Der Neue Merker

Ulrike Ladnar: FRANKFURTER SZENEN

BuchCover  Ladnar, Frankfurter Szenen

Ulrike Ladnar:
FRANKFURTER SZENEN
Historischer Roman
412 Seiten, Gmeiner Verlag 2017

Wie so viele Krimi-Autoren weiß auch Ulrike Ladnar um das Geheimnis von geglückten Fortsetzungen: Gib den Lesern und, in ihrem Fall wohl besonders, den Leserinnen eine Heldin, die man lieb gewinnt und auf deren weiteres Schicksal neugierig ist, dann wird nach den Büchern gegriffen. Sie hat in ihren ersten Romanen „Wiener Herzblut“ (2012) und „Wiener Vorfrühling“(2013) die unendlich sympathische Figur der jungen Intellektuellen Sophia von Wiesinger, später verheiratete, dann verwitwete Sachl, kreiert und sie nicht nur in spannende Mordfälle mit zeitgeschichtlicher Relevanz geschickt, sondern auch in die aufregende, tragische Epoche des Ersten Weltkriegs gestellt hat.

Der nächste Roman, „Das Geheimnis der fünf Frauen“ (2015), war dann zeitlich ein Sprung zurück, noch ohne Sophia, denn 1893 war  ihr sympathischer Vater noch ein junger Kriminalist, und es ging um Morde in einer Familie, in die fünf Frauen (jede für sich ein Paradigma möglicher Frauenschicksale in dieser Epoche) verwickelt waren. Prächtige historische Lektüre.

Nun ist Ulrike Ladnar zu Sophia zurückgekehrt, man schreibt das Kriegsjahr 1917, aber es gibt einen Schauplatzwechsel: Sophia (sie studiert, wie erinnerlich, Jus in Zürich) besucht ihre dem Leser, der Leserin bekannte Freundin Mascha in Frankfurt. Die kluge jüdische Ärztin hat sich an Sophia gewandt, weil in der Pension, in der sie wohnt und wo sich eine Menge „Theatervolk“ findet, seltsame und gruselige Dinge geschehen. Und kriminalistisch ist Sophia ja bekanntlich versiert.

Wieder kann man diesen Roman auf verschiedenen Ebenen lesen: Da ist die Krimi-Handlung, die von einiger Bedrohlichkeit durchzogen ist. Da sind die vielen, mannigfaltigen Frauenschicksale, die der Autorin besonders am Herzen liegen. Und da ist vor allem die Zeitschilderung, die brutale Realität eines Weltkriegs, der sich in alle Lebensbereiche – von Alltag bis Beziehungen – schmerzlich und grausam hineinfrisst.

Und dass, wer Frankfurt (die Wahlheimat der Autorin) gut kennt, von den historischen Reminiszenzen wohl entzückt ist, das beweist nicht zuletzt die Buchhandlung des Frankfurter Städel-Museums, wo dieser Roman als einziges „Nicht-Sachbuch“ unter der „Frankfurt-Literatur“ zu finden ist.

Renate Wagner

Ulrikes Buch im Staedl 2~1

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