Der Neue Merker

TODESFÄLLE – Stand April 2016

TODESFÄLLE _ Stand April 2016

Francisco KRAUS ist am 27.2.2016 auf Las Palmas verstorben

Francisco_Kraus

Geboren am 21. Oktober 1926 auf Las Palmas; der ältere Bruder von Alfredo Kraus war zeitweilig als Bariton tätig. (Er sang u.a. auf der Schallplatten-Marke Montilla in »Marina« von Arrieta). Biographie auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Francisco_Kraus_Trujillo

 

José FERRERO ist am 4.3.2016 in Chinchilla verstorben

José FERRERO

 Geboren 1972 in Albacete; er erhielt seine musikalische Ausbildung als Sänger zunächst in seiner Heimatstadt und studierte dann Gesang am Konservatorium Valencia. Ferrero debütierte als Don José in Bizets »Carmen« und widmete sich als Gründer der Capilla Antigua de Chinchilla auch intensiv der Barockmusik. Als Sänger trat er zuerst an kleineren spanischen Opernhäusern und mit Regionalorchestern auf, später auch am Teatro Real in Madrid, am Gran Teatre del Liceu in Barcelona sowie am Teatro Sao Carlos in Lissabon. Darüber hinaus trat er an verschiedenen internationalen Opernhäusern auf, darunter am Teatro La Fenice in Venedig, an der Staatsoper Unter den Linden Berlin (2013 als Cavaradossi in »Tosca«) und an der Scottish Opera (2012 als Cavaradossi, 2014 als Pinkerton in »Madame Butterfly« und als Calaf in Puccinis »Turandot«). Als Konzertsänger arbeitete er mit verschiedenen europäischen Orchestern zusammen. Der spanische Tenor José Ferrero ist im Alter von 43 Jahre gestorben. Todesursache ist vermutlich ein Herzinfarkt. Ferrero debütierte als Don José in Bizets ʺCarmenʺ und widmete sich als Gründer der Capilla Antigua de Chinchilla auch intensiv der Barockmusik.

 

Zhou XIAOYAN ist am 4.5.2016 in Shanghai verstorben
Zhou XIAOYAN

 Geboren am 17. August 1917 in Wuhan in der zentralchinesischen Provinz Hubei. Durch ihren Vater, einen fortgeschrittenen Unternehmer und einen Musikliebhaber, hat sie bereits als Kind großes Interesse an Musik gezeigt. Im September 1935 wurde sie in die Shanghaier Musikfachhochschule aufgenommen, wo sie Gesang lernte. Als der Krieg gegen Japan 1937 ausbrach, musste sie ihr Studium unterbrechen und kehrte nach Hause. Ende 1938 ging sie nach Paris. Dort hat sie den namhaften Komponisten Alexander Tcherepnin kennen gelernt. Mit seiner Hilfe konnte sie im Russischen Konservatorium in Paris Vokalmusik lernen. Im Oktober 1945 konnte sie nach siebenjährigem harten Lernen endlich auf der Bühne der Pariser Oper auftreten und gleich mit ihrer schönen Stimme und hervorragender Gesangstechnik die kritischen französischen Zuschauer erobern. Danach hat sie an einem Konzert beim Prager Frühling teilgenommen und ihr Auftritt dort war ebenfalls erfolgreich. Sie wurde als „chinesische Nachtigall“ gewürdigt. Im Oktober 1947 kehrte sie nach China zurück. Nach der Gründung der Volksrepublik China 1949 begann sie, als Dozentin in der Gesangsabteilung des Shanghaier Konservatoriums zu arbeiten. Während der Kulturrevolution 1966-76 konnte sie weder singen noch ihre Lehrtätigkeit normal ausüben. Dennoch hat sie die Liebe für Musik nicht aufgegeben und sogar in dieser Zeit den Tenor Wei Song herangebildet, der inzwischen ein Weltstar geworden ist. Nach der Kulturrevolution hat sie ihre Lehrtätigkeit wiederaufgenommen. Beim Internationalen Gesangswettbewerb in Wien 1984 wurden 4 Studenten von Zhou mit drei goldenen Preisen und mit einem silbernen Preis ausgezeichnet. Dies hat den internationalen Musikkreis sehr überrascht. Um die Entwicklung der chinesischen Opern zu fördern, gute Opernsänger heranzubilden und die Kontakte und den Austausch mit dem Ausland zu intensivieren, gründete sie im Mai 1988 das Zhou-Xiaoyan-Opernzentrum am Shanghaier Konservatorium. Ein Jahr später hat die Aufführung der italienischen Oper Rigoletto großen Erfolg erzielt. In einem halben Jahrhundert hat Professorin Zhou Sänger ausgebildet, die sowohl in China als auch international erfolgreich sind. Manche Sänger sind an der Metropolitan Oper New York und am Opernhaus von San Francisco. Manche sind auf der inländischen Bühne aktiv. Und manche arbeiten an den Musikhochschulen in China. Liao Changyong, Zhang Jianyi und Gao Manhua z. B. waren wiederum bei chinesischen und internationalen Wettbewerben erfolgreich.

