Der Neue Merker

TODESFÄLLE – STAND APRIL 2015

TODESFÄLLE – Stand April 2015

Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

 Adrian MARTIN ist am 9.12.2014 in London verstorben

Adrian_MARTIN_als_Ernesto_in_Don_Pasquale

 Geboren am 10. September 1948 in Hempstead; Gesangsausbildung im London Opera Centre und im dortigen National Opera Studio. Er begann seine Bühnenkarriere 1971 als Chorist bei der D’Oyly Carte Company, wo er bis 1974 in Operetten von Gilbert & Sullivan auftrat. Eigentliches Operndebüt 1977 bei der Opera for All, an der er als Ramiro in Rossinis »La Cenerentola« und als Tonio in Donizettis »Regimentstochter« zu hören war. Er sang dann sehr oft bei der Opera North Leeds, so bereits in der Spielzeit 1979-80 in »Die lustige Witwe« von F. Lehár (als Camille de Rosillon) und 1980 als Sali in »A Village Romeo and Juliet« von Delius. Zu den weiteren Partien, die er im Laufe der folgenden zehn Jahre dort übernahm, gehörten der Rodolfo in »La Bohème« (1986), der Alfredo in »La Traviata« (1984-85), der Ismaele in Verdis »Nabucco«, der Tamino in der »Zauberflöte«, der Ernesto im »Don Pasquale«, der Nadir in »Les pêcheurs de perles« von Bizet und der Jaquino im »Fidelio« (1988). Auch mit der English National Opera war er seit 1981 eng verbunden; hier hörte man ihn u.a. als Cassio in Verdis »Otello«, als Alfred in der »Fledermaus«, als Steuermann in »Der fliegende Holländer«, als Anatol in Prokofieffs »Krieg und Frieden«, als Don Ottavio im »Don Giovanni«, als Tamino, als Vincent in »Mireille« von Gounod, als Nadir (1987), als Ferrando in »Così fan tutte«, als Jeník in »Die Sache Makropoulos« von Janácek und als Erik in »Fennimore and Gerda« von Delius. An der Welsh Opera Cardiff trat er als Lenski im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky und in den Rossini-Opern »La scala di seta« und »La Cambiale di matrimonio« auf. An der Londoner Covent Garden Oper übernahm er seit 1986 zunächst kleinere Partien im »Parsifal«, in »Salome« von R. Strauss und in der »Zauberflöte« und sang dort in der Saison 1986-87 den Tanzmeister in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und den Pong in Puccinis »Turandot«. Bei den Festspielen von Glyndebourne und bei der Glyndebourne Touring Opera hörte man ihn als Tamino und als Idamante in Mozarts »Idomeneo«. Auslandsgastspiele führten ihn an die Staatsoper von Hamburg (1981) und an das Opernhaus von Zürich, wo er den Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen« sang; diese Partie und den Don Ottavio übernahm er auch am Theater von St. Gallen, an der Grand Opéra Paris 1985 den Tybalt in »Roméo et Juliette« von Gounod, bei der Queensland Opera in Australien 1986 den Rodolfo in »La Bohème« und den Nadir.

