurde musiziert. Da kam das Klarinettensolo leider auch viel zu kurz. 

Dem folgte das Duett Posa – Don Carlo mit dem Pollione der“Norma“ Boris Lukov als Carlo, der sicher auch für die ganze Rolle ein guter Vertreter wäre. Als Posa hörte man wieder den Kavaliersbariton Venzelslav Anastasov. , und wieder klang alles poetisch und revolutionär zugleich.

Als Gilda präsentierte sich Irina Zhekova mit schönem lyrischen Sopran, der dieser Koloraturarie aber schon etwas entwachsen ist.  .

Orlin Goranov, ein Tenor von der Opera Plovdiv sang gefühlvollst die Arie des Macduff mit viel Ausdruckskraft um die Leiden seiner Familie und des Volkes verständlich zu machen.

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Copyright: Rossen Donev

Am Ende des Programms kam der gewaltige Aidablock. Kamen Chanev als Radames ließ eine kräftige Stimme hören, wie auch bei seinen erfolgreichen Auftritten an der Wiener Staatsoper. Sein Celeste Aida wäre zwar mit einem ppp noch schöner gewesen, aber das Publikum freute sich besonders über ein lang gehaltenes fff!

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Copyright: Rossen Donev

Dann kam der Triumphakt. Als Ramphis klang Eygeniy Stanimirov priesterlich wie zuvor als Oroveso. Als König hörte man Geo Chobanov. Dimitrinka Raycheva ist eine herrliche Aida, Amonasro wurde von Venzelslav Anastasov verkörpert und als Amneris war noch Elena Chavdarova zu hören..

Der Chor sang in ausgezeichneter Verfassung, Einstudierung von Stefan Boyadzhiev.

Nach dem Forza Block stand wieder Maestro Borislav Ivanov am Pult., der ein einfühlsamer Begleiter für alle Sänger ist. Nach dem Motto von Karajans „sie singen, ich begleite sie“

 Borislav Ivanov stammt aus Varna, machte seine internationale Karriere allerdings in Berlin, wo er nicht nur Kurt Masur sondern auch Herbert von Karajan auffiel. So wurde er für viele Jahre Chef des Sinfonieorchesters Berlin. Seine diversen Gastspiele führten in auch an die Wiener Staatsoper in der Ära Sehfellner. Er leitete einige Aufführungen von Die Entführung aus dem Serail, Boris Goudonov in der herrlichen Schenk Inszenierung. und  Cavalleria rusticana und Pagliacci mit Jon Vickers als Canio.

Auch an der Oper von Sofia war er Chef sowie in Plovdiv, wo er die Verdi Festspiele im römischen Theater gründete. Er ist mit 85 Jahren jung und immer noch aktiv und voller Pläne, speziell um jungen Künstlern den Start auf die Bühne zu erleichtern. Heute ist er GMD der Oper von Istanbul.

Vor dem Konzert wurde dem Maestro noch die höchste Auszeichnung Bulgariens verliehen, des Weiteren wurde ein Film als Zusammenfassung seines Künstlerlebens gezeigt.

Das Galakonzert fand in Kostüm und Maske statt, also kein „Abendrobewettbewerb“ bei den Damen. 

Elena Habermann  

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