 

Nikolaus HARNONCOURT ist am 5.3.2016 in St. Georgen im Attergau verstorben

Nikolaus Harnoncourt

 Geboren am 6. Dezember 1929 in Berlin; die Eltern entstammten beide dem Adel. Der Vater Eberhard de la Fontaine Graf d’Harnoncourt-Unverzagt (1896–1970) kam aus einem luxemburgisch-lothringischen Grafengeschlecht, und die Mutter Ladislaja (1899–1997) war eine Gräfin von Meran und Freiin von Brandhofen und Urenkelin des populären Erzherzogs Johann von Österreich. Sein Vater hatte als ehemaliger Marineoffizier ein Technikstudium absolviert, um in Berlin als Bauingenieur zu arbeiten. Aus erster Ehe brachte er zwei Kinder mit und wohnte damals in unmittelbarer Nachbarschaft von Bertolt Brecht und Helene Weigel in der Berliner Spichernstraße. Nikolaus erhielt den Vornamen nach dem Nikolaustag. Zwei Jahre nach Nikolaus wurde sein ältester Bruder, der Theologe Philipp Harnoncourt, geboren. Die Familie siedelte 1931 nach Graz um, wo sie ihren Wohnsitz im Palais Meran nahm und wo der Vater noch ein Doktoratsstudium absolvierte und dann eine Stelle in der Landesregierung bekam. Zwei weitere Brüder sind der Jurist Franz Harnoncourt und der Mediziner Karl Harnoncourt. In seinen Volksschuljahren begann Nikolaus mit Cellounterricht bei dem Grazer Musiklehrer Hans Kortschak. Mit seinem Bruder Philipp versuchte er sich vierhändig auf dem Klavier. Als Ministranten im Grazer Dom erwarben beide elementare Kenntnisse in der Kirchenmusik. Vor allem aber wurde regelmäßig im Kreis der Familie mit Vater, Mutter und Geschwistern musiziert. Auch die anderen Familienmitglieder waren musikalisch: Der Vater komponierte im Privaten, sein Bruder René studierte nach dem Krieg Musik am Salzburger Mozarteum. Das letzte Kriegsjahr verbrachte die Familie in Grundlsee, wo Nikolaus von Paul Grümmer, dem Cellisten des Busch-Quartetts, Unterricht bekam.