 Ginés TORRANO ist am 27.1.2015 in Murcia verstorben

Ginés_TORRANO_in_Luisa_Fernanda
In Luisa Fernanda

 Geboren am 17. Jänner 1929 in Murcia; er begann sein Gesangstudium 1948 am Conservatorio Superior de Música in Murcia bei Manuel Massotti Littel und sang unter dessen Leitung bereits Solopartien in dem Chor »Fernando Caballero« in Murcia. Dort debütierte er auch 1949 am Teatro Romea als Turiddu in »Cavalleria rusticana«. Er setzte dann aber bis 1955 seine Studien in Madrid fort, wo er Schüler von Mercedes García Lopéz und Maria Luisa García Rubio war. 1955 ging er zur weiteren Ausbildung nach Rom und debütierte noch im gleichen Jahr an der Oper von Rom als Edgardo in »Lucia di Lammermoor«; er sang anschließend dort den Herzog im »Rigoletto«. Ende 1955 kam er nach Barcelona zurück und übernahm zunächst am Teatro Liceo Comprimario-Rollen, wobei er unter dem Pseudonym Nestro Slergi auftrat, u.a. 1956 als Basilio in »Le nozze di Figaro«. 1957 wirkte er dort in »Goyescas« von Enrique Granados als Fernando mit. In der Saison 1965-66 gastierte er am Teatro Arriaga in Bilbao in »Marina« von E. Arrieta. 1966 nahm er an einer Tournee mit einer reisenden Zarzuela-Gesellschaft in Nordspanien teil. 1969 gastierte er am Teatro Zarzuela Madrid in »El último romántico« von Soutullo; er sang in Holland wie in Lerida, der Heimatstadt des Komponisten Granados, in dessen Oper »Goyescas«, in Paris, Casablanca und Marrakesch in Konzerten. In seinem Bühnenrepertoire fanden sich neben vielen Zarzuela-Rollen auch Opernpartien wie der Canio im »Bajazzo«, der Turiddu in »Cavalleria rusticana«, der Herzog im »Rigoletto«, der Manrico im »Troubadour«, der Alfredo in »La Traviata«, der Alvaro in »La forza del destino« von Verdi, der Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, der Cavaradossi in »Tosca« und der Don José in »Carmen«. 1974 erhielt er eine Professur am Konservatorium von Murcia. Obwohl er unter einer Nervenkrankheit litt, deren erste Symptome sich bereits 1956 zeigten, konnte er noch gelegentlich im Konzertsaal auftreten, so 1995 in Abarán (bei Murcia) in einem Konzert zu Ehren des berühmten Baritons Manuel Ausensi.

Schallplatten: Decca (Fernando in »Goyescas« von Granados), auch Aufnahmen auf spanischen Marken, darunter vollständige Zarzuelas (»La generala« von Amadeo Vives, »El último rómantico« von Soutullo & Carbonell, »La pícara molinara« von Pablo Luna, »Los diamantes de la corona« von Francisco Asenjo Barbieri, Solopartien in Chorwerken, spanische Lieder).

 Roberto BAÑUELAS ist am 27.2.2015 in Mexico City verstorben

Roberto_BAÑUELAS

 Geboren am 20. Jänner 1931 in Camargo (Provinz Chihuahua, Mexico); er absolvierte seine Ausbildung zum Sänger am Conservatorio Nacional de Musica und an der Academia de la Opera de Bellas Artes in Mexico City. Bühnendebüt 1958 an der Opera Nacional de Bellas Artes von Mexico City als Marcello in Puccinis »La Bohème«. Er wurde international bekannt, als er nach Europa kam und 1971-78 Mitglied der Staatsoper von Hamburg, 1974-78 auch der Deutschen Oper Berlin war. Hier sang er eine Vielzahl von Baritonpartien des lyrischen wie des dramatischen Stimmfachs: den Escamillo in »Carmen«, den Guglielmo in »Così fan tutte«, den Figaro wie den Grafen in »Figaros Hochzeit«, den Papageno in der »Zauberflöte«, den Rigoletto, den Jago im »Otello«, den Amonasro in »Aida«, den Titelhelden in Verdis »Falstaff«, den Grafen Luna im »Troubadour«, den Renato im »Maskenball«, den Orest in »Elektra« von R. Strauss, den Scarpia in »Tosca«, den Marcello in »La Bohème«, den Figaro im »Barbier von Sevilla« von Rossini und den Golaud in »Pelléas et Mélisande«. Gastspiele führten den Sänger an die Staatsopern von Stuttgart und München, an die Nationalopern von Prag und Sofia, an die Opernhäuser von Köln und Frankfurt a.M., an das Mannheimer Nationaltheater, an die New York City Opera und an die Oper von Mexico City. 1978 kehrte er wieder nach Mexiko zurück und setzte dort seine Bühnentätigkeit noch bis Anfang der achtziger Jahre fort

Schallplatten: DGG (»Die Meistersinger von Nürnberg«).

