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VARNA/ Bulgarien/ Opernsommer: ATTILA. Ein Fest für Verdi

Varna – Opernsommer, 19.8.2017 – ATTILA
Ein Fest für Verdi

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Da Attila eine große Choroper ist, möchte ich mit dem Chor beginnen, der eine ganz große Leistung bot. Die Chortruppe ist zwar nicht allzu groß, aber die Stimmen sind sehr schön und kräftig, so dass auch in den Pianostellen alles gut trug. Ein ganz großes Lob an den jungen Leiter Tsvetan Krumov.  

Am Pult gelang Aldo Sisillo eine wirklich glanzvolle Wiedergabe eines Werkes der Galeerenjahre Verdis. Das Orchester spielte präzise und schön, die Koordination mit der Bühne funktionierte ausgezeichnet. Aldo Sisillo, der Maestro aus Napoli, ist ein richtiger Kapellmeister, der sich nie als Pultstar zu geben versucht. So funktioniert eine musikalische Harmonie natürlich besonders gut und wird auch von den Mitwirkenden gut angenommen.

Die Regie ist von Deyan Miladinovich, die Ausstattung machte Alexander Zlatovich und Kostüme stammen von Milanka Berberovich – und all dies kommt  aus Belgrad. Eine Zusammenarbeit mit Theatern des Balkans, die tadellos funktioniert, und nur so kann man in finanziell schwierigen Zeiten wie diesen ein Festival am Leben erhalten. Das Szenario ist traditionell historisierend, alles andere als neu, einfach zu bauen und damit für den Austausch sehr praktikabel.  Die Abendspielleiterin Srebina Sokolova hat all dies in kurzer Zeit ordentlichst einstudiert. 

Die Besetzung ist spektakulär, für den  Attila kam Carlo Colombara angereist, eine Rolle die er besonders liebt und unlängst auch zu seinem dreißigsten Bühnenjubiläum auf CD einspielte. Colombara ist Gewinner des Lirico Oscar für Bässe, zusammen mit Luciana D’Intino, Jose Maria Siri und John Osborn. Sein Attila ist eine hervorragende Umsetzung von Verdis Musik, darstellerisch perfekt und eigentlich einer der besten Interpreten  dieser Rolle unserer Zeit. Colombara singt sehr gerne bei  dem Varna Opernsommer Festival, schon aus Ehrfurcht gegenüber seiner großen Vorbilder Boris Christoff und Nicolai Ghiaurov. Man konnte ihn hier bereits als Zaccaria – Nabucco und Re Filippo (Don Carlo) erleben. Sein Gegenspieler, der ehrgeizige Ezio wird von Vladimir Stoyanov mit großer kräftiger Baritonstimme gesungen. Stoyanov machte seine Karriere in Italien, wo er an allen großen Opernhäusern  singt.  Auch bei der erwähnten CD unter Sisillo ist er dabei.  Immer wieder ist Boiko Zvetanov als Foresto eine Sensation. Es ist unwahrscheinlich, wie er immer noch seine Stimme beherrscht, die nichts an Farbe und Kraft einbüsste. Eine bereits sehr lange Karriere (Zürich war sein Stammhaus bis zum Ende der Ära Perreira ). An der Wiener Staatsoper hörte man in einige Male als Ital. Sänger im Rosenkavalier. In der leider wieder sehr bald verloren gegangenen Sommerbühne in Wien in der Rossauerkaserne (nicht Wiener Staatsoper) konnte man ihn ebenso als Foresto  erleben und es war auch damals sehr beeindruckend.  Auch da war die große Sangeskultur und feine Stilführung zu bewundern.  Als Odabella ist Linka Stojanova eine überaus gute Hausbesetzung. Sie singt mit den richtigen dramatischen Ausbrüchen, dennoch ist die Stimme weich und flexibel und kann auch herrliche Piani  setzen. Man nimmt ihr die Rächerin des ermordeten Vaters absolut ab.  Als Uldino war wieder Hristo Ganevski dabei. Eine musikalische Überraschung ist die schöne  Stimme von Peter Petrov als Papst Leo.         

Das Festival gibt es seit 2010, also ab der Direktionszeit von Daniela Dimova, die unermüdlich arbeitet, um immer wieder neue Produktionen zu finden, so kann man bereits auf 2018 neugierig werden.  Frau Dimova ist ausgebildete Opernsängerin, würde aber nie ein Programm so gestalten, dass sie unentwegt dabei ist,  wie andere Direktoren es gerne machen.  Nur in einer Produktion machte sie erstmals selbst mir. Sie spielte ganz entzuckend die ältere Katze Grisabella in Cats. Die Produktion ist entzückend,  aber das war alles an Selbstdarstellung dieser  sieben Jahre ihrer Direktionszeit.

Im Winter wird im Opernhaus gespielt, ein kleines hübsches Haus mit 450  Platzen. Das Sommertheater fast 2500 Besucher.

So kann man den bulgarischen Musiktheatern nur alles Gute für weiterhin wünschen, weil nicht nur Sofia, sondern eben auch Varna, Plovdiv, Burgas und andere  Opernhäuser dieses kleinen Landes machen Sommeroper. Das Land brachte ja auch immer großartige Sänger hervor. Man denke nur neben den schon erwähnten Ghiaurov und Christiff an Dimiter Usunov, Nicalai Ghiuselev, die Bruder Wenko  und Spas Wenkoff, Ghena Dimitrova oder an Margarita Lilowa, die an über 1100 Abenden auf der Bühne der Wiener Staatsoper stand.

Elena Habermann

PS: Marena Balinova-Reichl, eine in Wien lebende bulgarische Sopranistin, erntete am 24.8. bei einer Operngala stehende Ovationen eines begeisterten Publikums. Demnächst wird sie „Norma“ singen!

 

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