Nachdem ihm seine berufliche Laufbahn lange Zeit unklar gewesen war, entschied er sich 1947, Musiker zu werden, und zog im Herbst 1948 zum Studium nach Wien. Sein Cellolehrer wurde nun Emanuel Brabec. Erst durch die Begegnung mit Eduard Melkus und durch den Unterricht in Aufführungspraxis bei Josef Mertin wurde Harnoncourt auf die Alte Musik aufmerksam. Ebenfalls lernte er hier seine spätere Frau, die Geigerin Alice Hoffelner, und den Oboisten Jürg Schaeftlein kennen, mit denen er später über lange Jahre im Concentus Musicus Wien zusammenarbeitete. 1952 trat Harnoncourt als Cellist bei den Wiener Symphonikern ein, die damals von Herbert von Karajan geleitet wurden. Diese feste Anstellung behielt er bis 1969. 1953 heirateten Harnoncourt und Alice Hoffelner. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: die Mezzosopranistin Elisabeth von Magnus (* 1954), der Regisseur Philipp Harnoncourt (* 1955), der Schauspieler Eberhard Harnoncourt (1957–90) sowie der Arzt Franz Harnoncourt (* 1961). Ebenfalls 1953 wurde ein Musikkreis gegründet, um „die durch die bildende Kunst dokumentierte Lebendigkeit des Barock auf die Musik zu übertragen“. Im Mittelpunkt standen Nikolaus und Alice Harnoncourt, und man traf sich zum Proben in der Wohnung der Familie Harnoncourt. Die musikalische Bandbreite der Gruppe, die zunächst nur aus Streichern bestand, erstreckte sich vom 18. Jahrhundert bis zurück zur Zeit des Papsthofes in Avignon. Ein Mittel zum Finden eines Verständnisses der Musik war das Sammeln und Spielen passender alter Instrumente und das Wiedererlernen der Spieltechniken, die im Stilwandel der Jahrhunderte verloren gegangen waren. Einen Schlüssel zur Konzeption der Alten Musik bildete weiterhin das rhetorische Verständnis der „Musik als Klangrede“, die Harnoncourt später auch in theoretischen Schriften darlegte. Anfangs war es für das Ensemble noch kein feststehendes Ziel, Konzerte zu geben. Alle Mitglieder hatten feste Musikerstellen, zumeist bei den Wiener Symphonikern. 1954 gab der Musikkreis sein inoffizielles Debüt mit Monteverdis „L‘Orfeo“ unter Paul Hindemith im Wiener Konzerthaus. 1957 fand unter dem Namen Concentus Musicus Wien der erste offizielle Auftritt statt, der den Auftakt für eine Konzertreihe im Palais Schwarzenberg bildete. Der Concentus Musicus besteht aus bis zu zwölf Mitgliedern, zu denen nach Bedarf weitere Musiker kommen. Den internationalen Durchbruch erzielte das Ensemble mit einer Aufnahme der Brandeburgischen Konzerte Johann Sebastian Bachs. 1967 spielte Harnoncourt in dem Film Chronik der Anna Magdalena Bach von Jean-Marie Straub den Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen. Der Concentus Musicus wirkte in dem Film als Hofensemble mit. Schon fast von Anfang an verbreitete der Concentus Musicus seine Musik auch auf Tonträgern. 1971 begann er seinen exklusiven Plattenvertrag mit Telefunken (später Teldec), der erst 2003 aufgelöst wurde und mittels dessen hunderte von Einspielungen veröffentlicht wurden, darunter die Gesamteinspielung aller Bach-Kantaten in Zusammenarbeit mit Gustav Leonhardt zwischen 1971 und 1990. Harnoncourt dirigierte im November 2012 auch die Konzerte zum 200. Jahrestag der Gründung des Wiener Musikvereins, der Concentus Musicus trat dabei in drastisch vergrößerter Besetzung gemeinsam mit dem Wiener Singverein auf. Gespielt wurde dabei G. F. Händels Timotheus oder die Gewalt der Musik in der Bearbeitung von Wolfgang Amadeus Mozart. 1972-92 unterrichtete Harnoncourt am Salzburger Mozarteum Aufführungspraxis und historische Instrumentenkunde und ab dem Wintersemester 1973 auch am Institut für Musikwissenschaft der Universität Salzburg. Zahlreiche prominente Musiker gingen hier durch seine Schule, darunter die Sängerin Barbara Bonney und der Oboist David Reichenberg. Nachdem Harnoncourt es lange abgelehnt hatte, sich als Dirigenten zu sehen, und den Concentus Musicus bei überschaubaren Besetzungen immer vom Cello aus leitete, begann er in den 1970er Jahren, als Dirigent anderer Orchester zu agieren. Am Anfang dieser Tätigkeit stand eine Einladung, 1972 an der Mailänder Scala Monteverdis Il ritorno d’Ulisse in patria einzustudieren. Abgesehen von wenigen Musikern für das Continuo wurden ausschließlich Musiker und Sänger des Opernorchesters eingesetzt. Das erste große klassische Symphonieorchester mit modernen Instrumenten, mit dem er zusammenarbeitete, ist das Concertgebouw-Orchester in Amsterdam. 1975-89 wurden im jährlichen Wechsel die Johannes- und Matthäus-Passion von Bach aufgeführt. Die Zusammenarbeit dehnte sich alsbald auf Mozart, Joseph Haydn und bis heute bis in die Spätromantik aus: Franz Schubert, Johann Strauss (Sohn), Brahms, Dvorák, Bruckner, Alban Berg. Seit Oktober 2000 war Harnoncourt Ehrengastdirigent des Concertgebouw-Orchesters. Das erste Wiener Traditionsorchester, das Harnoncourt als Dirigenten einlud, waren 1983 die Wiener Symphoniker, bei denen er früher als Cellist gewirkt hatte. 1997 bot das Orchester ihm die Stelle des Chefdirigenten an, die er aber ablehnte. Mit den Wiener Philharmonikern, deren Ehrenmitglied er seit 2005 war, kam Harnoncourt 1984 erstmals zusammen und konzertierte mit ihnen lange Zeit vor allem bei der Salzburger Mozartwoche, dann auch in Wien sowie bei Gastspielen in Europa, den USA und Japan. In den Jahren 2001 und 2003 wurde er von ihnen eingeladen, das Neujahrskonzert zu dirigieren. Mehrere viel gelobte und erfolgreiche gemeinsame Plattenaufnahmen sind inzwischen erschienen (z. B. Mozarts Violinkonzerte mit Gidon Kremer sowie Kim Kashkashian, Aida von Verdi etc.). Harnoncourt leitete auch zwei Einstudierungen sowie die CD-Aufzeichnung von Franz Schmidts Das Buch mit sieben Siegeln (Wiener Philharmoniker, Wiener Singverein). Die Berliner Philharmoniker leitete Harnoncourt seit den 1990er Jahren regelmäßig in der Berliner Philharmonie. Zwei dieser Konzerte sind im „Archiv“ der Digital Concert Hall des Orchesters im Internet als AudioVideo-Livestream öffentlich zugänglich (kostenpflichtig). Nikolaus Harnoncourt benutzte beim Dirigieren keinen Taktstock. 1975 begann mit Harnoncourt am Pult ein Monteverdi-Zyklus für das Opernhaus Zürich mit dem Regisseur Jean-Pierre Ponnelle, im Rahmen dessen L‘Orfeo (Dezember 1975), L’Incoronazione di Poppea (Januar 1977) und Il ritorno d’Ulisse in patria (November 1977) inszeniert wurden. Im Juni 1979 folgte noch eine szenische Fassung des achten Madrigalbuches. Der Zyklus genießt noch heute einen legendären Ruf. Im Anschluss fuhr das Duo mit einem Mozart-Zyklus fort: Idomeneo (1980), Lucio Silla (Februar 1981), Mitridate, re di Ponto (Mai 1983), Die Entführung aus dem Serail (Februar 1985), Così fan tutte (Februar 1986), Die Zauberflöte (November 1986), Don Giovanni (November 1987) und Le nozze di Figaro (Februar 1989; nach Ponnelles Tod in dessen Inszenierung für die Salzburger Festspiele 1972 bzw. die Wiener Staatsoper 1977). Anschließend wirkte er mehrfach als Dirigent bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Nach Ponnelles Tod setzte er seine Arbeit bis Ende 2011 am Zürcher Opernhaus mit wechselnden Regisseuren fort: Jürgen Flimm (Fidelio 1992), Ruth Berghaus (Der Freischütz 1993), Helmuth Lohner (La belle Hélène 1994). Mit Jürgen Flimm arbeitete er seit 1990 auch oft an anderen Orten (Amsterdam, Wien, Graz, Salzburg) zusammen. Als Operndirigent wirkte Harnoncourt seit den frühen 1970er Jahren regelmäßig bei den Wiener Festwochen – zuletzt im Mai 2005 Mozarts Lucio Silla im Theater an der Wien (Regie Claus Guth) –, zweimal führte ihn der Weg an das Pult der Frankfurter Oper (1978 Giulio Cesare in Egitto von Georg Friedrich Händel und 1980 Castor et Pollux von Jean-Philippe Rameau; jeweils Regie Horst Zankl, Bühnenbild Erich Wonder). 1987-91 dirigierte Harnoncourt vier Neuinszenierungen von Mozart-Opern an der Wiener Staatsoper: 1987 Idomeneo (Regie Johannes Schaaf, Bühnenbild David Fielding, Kostüme Tobias Hoheisl), 1988 Die Zauberflöte (Regie Otto Schenk, Bühnenbild und Kostüme Yannis Kokkos), 1989 Die Entführung aus dem Serail (Regie Ursel und Karl-Ernst Herrmann, Bühnenbild und Kostüme Karl-Ernst Herrmann) sowie im selben Jahr noch Così fan tutte (Regie Johannes Schaaf, Bühnenbild Hans Schavernoch, Kostüme Lore Haas). Das Ende der Direktion von Claus Helmut Drese bedeutete auch, dass Harnoncourt seine Arbeit an der Wiener Staatsoper einstellte. Dreses Nachfolger hatten ihn lediglich noch für ein Idomeneo-Dirigat angefragt. Weil Harnoncourt den mangelnden dramaturgischen Kontext weiterer Auftritte nicht einsah, zog er sich zurück. Seit 1985 werden in Graz Harnoncourt gewidmete Klassik-Festspiele, die Styriarte, veranstaltet. Die Festspiele sind seitdem die Hauptplattform für den Concentus Musicus geworden. Zu den anfänglichen Konzerten, Oratorienaufführungen und konzertanten Opern sind später auch szenische Opernaufführungen gekommen. Mit Haydn begann Harnoncourt bei der Styriarte 1987 die langjährige Zusammenarbeit mit dem Chamber Orchestra of Europe, die über eine vielbeachtete Gesamtaufnahme der Beethoven-Sinfonien über Schumann und Mendelssohn bis Bartók führte. 2005 dirigierte er eine von Publikum und Kritik begeistert aufgenommene Carmen von Georges Bizet, für die er eine eigene, die Intentionen des Komponisten stärker berücksichtigende, Fassung erarbeitete (Regie Andrea Breth, Bühnenbild Annette Murschetz). 2008 trat Harnoncourt mit Mozarts Idomeneo erstmals nicht nur als Dirigent, sondern auch als Regisseur in Erscheinung, wobei sein Sohn Philipp – der Theatererfahrung als Lichtdesigner hat – ihm als Ko-Regisseur zur Hand ging (Bühnenbild Rolf Glittenberg, Kostüme Renate Martin & Andreas Donhauser). Bei der Styriarte 2009 leitete Harnoncourt eine konzertante (halbszenische) Aufführung von Gershwins Oper Porgy and Bess, 2011 präsentierte er Bedrich Smetanas Die verkaufte Braut.