 Eszter PÓKA ist Ende Februar 2015 verstorben

Eszter_POKA

 Geboren am 11. Februar 1944 in Eger; die aus Ungarn stammende Sängerin wurde 1971 Mitglied der Nationaloper Budapest, setzte aber in den Jahren 1973-76 mit ihrer Karriere aus. 1977 gewann sie einen Gesangwettbewerb des Ungarischen Rundfunks und trat noch im gleichen Jahr wieder in das Ensemble der Budapester Oper ein. Hier sang sie eine Vielzahl von Mezzosopran- und Altpartien aus allen Bereichen der Opernliteratur, namentlich aus dem italienischen Fach. 1985 Gastspiel am Opernhaus von Graz in Goldmarks »Königin von Saba«. Neben ihrem Wirken auf der Bühne erschien sie in Sendungen des ungarischen Fernsehens wie des Rundfunks und kam zu einer erfolgreichen Konzertkarriere.

Schallplatten: Vollständige Opern »Suor Angelica« von Puccini (in der Rolle der Principessa), »Mosè in Egitto« von Rossini (als Anaide), »La Fiamma« von Respighi, alle auf Hungaroton.

 Boris VAJDA ist am 9.3.2015 in Zagreb verstorben

Boris_Vajda

 Geboren am 2. Februar 1933 in Novska (Königreich Jugoslawien); er studierte Gesang in Zagreb; dort absolvierte er sein Gesangsstudium an der Musikakademie. Zu seinen Lehrern gehörte u.a. der bekannte jugoslawische Gesangspädagoge Lav Vrbanic. Bereits während seiner Ausbildung wirkte er in Studentenproduktionen mit, trat als Solist u.a. im Rahmen der Mai-Feierlichkeiten auf und sang im Kroatischen Rundfunk in Zagreb. Als junger Sänger wirkte er in einigen Film- und Fernsehproduktionen von Opern mit, u.a. als Graf Gil in Susannens Geheimnis, als Herr Fluth in Die lustigen Weiber von Windsor, als Graf Tomski in Pique Dame und als Ramino in Maurice Ravels Einakter Die spanische Stunde. Sein erstes Engagement als Opernsänger erhielt er an der Zagreber „Komödie“ (Zagrebačko Gradsko Kazalište „Komedija“). Dort sang er in den 1950er und 1960er Jahren zahlreiche Rollen in komischen Opern, Spielopern, Operetten und musikalischen Lustspielen. Er trat dort u.a. in Le Comte Ory (als Raimbaud), Die heimliche Ehe (als Kaufmann Geronimo), in Carl Orffs Einakter Der Mond, in den Operetten Pariser Leben (als Baron Gondremarck), Die schöne Helena und Der Vogelhändler (als Baron Weps) sowie in Werken kroatischer Komponisten wie Ivo Tijardovic, Ivan Zajc und Jakov Gotovac auf. 1969 wurde er an die Nationaloper Zagreb engagiert. Dort sang er sowohl das slawische und italienische Baritonfach, aber auch zahlreiche Bass-Rollen, insbesondere komische Rollen für Bass-Buffo. Zu seinen Rollen an der Nationaloper Zagreb gehörten u.a. Figaro in Le nozze di Figaro, Bartolo in Der Barbier von Sevilla, die Titelrolle in Fürst Igor, Kruschina in Die verkaufte Braut, Konsul Sharpless in Madama Butterfly, der Mesner in Tosca (der über viele Jahre „eine szenisch-musikalische Miniatur von hohem Niveau“ war) und König Treff in Die Liebe zu den drei Orangen. Im Bereich der kroatischen Nationaloper verkörperte er u.a. Levi in Zajcs Oper Nikola Subic Zrinjski und insbesondere die Titelrolle in Gotovacs achter Oper Stanac. Vajdas Repertoire umfasste etwa fünfzig große Opernrollen; außerdem trat er als Konzertsänger auf. Vajda interpretierte zahlreiche Hauptrollen, aber auch Nebenrollen, denen er individuelles Profil gab. Vajdas Stimme besaß ein „unverwechselbares Timbre mit Wiedererkennungswert“. Seine Stimme zeichnete sich durch „Klangschönheit, eine gute Gesangstechnik und eine ausgewogene Balance der verschiedenen Stimmregister“ aus. Er galt auch als wirksamer Bühnendarsteller. Mit dem Ensemble der Kroatischen Nationaloper gastierte er u.a. in Salzburg, Wien, in Luxemburg, Venedig, Triest (Spielzeit 1973/74 in Die verkaufte Braut), Genf, Athen, Prag, Moskau und in Japan (Tokio, Osaka). In der Rolle des Fra Melitone in Verdis Oper Die Macht des Schicksals beging er sein 45-jähriges Bühnenjubiläum. 1991 nahm er offiziell Abschied von der Opernbühne, er trat danach jedoch weiterhin noch gelegentlich auf. 2001 wurde er im Rahmen einer Festvorstellung in der Nationaloper Zagreb mit dem Preis „Zlatno zvono“ (etwa: „Goldene Glocke“) der Kroatischen Gesellschaft der Musikschaffenden (Hrvatsko društvo glazbenih umjetnika; Croatian Society of Music Artists) ausgezeichnet. Anlässlich der Preisverleihung sang Vajda noch einmal die Rolle des Fra Melitone. Vajdas Stimme ist durch einige Schallplattenaufnahmen bei dem Label Jugoton sowie durch Rundfunkaufnahmen und Fernsehaufzeichnungen aus der Nationaloper Zagreb und des Zagreber Operettentheaters (u.a. 1975 als Morales in Carmen, 1988 als Silvano in Un ballo in maschera, 1992 als Gärtner Antonio in Le nozze di Figaro und 1998 als Gefängnisdirektor Frank in Die Fledermaus) dokumentiert. Vajda lebte in seinen letzten Lebensjahren in Zagreb. Er starb im Alter von 82 Jahren. Er wurde am 12. März 2015 auf dem Mirogoj-Friedhof in Zagreb beigesetzt.

