Der Neue Merker

TODESFÄLLE – STAND OKTOBER 2016

TODESFÄLLE (STAND OKTOBER 2016)

Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

Hilde LÄNGAUER ist am 24.6.2016 im Alter von 102 Jahren verstorben

Hilde LÄNGAUER

Geboren am 24. März 1914 in Rumänien; ihr erstes Engagement führte sie 1934 an das Theater Innsbruck. Von dort ging sie 1935 an das Deutsche Theater in Aussig/Böhmen und 1936 an das Opernhaus von Breslau, dem sie bis zur Schließung der deutschen Theater im Kriegsjahr 1944 angehörte. Nach dem Krieg zog sie nach Wien, wo sie an der Wiener Staatsoper in der Volksoper 1945-50 insgesamt 19 Mal als Pepi in Wiener Blut und in den Jahren 1947-51 am Wiener Bürgertheater auftrat. 1954-55 gastierte sie nochmals an der Wiener Staatsoper in der Volksoper als Donna Aurora in Giroflé-Girofla von Charles Lecocq und als Adelaide in Der Vogelhändler. Ab 1955 stand sie regelmäßig in der Volksoper auf der Bühne, u. a. als Mrs.Wade (Wonderful Town), Dolly (Annie, get your gun), Fürstin Božena (Gräfin Mariza), Gräfin Hardegg (Das Land des Lächelns), Frau Schlumberger (Die Zirkusprinzessin), Friederike von Insterburg (Ein Walzertraum), Sylviane (Die lustige Witwe), Mme. Quimper-Karadec (Pariser Leben), Lehrerin (in der Uraufführung von Die Frühjahrsparade), Anhilte (Die Csárdásfürstin), Ballmutter (Wiener Blut) und Giovanna (Eine Nacht in Venedig). Insgesamt hat sie bis 1973 an der Volksoper in insgesamt 790 Vorstellungen mitgewirkt.

Ihre Schallplattenaufnahmen erschienen bei Philips (Operetten-Querschnitte) und bei Vox (Szenen aus Operetten). Sie war zeitweilig verheiratet mit dem Operettentenor Carl Heinz Graumann († 23.12.1965 Wiesbaden), der mit ihr zusammen in Breslau engagiert war, nachdem er 1927 in Stettin debütiert hatte und anschließend an den Theatern von Greifswald, Göttingen und Chemnitz auftrat. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er seine Karriere am Hamburger Operettenhaus sowie an den Staatstheatern von Wiesbaden und Karlsruhe (hier auch als Regisseur) fort.

 

Bernard IZZO ist am 5.8.2016 in Downers Grove (Illinois) verstorben

Bernard IZZO

 Geboren am 21. März 1924 in Rochester; Nachruf auf den amerikanischen Bariton auf Englisch: http://www.chicagotribune.com/news/obituaries/ct-bernard-izzo-obituary-20160921-story.html

 

Iris KELLS ist am 10.8.2016 verstorben

Iris KELLS

 Geboren am 31. Januar 1923 in Pachmari (Indien); Nachruf auf die britische Sopranistin auf Englisch: http://www.telegraph.co.uk/obituaries/2016/08/25/iris-kells-soprano–obituary/

 

Béla TURPINSZKY ist am 26.8.2016 verstorben

Béla TURPINSZKY

 Geboren am 10. Dezember 1931 in Léva; er begann zunächst das Studium der Rechtswissenschaften, wechselte dann aber in das Gesangfach und wurde Schüler der beiden großen ungarischen Sänger Alexander Svéd und József Réti in Budapest. 1960 fand sein Bühnendebüt als Bariton an der Nationaloper von Budapest in der Partie des Sid in »Albert Herring« von Benjamin Britten statt. Nachdem er anfänglich Baritonpartien gesungen hatte, entwickelte sich seine Stimme zum Heldentenor. Seit etwa 1965 wurde er vor allem als Wagner-Sänger bekannt. Dabei galten als seine beiden bedeutendsten Kreationen der Tristan und der Titelheld im »Parsifal«. Daneben hatte er auch in Aufgaben aus dem Bereich der italienischen, der slawischen und der ungarischen Opernliteratur seine Erfolge. Gastspiele führten ihn an Bühnen in Österreich, in Ost- und Westdeutschland, u.a. an das Staatstheater in Kassel. Daneben genoss er als Konzertsänger hohes Ansehen. Auch unter dem Künstlernamen Béla Adolbert aufgetreten.

Einige Aufnahmen, alle als Tenor, auf der ungarischen Marke Hungaroton.