Seit den frühen 1990er Jahren war Harnoncourt nahezu jedes Jahr bei den Salzburger Festspielen sowohl als Opern- wie Konzertdirigent präsent. Seine erste Oper dirigierte er dort 1995 (Mozarts Le nozze di Figaro, Regie Luc Bondy). 2006 leitete er anlässlich der Eröffnung des neuen Hauses für Mozart die Neuinszenierung von Mozarts Le nozze di Figaro (Regie Claus Guth) und in der Felsenreitschule die Wiederaufnahme von La clemenza di Tito. Harnoncourt hatte im Dezember 2005 in einem Interview mit der österreichischen Zeitschrift News angekündigt, seine Arbeit bei den Festspielen altersbedingt und wegen seiner Tätigkeit am Theater an der Wien auf sommerliche Orchesterkonzerte zu reduzieren und keine Opernaufführungen mehr zu leiten. So leitete er Ende August 2007 lediglich Konzerte der Wiener Philharmoniker im Großen Festspielhaus. Im Sommer 2012 jedoch dirigierte er die Zauberflöte in der Felsenreitschule, mit seinem Concentus Musicus. Die Resonanz bei Kritik und Publikum war zwiespältig. Am Theater an der Wien dirigierte Harnoncourt im März 2006 eine Wiederaufnahme der Lucio-Silla-Produktion der Wiener Festwochen. Im April 2006 leitete er dort eine szenische Realisierung von Mozarts Die Schuldigkeit des ersten Gebots (Regie Philipp Harnoncourt), die im Rahmen des Festivals Osterklang stattfand. Am 17. November 2007 leitete er die Premiere von Joseph Haydns Orlando Paladino (Regie Keith Warner). Am 5. Dezember 2009 erfolgte dort die Premiere einer Aufführungsserie der Haydn-Oper Il mondo della luna mit dem Concentus Musicus (Regie Tobias Moretti). 2013 dirigierte Harnoncourt Beethovens Fidelio im Haus seiner Uraufführung, im März 2014 leitete er konzertante Aufführungen der drei Da-Ponte-Opern Mozarts mit dem Concentus Musicus.

Auf dem Gebiet der Vokalmusik begann 1978 eine langjährige Verbindung mit dem Arnold Schoenberg Chor unter Erwin Ortner. Dieser Chor war nicht nur Harnoncourts erste Wahl bei Projekten mit dem Concentus Musicus, sondern er tritt auch bei Konzerten mit anderen Orchestern in Erscheinung. In den Kantateneinspielungen Bachs setzte Harnoncourt weiterhin Knabenchöre wie die Wiener Sängerknaben und den Tölzer Knabenchor ein, bei den größeren Vokalwerken bevorzugte er den gemischten Chor. Am 5. Dezember 2015, einen Tag vor seinem 86. Geburtstag, teilte Nikolaus Harnoncourt in einem offenen Brief seinen Rücktritt vom Dirigentenpult mit. Am 5. März 2016 starb Harnoncourt in St. Georgen im Attergau in Oberösterreich. Dort wurde er auf dem Friedhof beigesetzt.

