Der Neue Merker

TODESFÄLLE – STAND JUNI 2016

TODESFÄLLE – Stand Juni 2016

Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

Ingeborg HELMREICH ist am 3.3.2016 verstorben

Geboren am 10. November 1929; sie begann ihre Bühnentätigkeit 1954 am Stadttheater von Augsburg, dem sie bis 1957 angehörte; 1963-64 sang sie am Stadttheater von Bielefeld, 1964-85 wie ihr Gatte Martin Häusler (* 20.5.1926, † 28.7.2012), am Stadttheater von Kiel.

Margaret ASHER ist Anfang Mai 2016 in Leicester verstorben

Margaret ASHER als Truandot

Nachruf auf die britische Sopranistin auf Englisch:
http://www.leicestermercury.co.uk/Margaret-8217-s-live/story-29216903-detail/story.html

Ursula MAMLOK ist am 4.5.2016 in Berlin verstorben

Ursula Mamlok

Geboren am 1. Februar 1923 in Berlin; nachdem der Vater Hans Meyer frühzeitig gestorben und Ursula gerade einmal zwei Jahre alt war, heiratete die Mutter 1929 erneut, und Ursula erhielt den Nachnamen des Stiefvaters Lewy. Mit der Grundschule in der Pestalozzistraße beginnend besuchte Ursula Lewy anschließend das Fürstin-Bismarck-Lyzeum in Berlin (heute Sophie-Charlotte-Oberschule). Wie für alle Juden, so begann auch für Ursula und ihre Familie Mitte der 1930er Jahre eine Zeit von Benachteiligung und Unterdrückung. So mussten 1938 auch im Fürstin-Bismarck-Lyzeum die jüdischen Kinder die Schule verlassen. Kurzzeitig konnte Ursula noch in einer Berufsschule unterkommen, wo sie das korrekte Bettenmachen und Bügeln lernen sollte, bevor ihr aber auch dort der Besuch untersagt wurde. Von den Nationalsozialisten verfolgt, verließ die Familie Lewy – mit Ausnahme der Großeltern, die kein Affidavit besaßen und später in Auschwitz ermordet wurden – letztlich das Land und ging 1939 ins ecuadorianische Exil nach Guyayquil. Schon früh begann sie mit einer musikalischen Ausbildung und erhielt bereits mit 12 Jahren professionellen Kompositionsunterricht von Gustav Ernest, einem Dozenten der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt-Universität Berlin). Im Exil gab es jedoch kaum Möglichkeiten, ihre musikalische Laufbahn weiterzuverfolgen. Zwar gab es in ihrer Stadt in Guayaquil ein Konservatorium, wo sie auch Unterricht bei Angelo Negri (1878–1947) nahm, der jedoch Ursula nicht zufriedenstellte. Sie nahm deshalb den langwierigen Postweg nach Berlin in Kauf, um mit ihrem früheren Lehrer Gustav Ernest wieder in Kontakt zu treten. Leider war das nicht für lange möglich, da Ernest später in die Niederlande auswanderte und doch letztlich von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Von ihrem Ziel nicht abweichend, verschickte sie immer wieder Manuskripte ihrer Kompositionen an verschiedene Konservatorien in den USA. Bereits ein Jahr nach ihrer Ankunft in Guayaquil erhielt sie ein Stipendium an der Mannes School of Music in New York. Gerade einmal 17 Jahre alt, kam sie allein mit der Schiffspassage von Ecuador nach New York. Da der dortige Kompositionsunterricht bei George Szell für Ursula Lewy zu konservativ war, bewarb sie sich erfolgreich im Sommer 1944 für ein dreimonatiges Stipendium an dem berühmten Black Mountain College, wo in den folgenden Jahren auch John Cage lehrte. Dort begegnete Ursula Lewy erstmals den Werken Schönbergs und der Wiener Schule. Sie nahm dort Klavierunterricht bei Eduard Steuermann und besuchte eine Meisterklasse bei Ernst Krenek. Doch es war ein kurzer Besuch Roger Sessions‘, der sie nachhaltig prägte und sie veranlasste, unmittelbar Kompositionsunterricht bei ihm zu nehmen. Später ergänzte sie diesen mit Unterricht bei Jerzy Fitelberg. 1947 heiratete Ursula Lewy Dwight Mamlok und zog nach San Francisco. Da sie noch über keinen Hochschulabschluss verfügte, sich auch noch nicht als „fertige Komponistin“ fühlte, kehrten sie nach New York zurück, wo Ursula Mamlok schließlich mithilfe eines inzwischen dritten Stipendiums bei Vittorio Giannini an der Manhattan School of Music ihren Bachelor und 1957 ihren Master of Music erhielt. In der Folgezeit lehrte Mamlok auch selbst 40 Jahre lang Komposition an der Manhattan School of Music, sowie an der New York University und der Temple University. Zu ihren bekanntesten Schülern zählt die Komponistin und Dirigentin Tania León. 2006 – nach fast 70 Jahren USA – kehrte sie nach dem Tod ihres Mannes Dwight Mamlok nach Berlin zurück. „Es ist eine Rückkehr in die Geburtsstadt“ und „nicht in die ‚Heimat‘ […].“Denn: „Meine Heimat ist die Musik“, wie sie selbst sagte (TV Berlin). Ursula Mamlok starb am 4. Mai 2016 in ihrer Geburtsstadt Berlin und wurde auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee beigesetzt.
Mamloks Œuvre umfasst etwa 75 Kompositionen, darunter Orchesterwerke, zahlreiche kammermusikalische Werke, Chorwerke, Werke für Solo-Instrumente, ein elektronisches Werk sowie Unterrichtsmaterialien. Dabei sind sie oft besonders geprägt von schwierigen, gegeneinander gesetzten Rhythmen, wie in dem äußerst komplexen String Quartet No.1 (1962), und von Kontrasten, wie sie sich in dem dramatischen Aufbau in Mamloks wohl bekanntestem Werk Der Andreasgarten, einem Liederzyklus nach Gedichten von Gerad Dwight Mamlok (1987), finden.

