Der Neue Merker

TRAINSPOTTING 2

FilmPlakat  T2 Trainspotting~1

Filmstart:  10. März 2017 
TRAINSPOTTING 2
T2: Trainspotting 2  /  GB  /  2017 
Regie: Danny Boyle
Mit: Ewan McGregor, Robert Carlyle, Ewen Bremner, Jonny Lee Miller u.a.

Es ist nicht leicht und im Grunde sehr mutig, eine Fortsetzung nach 20 Jahren zu drehen, da man vernünftigerweise davon ausgehen muss, dass das junge Publikum, das angeblich vor allem ins Kino geht, das Original nicht kennt, möglicherweise nicht einmal davon gehört hat – selbst, wenn es sich um einen solchen Kultfilm handelte, wie „Trainspotting“ es im Jahre 1996 war. Irgendwie konnte man damals mit Drogen, Sex und absolut zynischer Unmoral auch noch mehr schocken als heute. Kurz, Regisseur Danny Boyle hat damals eine nicht unbedingt politisch korrekte, aber brillante, decouvrierende, negative Ikone britischen Zeitgeistes geschaffen…

Was jetzt? Man denkt einfach weiter, was aus den damaligen Kerlen aus der Distanz von zwei Jahrzehnten geworden ist (nichts Besseres, ist zu befürchten), und wenn man hinter dem aufräumt, was einst als Rechnung offen geblieben ist, dann erzählt man halt mit den üblichen Tricks, worum es gegangen ist: eine Vergangenheit hat schließlich jeder. Kurz, Danny Boyle hat sein „Trainspotting“ einfach auf der Basis der damaligen Figuren weiter gedacht, und das ist auf andere Art frech, blitzend bösartig und vergnüglich ausgefallen wie damals.

Angeblich ist eine Trainspotting-Fortsetzung auch so lange gescheitert, weil Boyle und Hauptdarsteller Nr. 1, Ewan McGregor, sich überworfen hatten. Nun sind sie wieder zusammen, und Ewan McGregor ist nicht nur unabdingbar, weil er die Zentralfigur ist, sondern weil er sich auch aus der Distanz von zwei Jahrzehnten noch einigermaßen gleichsieht. Von Robert Carlyle kann man das nicht behaupten, da muss man dreimal hinsehen, bis man ihn erkennt, und auch Ewen Bremner und Jonny Lee Miller sind entsprechend gealtert. Aber sie sind da – und haben noch so manches Hühnchen miteinander zu rupfen. Ja, und Danny Boyle inszeniert auch eine gewisse Trostlosigkeit mit: Großbritannien ist heute nicht mehr so lustig wie einst… man weiß es.

NEhopny3Slnqkk_1_b

Da sind sie also alle wieder in Edinburgh, denn auch Mark „Rent Boy“ Renton (McGregor) ist wieder heimgekehrt, wenngleich er das missglückte Privatleben erst später zugibt. Allerdings hat Mark, wie man sich erinnert, zwei seiner Freunde (nicht Spud!) bei einem Drogendeal übers Ohr gehaut und ist mit den Anteilen der anderen nach Amsterdam abgedampft. Das vergisst und verzeiht sich nicht, schon gar nicht bei grimmigen Schotten.

Allerdings hat Spud (Ewen Bremner, immer schon der Poet unter ihnen, er ist es geblieben) sowieso andere Sorgen, der möchte sich nämlich gerne umbringen und wird von Mark gerade noch daran gehindert. Pub-Besitzer Simon (Jonny Lee Miller) ist lebendiger und prügelt auf Mark los, sobald er ihn sieht. Wenn nun auch Simons Freundin, die bulgarische Hure Veronika (sehr komisch: Anjela Nedyalkova) eingeführt ist und es Begbie (Robert Carlyle, wie gesagt schwer zu erkennen und ein wirklich durch und durch beängstigender Typ) gelingt, aus dem Gefängnis auszubrechen, sind die nötigen Protagonisten beisammen. Äußerst witzig ist übrigens, dass sich Spud plötzlich entschließt, seine Erinnerungen aufzuschreiben – und die Rührung der anderen angesichts der Ergüsse über ihre Vergangenheit ist auch eine kleine Verbeugung vor der schottischen Liebe zur Literatur (sie hatten ja ein paar ganz Große der englischen Sprache….).

Danny Boyle hat noch immer seine alte Neigung zu absolut verrückten, skurrilen Situationen, dass man angesichts von so viel Absurdität nur erschöpft lachend und staunend im Kinosessel hängen kann. Da fungieren dann auch Kloschüsseln als Kampfwerkzeuge, und die Freunde, die so kriminell sind wie eh und je, gehen am Ende erneut einer ungewissen Zukunft entgegen.

Für die Liebhaber des ersten Teils gibt es zwar ein paar Zitate, aber wirklich nötig ist die Kenntnis des Vorgängerfilms nicht. Und Danny Boyle, mittlerweile 60, ist auch nicht milder geworden: Seine Figuren, nun in den späten mittleren Jahren, haben zwar den jugendlichen Drive verloren, aber dem neuen Erwerbszweig Pornos und Erpressung huldigen sie ohne weiters. Alles beim Alten. Den Zeitgeist von heute streift der Regisseur nur gelegentlich von ungefähr („Choose Facebook, Twitter, Instagram and hope that someone, somewhere cares“).

Also, fassen wir zusammen: Von moralischen Skrupeln darf man sich sein Vergnügen nicht stören lassen. Denn komisch ist die Sache auf ihre Art wieder. Nicht der einstige Film abgekupfert. Sondern der neue im alten Geist weitergedacht. Niemand wird jünger.

Renate Wagner  

Diese Seite drucken