 

Maurice MAIEVSKY ist am 10.3.2016 in Paris verstorben

Maurice MAIEVSKY

 Geboren am 11. Januar 1938 in Paris; der Sänger, dessen eigentlicher Name Maurice Machabanski war, erhielt seine Ausbildung seit 1957 am Conservatoire National de Paris. Diese wurde durch seine Einberufung zur Armee im Algerien-Krieg unterbrochen. So debütierte er erst 1962 am Opernhaus von Reims als Dimitrij im »Boris Godunow«. Im folgenden Jahr 1963 wurde er an die Grand Opéra Paris verpflichtet. Da man ihm dort überwiegend nur kleinere Rollen zuwies, gab er dieses Engagement 1966 auf und trat mit großem Erfolg an Theatern in der französischen Provinz auf, war aber 1969-71 nochmals an der Grand Opéra Paris engagiert. Am Grand Théâtre Genf gastierte er 1970 als Don José in »Carmen« und 1974 als Barinkay im »Zigeunerbaron«. Bei den Festspielen von Glyndebourne gastierte er 1971 als Hermann in »Pique Dame« von Tschaikowsky und 1972 als Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. 1974 war er am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, 1981 in Dublin zu Gast. An der Wiener Staatsoper war er 1978 als Don José zu hören, er gastierte in Palermo, Madrid, im Haag, in Montreal, Santa Fé und Montevideo, am Bolschoi Theater Moskau und in Teheran. 1974 sang er am Opernhaus von Rouen in der Uraufführung der Oper »Antoine et Cléopâtre« von E. Bondeville. Er führte seine Karriere, vor allem in der französischen Provinz, bis in die frühen achtziger Jahre fort. Sein Bühnenrepertoire setzte sich aus Partien wie dem Pollione in »Norma«, dem Radames in »Aida«, dem Titelhelden im »Don Carlos« von Verdi, dem Turiddu in »Cavalleria rusticana«, dem Canio im »Bajazzo«, dem Otello von Verdi, dem Andrea Chénier in der Oper gleichen Namens von Giordano, dem Florestan im »Fidelio«, dem Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns und dem Tambourmajor im »Wozzeck« von A. Berg zusammen.

Schallplatten: MRF (Masaniello in »La Muette de Portici« von Auber).

 

Peter Maxwell DAVIES ist am 14.3.2016 in Sanday (Orkney, Schottland) verstorben

Peter Maxwell Davies

 Geboren am 8.9.1934 in Salford (England); bereits im frühen Alter erhielt er Klavierunterricht und begann zu komponieren. Nach der Schulzeit an der Leigh Grammar School studierte er an der Victoria University of Manchester und am Royal Manchester College of Music (1973 umgewandelt zum Royal Northern College of Music), wo zu seinen Mitstudenten Harrison Birtwistle, Alexander Goehr, Elgar Howarth und John Ogdon gehörten. Gemeinsam bildeten sie eine Gruppe, die sich der zeitgenössischen Musik widmete, die New Music Manchester. Nach dem Abschluss im Jahr 1956 studierte er eine kurze Zeit bei Goffredo Petrassi in Rom, bevor er 1959-62 den Posten eines Musikdirektors an der Cirencester Grammar School innehatte. Nach weiteren Studien an der Princeton University bei Roger Sessions, Milton Babbitt und Earl Kim zog Davies nach Australien, wo er als Composer in Residence am Elder Conservatorium of Music der University of Adelaide 1965-66 residierte. Darauf kehrte er nach Großbritannien zurück und zog auf die Orkney-Inseln, 1972 zunächst nach Hoy und später nach Sanday. Auf den Orkney (insbesondere in der Hauptstadt Kirkwall) findet seit 1977 das St. Magnus Festival statt, ein Kulturfestival, das Davies ins Leben rief. Regelmäßig fanden auf diesem Festival Uraufführungen seiner neuen Werke statt; oft durch das örtliche Schulorchester. Davies war 1979-84 künstlerischer Leiter der Dartington Summer School. 1992-2002 war er stellvertretender Dirigent und Komponist des Royal Philharmonic Orchestra und hat zahlreiche andere berühmte Orchester dirigiert, darunter das Philharmonia Orchestra, das Cleveland Orchestra, das Boston Symphony Orchestra und das Leipziger Gewandhausorchester. Davies erhielt 1981 den Order oft he British Empire (CBE) und wurde 1987 geadelt. Von März 2004 an war er für einen Zeitraum von zehn Jahren Master oft he Queen’s Music des Royal Household of the Sovereign of the United Kingdom. Neujahr 2014 erhielt er den Orden Companion of Honour (CH). 2007 untersagte das Orkney Islands Council dem örtlichen Standesbeamten, die Trauung von Davies mit seinem Lebensgefährten Colin Parkinson auf dessen Heimatinsel Sanday vorzunehmen. Wenig später wurde bekannt, dass sein langjähriger Vertrauter Michael Arnold, der sich mehr als 25 Jahre um die finanziellen Belange des Komponisten kümmerte, eine erhebliche Summe aus dessen Vermögen veruntreut hatte. Im Jahr 2012 haben sich Parkinson und Davies getrennt; die Polizei hatte wegen häuslicher Gewalt ermittelt. Im Februar 2016 erhielt Davies die Royal Philharmonic Society’s Gold Medal. Davies starb im März 2016 im Alter von 81 Jahren an den Folgen einer Leukämieerkrankung, an der er seit mehreren Jahren gelitten hatte.