Irene JORDAN ist am 13.5.2016 in Craneville Place in Dalton (MA) verstorben

irene-jordan

Geboren am 25. April 1919 in Birmingham (Alabama); sie studierte am Judson College in Judson (Alabama), später bei Clythie Mundy in New York. Sie debütierte als Mezzosopran 1946 an der Metropolitan Oper New York in der Rolle der Mallika in »Lakmé« von Delibes und blieb dort bis 1948 engagiert, wo sie in insgesamt 70 Vorstellungen kleinere Partien für Mezzosopran übernahm (u.a. Fjodor im »Boris Godunow«, Page im »Rigoletto«, Kate Pinkerton in »Madame Butterfly«, Flora in »La Traviata«, Hirte in »Tosca«, Blanche in »Louise« von Charpentier, Lola in »Cavalleria rusticana«). Am 11.1.1947 wirkte sie in der Uraufführung der Oper »The Warrior« von Bernard Rogers in der Partie des Jungen mit. Sie wechselte dann nach erneutem Studium in das Sopranfach und gastierte 1954 an der Oper von Chicago als Donna Elvira im »Don Giovanni« und als Micaela in »Carmen«. 1956 hörte man sie an der Covent Garden Oper London, 1957 noch einmal an der Metropolitan Oper als Königin der Nacht in der »Zauberflöte«, 1957 an der City Opera als Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«. 1960 trat sie als Gast an der Oper von Philadelphia, 1961 an der Oper von San Antonio (als Königin von Schemacha in Rimsky-Korssakows »Der goldene Hahn«) auf. Seit 1963 bekleidete sie eine Professur an der North Western University in Evanstown, setzte aber ihre Gastauftritte fort. So wirkte sie 1964 in New York in der konzertanten Aufführung von »Athaliah« von Hugo Weisgall mit und sang im gleichen Jahr in New York in der (ebenfalls konzertanten) amerikanischen Erstaufführung von Donizettis »Maria Stuarda«. Ihre großen Bühnenpartien als Sopran waren die Aida, die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, die Butterfly und die Vitellia in »La clemenza di Tito« von Mozart. Neben ihrem Wirken auf der Bühne stand eine zweite Karriere im Konzertsaal. Sie trat dabei als Solistin zusammen mit den führenden amerikanischen Orchestern auf.
Schallplatten: CBS (»Pulcinella« von Strawinsky unter Leitung des Komponisten, Lieder von Arnold Schönberg), Columbia (»Choéphores« von D. Milhaud).