 Maria RADNER ist am 24.3.2015 bei Prads-Haute-Bléone (Département Alpes-de-Haute-Provence, Frankreich) verstorben

Maria_RADNER

 Geboren am 7. Mai 1981 in Düsseldorf; sie absolvierte ihr Studium mit Auszeichnung. Sie arbeitete regelmäßig mit KS Prof. Marga Schiml in Karlsruhe und war Stipendiatin des Richard Wagner-Verbandes Bayreuth. Noch als Studentin debütierte Maria Radner unter Zubin Mehta am Palau de les Arts Valencia in Martin y Solers Oratorium Philitaei a Jonatha disperse. Danach debütierte sie bei den Bregenzer Festspielen in der Titelrolle von Händels Salomo. Es folgten eine Neuproduktion Parsifal unter der Leitung von Lorin Maazel in Valencia, ihre Konzertdebüts am Teatro Real Madrid (Faust-Szenen unter Jesus Lopez-Cobos) und am Teatro Regio Torino (9. Symphonie von Beethoven unter Gianandrea Noseda) und ihr Debüt beim Festival d’Aix en Provence (Götterdämmerung unter Sir Simon Rattle). In den vorangegangenen Saisonen gab sie eine Serie von hochkarätigen Operndebüts bei den Salzburger Festspielen (Neuproduktion von Elektra unter Daniele Gatti und Die Frau ohne Schatten unter Christian Thielemann), Salzburger Osterfestspielen (Götterdämmerung unter Sir Simon Rattle), am Teatro alla Scala Milano (Faust-Szenen unter Pinchas Steinberg), Ariadne auf Naxos unter Bertrand de Billy am Theater an der Wien, Das Rheingold und Siegfried unter Ulf Schirmer an der Oper Leipzig, an der Bayerischen Staatsoper München (Die Zauberflöte) und an der Canadian Opera Toronto (Le Rossignol). Auch im Konzertbereich hat sich die junge Altistin vor allem mit Werken von Mahler und Beethoven einen Namen gemacht. Es folgten Einladungen  bei der Accademia di Santa Cecilia Roma (Mahlers Symphonie Nr. 2 und Nr. 8 unter Antonio Pappano), Mahler Symphonie Nr. 8  beim MITO Festival unter Gianandrea Noseda, mit dem Gürzenich Orchester Köln unter Markus Stenz und dem Orquestra Nacional do Porto unter Christoph König. Die 3. Symphonie von Mahler sang sie mit den Philharmonikern Hamburg unter Markus Lehtinen und beim RSB Berlin unter Marek Janowski. Im Concertgebouw Amsterdam debütierte sie mit Beethovens 9. Symphonie und Missa Solemnis und im Wiener Musikverein mit Jeanne d’Arc au bucher unter Bertrand de Billy. Innerhalb kürzester Zeit hat sich Maria Radner als international gefragte Altistin etabliert und hat mit ihrem Debüt im Januar 2012 in der Götterdämmerung an der Metropolitan Opera New York und mit ihrer Mitwirkung im März 2012 in Die Frau ohne Schatten am Teatro alla Scala Milano international auf sich aufmerksam gemacht. In der vorigen Saison sang sie die Erda im Ring des Nibelungen an der Grand Opéra de Genève, Dvoraks Stabat Mater bei der Santa Cecilia in Rom unter Tomas Netopil sowie die Anna in einer Neuproduktion von Les Troyens (Antonio Pappano/David McVicar) am Teatro alla Scala Milano. Weitere Engagements führten sie zuvor als Erda in Das Rheingold und in Siegfried ans Royal Opera House Covent Garden unter der Leitung von Antonio Pappano. Mit dem RSO Berlin war sie unter der Leitung von Marek Janowski in einer konzertanten Rheingold-Aufführung ebenfalls als Erda zu hören und auch das Grand Théâtre de Genève hat die Altistin für die Neuproduktion des Ring (Ingo Metzmacher/Dieter Dorn) in dieser Partie engagiert. In Florenz sang sie die Schwertleite in der Walküre mit Zubin Mehta am Pult. Konzertverpflichtungen führten die Künstlerin mit Dvoraks Requiem unter Tomas Netopil nach Lyon und mit Mahlers Symphonie Nr. 3 unter Sebastian Weigle nach Frankfurt. Im Sommer 2015 hätte sie ihr Debüt als Flosshilde und als 1. Norn bei den Bayreuther Festspielen unter Kirill Petrenko in Rheingold und Götterdämmerung gehabt. Als Erda ist sie zuletzt am Gran Teatre del Liceu in Siegfried aufgetreten. Auf dem Rückflug von diesem Engagement kam sie am 24. März 2015 beim Absturz des Germanwings-Flugs in den Französischen Alpen zusammen mit ihrem Mann und ihrem Kleinkind ums Leben.