Davies war ein sehr produktiver Komponist, der in einer Vielzahl von Stilrichtungen und Gattungen komponierte, oftmals, indem er verschiedene Stile in einem Werk kombinierte.

Zu seinen Frühwerken gehören die Trumpet Sonata (1955), ein Werk aus seiner Studienzeit, und sein erstes Orchesterwerk, Prolation (1958), das während seiner Studien bei Petrassi entstand. Seine Frühwerke verwenden oftmals serielle Techniken (z. B. seine Sinfonia für Kammerorchester, 1962), manchmal in Verbindung mit Kompositionsmethoden des Mittelalters und der Renaissance. Ausschnitte aus Themen der Gregorianik werden häufig als Grundlage herangezogen und auf verschiedenartigste Weise weiterentwickelt. Werke der späten 1960er greifen diese Techniken auf und weisen in Richtung Expressionismus und experimentelles Musik-Theater: dazu gehören Revelation and Fall, die Werke Vesalii Icones, Eight Songs for a Mad King, The Medium, Miss Donnithorne’s Maggot, Mr Emmet Takes a Walk, sowie die Oper Taverner. Taverner wiederum zeigt Davies’ Interesse an Renaissancemusik: als Stoff der Oper wird das Leben des englischen Renaissancekomponisten John Taverner behandelt. Das Orchesterstück St Thomas Wake (1969) zeigt ebenfalls diese Neigung und ist gleichzeitig ein beredtes Beispiel für Davies’ Stilkombinationen, indem er hier Foxtrott, eine Pavane von John Bull und eigene Themen kombinierte. Viele Werke dieser Periode wurden von den Pierrot Players aufgeführt, die Davies 1967 zusammen mit Harrison Birtwistle gründete (1970 wurde dieses Ensemble als The Fires of London neu geformt und weltberühmt. 1987 löste es sich auf). Worldes Blis (1969) bezeichnet die Hinwendung zu einem neuen, gemäßigteren Stil, der auch die Ruhe reflektiert, die Davies in seiner neuen Heimat auf den Orkney-Inseln gefunden hat. Seit seinem Umzug nach Orkney hat Davies häufig Themen der Inseln oder allgemeiner schottische Themen in seiner Musik verwendet, darunter auch Worte des Schriftstellers George Mackay Brown, der von den Orkney-Inseln stammt. Davies schrieb weitere Opern: The Martyrdom of St. Magnus (1976), The Lighthouse (1980, seine populärste Oper), Cinderella (1980) danach für das Staatstheater Darmstadt Resurrection (1987) und The Doctor of Myddfai (1996). In diesen Zusammenhang gehört auch die Satire The Yellow Cake Revue, ein Werk, das den Uranabbau nahe von Davies’ Heimat, Orkney-Inseln, kritisiert und verurteilt. Davies begann außerdem, sich mit klassischen Formen zu beschäftigen und vollendete seine erste Sinfonie 1976. Danach hat er eine Reihe weiterer Sinfonien geschrieben: einen sinfonischen Zyklus Symphonies No. 1 – No.7 (bis 2000), eine Symphony No. 8 unter dem Titel Antarctic (2000), eine Sinfonia Concertante (1982) sowie eine Folge von zehn Strathclyde Concertos für verschiedene Instrumente (diese Stücke entstanden aus seiner Verbindung mit dem Scottish Chamber Orchestra, 1987–96). 2002 begann seine Arbeit an einer Serie von Streichquartetten für das Maggini String Quartet, die auf dem Schallplattenlabel Naxos erscheinen (die sogenannten Naxos Quartets). Das davon jüngst erschienene ist das Quartett No. 10 (uraufgeführt im Oktober 2007 in der Wigmore Hall, London). Davies hat außerdem eine Reihe leichterer Orchesterwerke geschrieben, beispielsweise Mavis in Las Vegas und An Orkney Wedding, with Sunrise (mit Beteiligung von Dudelsäcken), sowie einige Theatermusiken für Kinder und eine große Anzahl von Musikstücken zu pädagogischen Zwecken. Unter seinen Freunden und Bekannten war Davies bekannt als »Max«. Maxwell Davies’ Farewell to Stromness gelangte 2003 in die Classic FM Hall of Fame. Im September 2007 wurde er als erster britischer Komponist mit dem Kulturpreis Premio del presidente della Republica Italiana in Florenz ausgezeichnet.

 

Jean PRODROMIDÈS ist am 17.3.2016 in Paris verstorben

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 Geboren am 3. Juli 1927 in Neuilly-sur-Seine; er entstammte einer Familie griechischen Ursprungs. Sein Vater war Rechtsanwalt und Jean studierte sowohl Rechtswissenschaften als auch Musik, unter anderem bei Tony Aubin und Noel Gallon am Pariser Konservatorium. Während seiner anschließenden Zeit bei der Armee komponierte er Musik für Armeefilme und kam so mit der Filmmusik in Berührung. Obwohl er sich hauptsächlich auf lyrische und Theatermusik konzentrierte, debütierte Prodromidès 1956 in der von Norbert Carbonnaux inszenierten Filmkomödie Courte tête als Filmkomponist. 1990 wurde er als Nachfolger von Henri Sauguet in die Académie des Beaux-Arts gewählt.