Heinrich BENDER ist am 24.5.2016 in München verstorben

Heinrich BENDER

Geboren am 11. Mai 1925; er stammte aus Saarbrücken, wo sein Vater Bratscher im Städtischen Orchester war. Er wuchs in einem bildungs- und musenfreundlichen bürgerlichen Ambiente auf, erlernte früh das Klavierspiel, nahm als Kind an Haus- und Kammerkonzerten teil und trat schon als Zehnjähriger in Soloklavier-Recitals auf. Am Saarbrücker Ludwigsgymnasium machte er 1943 das sog. Notabitur und leistete dann Kriegsdienst. Während des Schulbesuchs hatte er Unterricht in Klavierspiel und Harmonielehre bei Heinz Bongartz, damals Generalmusikdirektor des Saarbrücker Stadttheaters, erhalten. Nach Kriegsende fand Bender nach abschließendem Schulbesuch Arbeit in einer Maschinenfabrik. 1946 erhielt er eine erste Anstellung als Korrepetitor am Stadttheater Saarbrücken. Ein Jahr darauf konnte er seine Studien bei Bongartz fortsetzen, der inzwischen als Leiter der Dirigierklasse Professor an der Musikhochschule Leipzig geworden war. Neben seinem Studium in allen für einen Kapellmeister relevanten Studienfächern erwarb er sich bei Bongartz umfassende Kenntnisse in Sinfonik und Opernpraxis. Nach dem Studium bei Bongartz wechselte er an die Hochschule für Musik in Berlin-Charlottenburg, wo er bei Boris Blacher Kompositionslehre, bei Gerhard Puchelt Klavier und bei Felix Lederer Dirigieren studierte. Im Herbst 1949 trat er sein erstes Engagement als Dirigent (Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung) am Landestheater Coburg an. Hier konnte er sich als Operndirigent an einem Mehrsparten-Ensembletheater ein umfangreiches Repertoire erarbeiten und Kontakte mit Sängern, Orchestermusikern, Dirigentenkollegen und Theaterschaffenden aller Art knüpfen. An der Universität Erlangen absolvierte er zeitgleich ein Studium der Musikwissenschaft. 1955 wurde er als musikalischer Assistent zu den bayreuther Festspielen engagiert, wo er für Jahre mit den Wagner-Brüdern und bedeutenden Dirigenten wie Knappertsbusch, Keilberth, Cluytens zusammenarbeiten konnte. 1957 ging er als 1. Kapellmeister ans Stadttheater Hagen/Westf. 1959 berief ihn auf Veranlassung von Joseph Keilberth die Bayerische Staatsoper München. Dort avancierte er zum Bayerischen Staatskapellmeister. Bis zum Ende seiner Karriere blieb Bender in der Bayerischen Landeshauptstadt tätig, faktisch als ständiger erster Dirigent neben den GMD Joseph Keilberth, Wolfgang Sawallisch und Zubin Mehta. Zugleich war er als Opern- und Konzertdirigent, als Liedpianist und im In- und Ausland tätig, als Gast u.a. an der Berliner Staatsoper wie an der Deutschen Oper Berlin (Salome) und an der Wiener Staatsoper (1963 Die Entführung aus dem Serail und La Cenerentola, 1970 Lulu). 1961 leitete er bei den Schwetzinger Festspielen die Uraufführung von Hans Werner Henzes Elegie für junge Liebende. An der Bayerischen Staatsoper leitete er u.a. die deutsche Erstaufführung der burlesk-komischen Oper Le convenienze ed inconvenienze teatrali von Gaetano Donizetti (deutsch: Viva la Mamma!). Ein Angebot, nach einem Gastspiel an der Semperoper als Generalmusikdirektor nach Dresden zu wechseln, nahm er nicht wahr, da es an die Annahme der DDR-Staatsbürgerschaft gebunden war. 1969 übernahm er die Position des Chefdirigenten des Deutschen Repertoires bei der Canadian Opera Company, wo er mit dem Toronto Symphony Orchestra bis einschließlich 1976 die deutschen Produktionen leitete. Seit 1969 hatte er für drei Jahrzehnte auch die Leitung des Studios der Bayerischen Staatsoper inne und dirigierte 90 Opernaufführungen mit dessen Meisterschülern.
Heinrich Bender betreute ein Werkrepertoire ohne Grenzen. Die Kritik bezeichnete ihn als einen der „letzten Vertreter einer aussterbenden Spezies“ (Marcel Prawy) – des universal gebildeten, meisterlich interpretierenden, jeder Aufgabe ad hoc „vom Blatt“ perfekt gewachsenen Universalisten. Bender war als Orchesterleiter bis in die 1990er Jahre in München nahezu eine Legende. Die Wirkungen seiner pädagogischen Tätigkeit als Leiter des Münchner Opernstudios sind kaum zu ermessen: Die meisten der rund 200 Absolventen dieser Opernschule erreichten Karrieren an deutschen Staatstheatern und europäischen Opernhäusern. Zu Benders erfolgreichsten Schülern zählen Agnes Baltsa, Roland Bracht, Kevin Conners, Waltraud-Isolde Elchlepp, Daphne Evangelatos, Marcus Goritzki, Ingrid Haubold, Markus Hollop, Andreas Kohn, Robert Künzli, Petra Lang, Juan José Lopera, Ralf Lukas, Georg Paucker, Alfred Reiter, Christoph Stephinger, Andrea Trauboth, Violeta Urmana, Deon van der Walt, Kobie van Rensburg, Irmgard Vilsmaier, Roland Wagenführer, Yaron Windmüller. Heinrich Benders Musikproduktionen sind nur unzureichend auf Tonträgern publiziert, aber in Rundfunkarchiven vielfältig dokumentiert. Das Hamburger Archiv für Gesangskunst veröffentlicht seit 2010 Mitschnitte von Opernaufführungen unter Benders Leitung.