 

Biserka ANIĆ-BELKOVIĆ ist am 29.8.2016 in Split verstorben

Biserka ANIĆ-BELKOVIĆ

 Geboren 1939 in Zagreb; Nachruf auf die kroatische Mezzosopranistin auf Kroatisch: http://www.jutarnji.hr/kultura/glazba/preminula-biserka-anic-belkovic-splitska-operna-publika-izgubila-je-svoj-visoki-mezzosopran/4660187/

 

Giampiero MASTROMEI ist am 8.9.2016 verstorben

Giampiero Mastromei

Geboren am 1. November 1932 in Camaiore in der Toscana; seine Familie war italienischer Abstammung, wanderte aber nach Argentinien aus. Er erhielt seine Ausbildung in Buenos Aires, zum Teil bei dem berühmten Bariton Apollo Granforte. Er kam als Eleve an das Teatro Colón Buenos Aires, in dessen Opernschule er durch Mario Melani und Hina Spani weitergebildet wurde. Er debütierte 1959 am Teatro Colón Buenos Aires als Schaunard in »La Bohème« und trat während 13 Spielzeiten an diesem Haus auf. 1962 kam er nach Europa und war dort zuerst am Opernhaus von Marseille erfolgreich. 1969 debütierte er als Scarpia in »Tosca« an der Wiener Staatsoper, an der er bis 1990 in 107 Aufführungen in Erscheinung trat (als Luna im »Troubadour«, als Escamillo in »Carmen«, als Posa in Verdis »Don Carlos«, als Carlo in Verdis »La forza del destino«, als Jago in Verdis »Otello«, als Amonasro in »Aida«, als Tonio im »Bajazzo«, als Marcello in »La Bohème«, als Macbeth in der gleichnamigen Verdi-Oper, als Sharpless in »Madame Butterfly«, als Rigoletto, als Lescaut in Massenets »Manon«, als Germont-pêre in »La Traviata« und als Dulcamara in »L’Elisir d‘amore«). An der Mailänder Scala hatte er 1972-73 als Amonasro, 1972 als Renato in Verdis »Un ballo in maschera« und 1975 als Scarpia große Erfolge. Bei den Festspielen in der Arena von Verona hörte man ihn 1971-72, 1976 sowie 1983-86 als Amonasro, 1974 und 1984 als Scarpia. Er sang bei den Festspielen von Caracas, Oviedo und Bilbao sowie während einer italienischen Saison in Tokio. 1972 am Teatro Colón als Carlo in »La forza del destino« zu Gast, 1972-74 am Teatro Liceu Barcelona. Im Verlauf seiner Karriere trat er auch in London und Hamburg, in Madrid und Budapest, in San Francisco (1973 als Germont-père), Dallas und Philadelphia auf. 1987 sang er den Amonasro bei den Aufführungen von Verdis »Aida«  vor den Tempeln im ägyptischen Luxor. 1989 Gastspiel in Havanna als Scarpia.

Schallplatten: RCA (»Simon Boccanegra« von Verdi), Philips (»Il Corsaro« von Verdi), MRF (»Aida«).

 