 

Günther THEURING ist am 22.3.2016 in Wien verstorben

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 Geboren am 28. November 1930 in Paris; er erhielt seine erste musikalische Ausbildung bei den Wiener Sängerknaben und studierte später an der heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (der damaligen Akademie für Musik und darstellende Kunst, Wien) Dirigieren bei Ferdinand Grossmann und Hans Swarowsky. Ferdinand Grossmann übergab ihm 1955 die Leitung des Kammerchores der Wiener Musikakademie, mit dem er unter anderem vier Tourneen in die Vereinigten Staaten unter dem Management von Columbia Artists New York unternahm. Er gründete 1959 den „Wiener Jeunesse-Chor“, der sich unter seiner Leitung zu einem der renommiertesten Chöre Europas entwickelte und zu den bevorzugten Vokalensembles u. a. von Paul Hindemith und Leonard Bernstein zählte. Dieser nahm mit dem Jeunesse-Chor sein gesamtes vokal-instrumentales Werk auf Schallplatte auf. Als erster westeuropäischer Chor führte der Jeunesse-Chor 1975 unter Leitung von Günther Theuring Chorwerke der 2. Wiener Schule in Moskau und Leningrad auf. 1971 gründete er das „Ensemble Contraste Wien“, ein Vokal- und Instrumentalensemble, das sich u. a. auch mit der Interpretation der Musik der 2. Wiener Schule einen viel beachteten Namen in Europa machte. Seit 1960 wirkte Günther Theuring als Dirigent außer in Österreich auch in Belgien, Deutschland, Israel, Spanien, den USA und Japan, u. a. mit den Wiener Symphonikern, dem Gewandhausorchester Leipzig (8. Symphonie von Gustav Mahler im Mahler-Zyklus 1985), dem Orchester des Mitteldeutschen Rundfunks MDR (Egon Wellesz), dem Orchester der Mailänder Scala (Schubert „Lazarus“, Mendelssohn „Elias“), den Prager Symphonikern, dem Jerusalem Symphony Orchestra, der Slowakischen Philharmonie, dem Mozarteum-Orchester Salzburg, den Budapester Symphonikern, dem Orchester des Dänischen Rundfunks Kopenhagen (z. B. Henze „Novae de infinito laudes“), dem ORF-Symphonieorchester und dem Niederösterreichischen Tonkünstler-Orchester, sowie mit dem Chor des MDR Leipzig, dem Chor des Bayerischen Rundfunks München, dem Frankfurter Rundfunkchor, dem Budapester Rundfunkchor, dem Chor des dänischen Rundfunks Kopenhagen, dem RIAS Kammerchor, dem ORF-Chor Wien, der Wiener Singakademie und dem Slovenski Komorni Zbor Ljubljana. Er setzte sich als Dirigent auch für die vokalsymphonische Musik des 20. Jahrhunderts ein. Er gastierte u. a. bei den Wiener Festwochen, dem Festival de Barcelona, dem Israel Festival, dem Festival de Monreale, Palermo und der 200-Jahrfeier der Scala di Milano teil. 1973 wurde Günther Theuring an die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1999 Ordinarius einer Dirigentenklasse für vokalsymphonische Musik war. 1975 gründete er gemeinsam mit der Stadt Wien die „Wiener Meisterkurse“, deren künstlerischer Leiter er seitdem war. 1987 war er künstlerischer Leiter des „Ersten Weltsymposiums für Chormusik“ in Wien, das von der „Österreichischen Gesellschaft für Chormusik“ und der „Internationalen Föderation für Chormusik (IFCM)“ veranstaltet wurde.

 