 Oleg BRYJAK ist am 24.3.2015 bei Prads-Haute-Bléone (Département Alpes-de-Haute-Provence, Frankreich) verstorben

Oleg_BRYJAK_vor_der_Wiener_Staatsoper

 Geboren am 27. Oktober 1960 in Dscheskasgan (Kasachische SSR, UdSSR); er studierte zunächst Akkordeonspiel und Dirigieren, dann am Konservatorium von Alma-Ata Gesang. Diese Ausbildung schloss er dort 1984 ab. Er sang zunächst in Kasachstan und in Russland, u.a. mit dem Philharmonischen Orchester St. Petersburg zusammen, und trat dann in Jugoslawien, in Frankreich und in Deutschland auf (hier 1990 als König René in einer konzertanten Aufführung von Tschaikowskys »Jolanthe« in der Frankfurter Alten Oper). 1990 wurde er Preisträger beim Sylvia Geszty-Wettbewerb in Stuttgart. 1991-96 war er am Staatstheater von Karlsruhe engagiert. Hier sang er Partien wie den Timur in Puccinis »Turandot«, den Bartolo und den Basilio im »Barbier von Sevilla«, den Dulcamara in »L‘Elisir d’amore«, den Ferrando im »Troubadour«, den Fra Melitone in »La forza del destino«, den Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Galitzky in Borodins »Fürst Igor«, den Boris in »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch und den Alberich im Nibelungenring. Gastspiele führten ihn an die Opernhäuser von Leipzig und Zürich, an das Théâtre Poissy in Paris (als Bartolo im »Barbier von Sevilla«), an das Staatstheater von Wiesbaden und an die Deutsche Oper Berlin, an der er als Alberich auftrat. In seinem Repertoire für die Bühne fanden sich auch der Leporello im »Don Giovanni«, der Kaspar im »Freischütz«, der Scarpia in »Tosca«, der Don Pizarro im »Fidelio« und der Jochanaan in »Salome« von R. Strauss. Er gab Konzerte in Köln und Bonn, in der Musikhalle in Hamburg (Requiem von Dvorák), in Frankfurt (Carmina Burana von C. Orff) und in Nürnberg (Stabat Mater von Dvorák). 1996 folgte er einem Ruf an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, wo er als Leporello einen ersten großen Erfolg hatte. Am Staatstheater Karlsruhe und an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg trat er 1997-98 als Alberich im Ring-Zyklus, 1998 an der Rheinoper als Don Pasquale von Donizetti auf. An der Wiener Staatsoper gastierte er 1998-2003 in insgesamt 27 Vorstellungen als Alberich im Ring-Zyklus, als Telramund im »Lohengrin« und als Amonasro in »Aida«. An der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg hörte man ihn 2000 als Dr. Kolenaty in »Die Sache Makropoulos« von L. Janácek und 2001 als Mustafà in Rossinis »L’Italiana in Algeri«. Den Alberich sang er u.a. auch an der Berliner Staatsoper, an der Lyric Opera Chicago, in der Londoner Royal Albert Hall und in Baden-Baden. Im Sommer 2014 sang er den Alberich auch bei den Bayreuther Festspielen, auch im Sommer 2015 sollte er hier den Alberich geben. Bei seinem letzten Auftritt war er für die Rolle des Alberich in Wagners Siegfried am Gran Teatre del Liceu in Barcelona engagiert. Auf dem Rückflug von diesem Engagement kam er am 24. März 2015 beim Absturz des Germanwings-Flugs in den Französischen Alpen ums Leben.