Annamária ALBERT ist am 25.5.2016 verstorben

Annamaria ALBERT als Turandot
Als Turandot

Nachruf auf die 1926 geborene ungarische Sopranistin auf Ungarisch:
http://kolozsvariradio.ro/2016/05/26/elhunyt-albert-annamaria-1926-2016/

Gustav MEIER ist am 26.5.2016 verstorben

Gustav Meier
Geboren am 13. August 1929 in Wettingen (Schweiz); er studierte am Zürcher Konservatorium und an der Academia Chigiana Siena. 1957–58 besuchte er in Tanglewood die Meisterklassen für Dirigenten gemeinsam mit Claudio Abbado, Zubin Mehta und David Zinman. Er begann seine Laufbahn als Dirigent an der Luzerner Oper und dirigierte dann an der Wiener Kammeroper und der Zürcher Oper. 1960-73 war er Musikprofessor an der Yale University. Danach unterrichtete er bis 1976 an der Eastman School of Music. 1980-96 leitete er die Dirigentenseminare in Tanglewood. 1988 erhielt er den Luise Vosgerchian Teaching Award der Harvard University. Zu seinen Schülern zählen u. a. Marin Alsop, Antonio Pappano, Bobby McFerrin, Yakov Kreizberg, Rico Saccani, Carl St. Clair, Bundit Ungrangsee, Mark Gibson, Jun Märkl und Benjamin Loeb. Meier war Dirigent des Greater Lansing Symphony Orchestra in Michigan und des Greater Bridgeport Symphony Orchestra in Connecticut. Außerdem trat er als Gastdirigent verschiedener Orchester der USA, Lateinamerikas und Europas auf. Er leitete die Uraufführung von Kompositionen Robert Carls, Elliott Carters, Kurt Weills, Hugo Weisgalls, James Mulco Drews und Thomas Fays. 1995 erhielt er den Ditson Conductor’s Award der Columbia University für seine Verdienste um die amerikanische Musik. 2009 erschien sein Buch The Score, the Orchestra, and the Conductor.

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