Johan BOTHA ist am 8.9.2016 in Wien verstorben

Johan BOTHA

Geboren am 19. August 1965 in Rustenburg (Südafrika); durch seinen Vater, der ein großer Bewunderer von Enrico Caruso war, kam er frühzeitig mit Musik und Gesang in Berührung. Seit seinem 10. Lebensjahr erhielt er Klavier- und Gesangsunterricht. Seine eigentliche Ausbildung erfolgte seit 1986 in der Opernschule des Technikums von Pretoria bei Eric Müller. Nachdem man anfänglich angenommen hatte, dass er eine tiefe Bassstimme besitze, wurde er seit 1987 zum Tenor umgeschult. Er wirkte in mehreren Aufführungen der Hochschule von Pretoria mit, so 1988 in der Uraufführung von Hendrik Hofmeyers Oper »The Fall of the House of Usher«. 1989 sang er am Theater von Roodepoort den Max im »Freischütz«, 1990 wurde er als bester Sänger Südafrikas ausgezeichnet und darauf zu Konzerten in Warschau und Moskau eingeladen. Der Chordirektor der Bayreuther Festspiele Norbert Balatsch wurde auf seine Begabung aufmerksam und vermittelte ihm ein weiterführendes Studium in Bayreuth, das bis 1990 dauerte. 1991 debütierte er für Deutschland am Pfalztheater von Kaiserslautern in der Partie des Gustavus (Riccardo) in Verdis »Maskenball«, anschließend sang er am Opernhaus von Dortmund den Prinzen in »Die Liebe zu den drei Orangen« von Prokofieff. In der Spielzeit 1991-92 kam er als Ensemblemitglied an das Stadttheater von Hagen (Westfalen), wo er den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Pedro in »Tiefland« von E. d’Albert, den Cassio in Verdis »Otello« und den Prinzen Sou-Chong im »Land des Lächelns« von Fr. Lehár sang. und gastierte am Theater von Bonn als Florestan im »Fidelio«. Seit 1992 war er dann Ensemblemitglied des letztgenannten Opernhauses. An der Pariser Oper gastierte er 1993 als Pinkerton und 2000 als Pollione in »Norma« von Bellini. 1993 sang er in Catania das Tenor-Solo im Verdi-Requiem und an der Komischen Oper Berlin den Canio im »Bajazzo«, 1994 an der Staatsoper Berlin den Grafen Rudolph in »Silvana« von Weber, an der Wiener Volksoper den Rodolfo in »La Bohème«, am Grand Théâtre Genf die Titelrolle in Mozarts »Idomeneo«, 1995 am Théâtre Châtelet Paris den Florestan, an der Staatsoper Berlin den Cavaradossi in »Tosca«. 1995 debütierte er als Rodolfo in »La Bohème« an der Londoner Covent Garden Oper, an der er danach auch als Radames in »Aida«, als Kalaf in Puccinis »Turandot«, als Lohengrin, als Tannhäuser und als Kaiser in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss gastierte. 1996 sang er an der Berliner Staatsoper den Turiddu in »Cavalleria rusticana«. 1996 debütierte er als Pinkerton an der Mailänder Scala, an der er 2009 das Tenorsolo im Verdi-Requiem und den Radames, 2012 den Kaiser in der »Frau ohne Schatten« und das Tenorsolo in Beethovens 9. Sinfonie sang. An der Wiener Staatsoper debütierte er am 20. Februar 1996 als Cavaradossi und war dem Haus seither eng verbunden: Hier war er in insgesamt 222 Vorstellungen zu erleben: als Lohengrin, als Florestan, als Arrigo in Verdis »I Vespri Siciliani«, als Canio, als Turiddu, als Kaiser und als Jüngling in der »Frau ohne Schatten«, als Kalaf, als Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Titelheld in »Andrea Chénier« von Giordano, als Parsifal, als Apollo in »Daphne« von R. Strauss, als Erik in »Der fliegende Holländer«, als italienscher Sänger im »Rosenkavalier«, als Titelheld in Verdis »Don Carlos«, als Radames, als Titelheld in Verdis »Otello«, als Siegmund in der »Walküre«, als Tannhäuser und als Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. 1997 debütierte er Canio an der Metropolitan Oper New York, an der er bis 2015 in insgesamt 80 Vorstellungen auch den Lohengrin, den Walther von Stolzing, den Florestan, den Kalaf, den Radames, den Don Carlos und den Otello von Verdi, den Siegmund und den Tannhäuser sang. 1997 hörte man ihn an der Berliner Staatsoper als Turiddu, am Théâtre Châtelet Paris als Lohengrin, an der Wiener Volksoper als Pollione, dort 1998 auch als Walther von Stolzing (bei der Hundertjahrfeier der Wiener Volksoper). 1998 sang er in Wien als Solist im Verdi-Requiem, an der Berliner Staatsoper den Turiddu, an der Oper von Chicago den Enzo in Ponchiellis »La Gioconda«. Bei den Salzburger Festspielen gastierte er 1998 als Florestan, 2002 als Kalaf, 2003 als Don Carlos sowie mehrfach in Konzerten (2007 in Beethovens 9. Sinfonie und in Brahms‘ Kantate »Rinaldo«, 2008 in Mahlers »Das Lied von der Erde«,  2011 in Mahlers »Das klagende Lied«). 1999 sang er am Teatro Liceu Barcelona den Kalaf, beim Festival von La Coruna (konzertant) den Florestan. 2000 gastierte er an der Oper von Los Angeles als Radames in »Aida« (mit Deborah Voigt in der Titelpartie), den er 2001 auch an der Berliner Staatsoper sang. 2001 hörte man ihn an der Dresdner Staatsoper als Kaiser in der »Frau ohne Schatten« und als Solisten im Verdi-Requiem. 2009 gastierte er an der San Francisco Opera und an der Bayerischen Staatsoper München als Otello. 2010 sang er im Theater an der Wien den Bacchus. Bei den Bayreuther Festspielen sang er 2010 sowie 2013-15 den Siegmund. An der Bayerischen Staatsoper München hörte man ihn 2011 als Lohengrin, 2012 als Kalaf, 2013-14 als Kaiser in der »Frau ohne Schatten«. Bei den Salzburger Osterfestspielen sang er 2013 den Parsifal. Noch kurz vor seinem Tod sang er 2015 beim Budapester Wagnerfestival den Siegmund und an der Bayerischen Staatsoper München den Kalaf. Aus seinem Bühnenrepertoire ist noch der Theo in der zeitgenössischen Oper »Vincent« von E. Rautavaara zu nennen. Neben Opernauftritten war Johan Botha auch regelmäßig auf den großen Konzertpodien der Welt zu erleben und arbeitete mit allen bedeutenden Dirigenten seiner Zeit zusammen. Am 3. Juni 2003 wurde Johan Botha der Berufstitel „Österreichische Kammersänger“ verliehen, 2016 wurde er zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt.

Schallplatten: RCA/Ariola (»Das Dschungelbuch« von Ch. Koechlin), Conifer (Puccini-Arien), Teldec (Melot in »Tristan und Isolde«, Ägisth in »Elektra« von R. Strauss), DGG (Stabat mater von A. Dvorák).

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.johan-botha.com/biography.php

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