Gegam GRIGORJAN ist am 23.3.2016 in Jerewan (Armenien) verstorben

Gegam GRIGORJAN
Als Bezhukov in „Krieg und Frieden“ an der Metropolitan Opera

 Geboren am 29. Januar 1951 in Jerewan (Armenien); er begann als Kind im Alter von sechs Jahren mit Violinunterricht. Ab dem Alter von 18 Jahren besuchte er das Staatliche Komitas-Konservatorium in Jerewan, wo er zunächst Chorleitung studierte. Nach einem Jahr, mit 19 Jahren, wechselte er dann zum Gesang. Im Alter von 20 Jahren gab er 1971 sein Bühnendebüt. 1972 ging er nach West-Berlin, wo er in Solo-Konzerten auftrat. Er setzte dann ab 1972 am Staatlichen Konservatorium Jerewan in der Gesangsklasse des armenischen Tenors, Gesangsprofessors und Volkskünstlers Sergei Danieljan seine Gesangsstudien fort. 1975 war er Preisträger beim Glinka-Gesangswettbewerb, später (1982) war er auch Preisträger beim Internationalen Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau. 1975 debütierte er an der armenischen Nationaloper in Jerewan mit der Rolle des Edgardo in Lucia di Lammermoor. Zu Beginn seiner Karriere sang er hauptsächlich lyrische Partien wie Graf Almaviva in Der Barbier von Sevilla und die Titelrolle in Gounods Oper Faust. Außerdem sang er lyrische Rollen in russischen und armenischen Opern. 1978 nahm er am Gesangswettbewerb der Opernschule der Mailänder Scala teil und gehörte zu den vier Gewinnern, die ihre Gesangsstudien an der Musikschule der Scala fortsetzen durften. Während seiner Ausbildung in Italien trat er in verschiedenen, von der Scala und der Botschaft der UdSSR organisierten Konzerten auf. Bald folgte sein Debüt an der Mailänder Scala als Pinkerton in Madama Butterfly; später folgten Dimitri in Boris Godunow und Cavaradossi in Tosca unter dem damaligen Chefdirigenten der Scala Claudio Abbado. 1980 wurde er von Virgilijus Noreika, dem Direktor des Litauischen Nationaltheaters an das Opernhaus von Vilnius verpflichtet. Dort sang er u.a. Lenski in Eugen Onegin, Dimitri in Boris Godunow, die Titelrolle in Don Carlos, Alfredo in La Traviata, Herzog in Rigoletto, Pinkerton in Madama Butterfly und zahlreiche weitere Partien des russischen und italienischen Fachs. 1980-88 war Grigorjan festes Ensemblemitglied des Litauischen Nationaltheaters. 1988 gastierte er am Opernhaus in Lemberg als Cavaradossi in Tosca; außerdem trat er am Bolschoi-Theater in Moskau auf. Im Mai 1989 sprang er an der Wiener Staatsoper ein einziges Mal kurzfristig als Cavaradossi ein. 1989 wurde er als „Erster Tenor“ an das Kirow-Theater Leningrad (seit 1992 Mariinski-Theater Sankt Petersburg) engagiert. Dort sang er nunmehr lyrische und jugendlich-dramatische Tenorrollen, u.a. Lenski, Hermann in Pique Dame und Pierre in Krieg und Frieden. 1998 übernahm er am Mariinski-Theater die Rolle des Alvaro in einer Neuinszenierung der Oper La forza del destino. 2000 sang er am Mariinski-Theater die Titelrolle in Don Carlos. In den Zeiten der UdSSR gehörte Grigorjan aus nicht näher bekannten Gründen zu den Künstlern, denen Gastspiele im westeuropäischen Ausland 10 Jahre lang nicht gestattet wurden. Er wurde auf der Liste der Künstler geführt, für die Ausreiseverbote bestanden. Anfang der 1990er Jahre, mit der allmählichen Öffnung der Sowjetunion, begann dann Grigorjans internationale Opernkarriere. Mit dem Ensemble des Petersburger Mariinski-Theaters trat er unter der musikalischen Leitung von Valerij Gergiev bei Gastspieltourneen in Europa und Nordamerika auf. In Westeuropa sang er zunächst in Amsterdam (1990 am Concertgebouw Amsterdam; als Gennaro in Lucrezia Borgia) und in Paris an der Opéra Bastille (als Pierre in Krieg und Frieden). Im März 1992 gastierte er mit dem Ensemble des Mariinski-Theaters mit Fürst Igor am Teatro Politeama in Palermo. 1993 gab er mit der Partie des Lenski sein Debüt an der Covent Garden Opera in London. 1993 sang er bei den Opernfestspielen in den Caracalla-Thermen den Turiddu in Cavalleria rusticana; 1994 folgte an der Oper Rom der Radames in Aida. Er trat am Teatro Carlo Felice in Genua auf (1994 als Pollione in Norma), am Opernhaus von Monte Carlo (1994 als Lenski, 1998 als Riccardo in Un ballo in maschera), am Teatro Comunale di Firenze (1995 als Riccardo, 1996 als Turiddu), beim Festival von Orange (1995 als Radames, 1996 als Alvaro), am Staatstheater Wiesbaden (1996 als Cavaradossi mit Eva Marton als Partnerin) und an der Hamburgischen Staatsoper (1997 als Manrico in Il trovatore). 1998 sang er an der Mailänder Scala die Partie des Wassili Golizyn in Chowanschtschina. Weitere Gastspiele folgten am Teatro La Fenice in Venedig (Spielzeit 1998/99 als Radames), im Festspielhaus Baden-Baden (1999 als Alvaro), am Opernhaus von Toulouse (1999 als Alvaro), am Opernhaus von Nizza (1999 als Turiddu) und am Gran Teatre del Liceu in Barcelona (2001 als Radames). 1995 sang er den Pollione in Norma bei einer konzertanten Aufführung in Washington. 1995 gastierte er am Opernhaus von Santiago de Chile als Riccardo. Im Dezember 1995 gab er sein Debüt an der Metropolitan Opera als Hermann in Pique Dame; später trat er dort auch als Radames in Aida (Februar 2001) und in Krieg und Frieden (Februar/März 2002) auf. 1996 sang er in einer konzertanten Aufführung in Washington die Titelrolle in Ernani. 1998 gastierte er mit dem Ensemble des Mariinski-Theaters am Teatro Colón in Buenos Aires (als Dimitri und als Golizyn); später (2000) sang er dort auch den Canio in I Pagliacci. In der Spielzeit 1998/99 sang er am Opernhaus von Baltimore den Canio in I Pagliacci. In der Carnegie Hall trat er 1999 in der Oper Jolanthe auf. 2000 wurde Grigorjan Künstlerischer Leiter des Opernhauses Jerewan; er leitete das Opernhaus, insbesondere nach Beendigung seiner aktiven Sängerlaufbahn, fast sieben Jahre. In dieser Zeit trat er auch als Opernregisseur hervor. Außerdem wirkte er als Gesangslehrer. Seine Tochter Asmik Grigorjan ist ebenfalls Opernsängerin. Grigorjan war „Verdienster Künstler der Republik Litauen“ und Volkskünstler der Republik Armenien. Er starb im März 2016 im Alter von 65 Jahren an den Folgen einer Leberzirrhose.

Grigorjans wichtige Opernrollen (Lenski, Hermann, Vaudemont in Jolanthe; Alvaro) sind auf Schallplatte u.a. bei Philips dokumentiert; außerdem liegen Gesamtaufnahmen der Opern Sadko, Fürst Igor und Krieg und Frieden vor. Von einigen Aufführungen sind auch Video-Mitschnitte vorhanden. Bei Arthaus/Naxos-Video erschien ein Mitschnitt von La forza del Destino (1998 aus dem Mariinski-Theater mit Grigorjan als Alvaro); bei Philips-Video ist sein Hermann in Pique Dame erschienen. 2005 erschien eine Verfilmung der Oper Norma mit Gegam Grigorjan als Pollione.

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