Der Neue Merker

VARNA/ Bulgarien/ Opernsommer: LUCIA DI LAMMERMOOR

VARNA/ Bulgarien/Opernsommer – 17.8.2017 – LUCIA DI LAMMERMOOR

Bildergebnis für varna oper sommer lucia di lammermoor

Zum Trailer

In einer an sich traditionellen Ausstattung, eigentlich mehr Shakespeare Bühne von Dimo Kostadinov führte Ognian Draganoff Regie. Mit sehr eigenwilligen, nicht immer geschmackvollen Ideen und ohne jeglichem Vertrauen zu Gaetano Donizettis Musik. Bebildertes Vorspiel ist man ja gewohnt, aber dass er den Torre di Wolferag so zerstört, ist eine Leistung für sich. Anstatt eines enggestellten Bildes sieht man zwei Sänger, einen links den anderen rechts am Rande der Bühne auf zwei Holzgäulen sitzen, wie zwei missglückte Standbilder, das ging akustisch gar nicht.

Meine größte Bewunderung gilt der Maestra Nicoletta Conti am Pult. Nicht nur, dass alles sehr sängerunfreundlich inszeniert war, verabschiedete sich die Dampfmaschine, die den immerwährenden unnötigen Nebel erzeugte mit störender Lautstärke und kein Bühnentechniker getraute sich, das Ding abzustellen. Sie dirigierte eine stilistisch feine musikalische Umsetzung und rettete die Ehre Donizettis und seiner Musik.

Als Lucia lernte man die Sopranistin Ilina Michaylova kennen. Eine gut geführte lyrische Stimme mit guten Koloraturen. Sie ist keine süße soubrettige Lucia, sondern eine Stimme mit viel Körper und dennoch leichten Höhen. Darstellerisch könnte sie sicher sehr viel mehr anbieten als sie in dieser Regie durfte. Das gilt auch für den Edgardo. Michail Michaylov ist eigentlich kein Tenore di grazia mehr, die Stimme steht bereits bei Spinto, so wäre seine große Szene absolut das Duett mit Enrico gewesen, doch das ging aus oben genannten Gründen der Regie leider voll daneben. Auch am Schluss sang er die große Arie in unangenehmer Position und bemühte sich, das Beste daraus zu machen. Die Stimme hat ein schönes Timbre, technisch wäre noch das eine oder andere zu verbessern, in einer normalen Regie kann er absolut gewinnen. Lucias böser, eigentlich ehrgeiziger  Bruder Enrico ist Svilen Nikolov. Eine ordentliche feste schöne Baritonstimme mit viel Tragfähigkeit. Auch er wäre ein guter Darsteller, wenn man ihn ließe. Seine Stimme harmonisierte sehr gut mit dem Tenor des Edgardo, wäre da nicht …!

Der ungeliebte Sposino Arturo war Hristo Ganevski, verlässlich wie immer. Dass er noch ein blödes Schauspiel abwickeln musste, dafür kann er nichts (seine Ermordung durch Lucia zu zeigen, gehr ja noch an, aber dass man ihn danach noch abgehen sieht, ist lächerlich). Als Raimondo strahlte Eugeniy Stanimirov wohlklingende väterliche Wärme und Ruhe aus, er war als einziger frei von Regiedummheiten. Als Alisa und Normanno komplettierten Vjara Zhelesova und Plamen Dolaptschiev.

Der Chor sang ordentlich unter Tsvetan Krumov. Die Kostüme von Salvatore Russo waren richtig in der Zeit, wenn auch bei manchen etwas zu prächtig.

Das Publikum reagierte doch sehr indigniert auf die seltsamen störenden Geräusche und es  blieben dann auch einige nach der Pause weg.

Am Ende großer Jubel für die drei Protagonisten und die Maestra.      

Elena Habermann             

 

Diese Seite drucken