Schallplatten: Bella Musica (Alberich in vollständigem Nibelungenring), Antes-Edition BM (Boris in »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch); Aufnahmen der Matthäuspassion von J.S. Bach und des Oratoriums »Les Béatitudes« von C. Franck.

Weitere Informationen auf seiner Web-Seite: http://www.olegbryjak.com/home/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1

 

Judith KELLOCK ist am 27.3.2015 in Ithaca (New York) verstorben

Judith_KELLOCK

 Geboren am 16. Februar 1951; Informationen über die amerikanische Sopranistin auf ihrer Web-Seite: http://www.judithkellock.com/

Manfred DRESCHER ist am 16. April in Chemnitz verstorben

 Am 16. April erlag der Tenor Manfred Drescher einem langwierigen und schweren Krebsleiden. Damit verabschiedete sich eine im schönsten Sinne des Wortes „Chemnitzer Theaterinstitution“ von der Bühne des Lebens.

 Als der Künstler 1964 von Rostock ins damalige Karl-MarxStadt kam, war er den hiesigen Theaterfreunden bereits aus Funk und  Fernsehen bestens bekannt, konnte er doch zu jener Zeit auf eine bereits rund zehnjährige Zusammenarbeit mit den genannten Medien verweisen, hatte unter so bekannten Dirigenten wie Otto Dobrindt, Heinz Fricke oder Herbert Kegel über 150 Aufnahmen produziert, in zahlreichen Konzerten an der Seite prominenter Sänger (Hella Jansen, Helge Rosvaenge und Herbert Ernst Groh) gestanden. Selbstverständlich war und blieb auch im neuen  Engagement die Operette seine Domäne, doch bald bewies der Sänger, dass er durchaus mehr zu leisten vermochte als so manch herkömmlicher Vertreter dieser Gattung. Nach dem „Wildschütz“-Baron begegnete man  ihm daher immer häufiger auf der Opernbühne. Den Auftakt zu einer Reihe von bleibenden, das Niveau des Ensembles prägenden Leistungen bildete dabei sein Sporting Life in Gershwins „Porgy und Bess“. Bewusst die Kopie eines prominenten Vorbildes (Manfred Krug) meidend, ordnete Drescher seine stimmlichen Mittel völlig der Charakterisierung dieser zwielichtigen Erscheinung unter, „verschmierte“ Tonfolgen, verzichtete auf puren Schöngesang, um auch vom Vokalen her der Gestalt dieses rauschgiftsüchtigen, schmierig-schleimigen Zuhälters das überzeugende Profil zu verleihen. Dies alles ging einher mit einer – ein Maximum an Körperbeherrschung erfordernd – artistisch-darstellerischen Erfassung der Figur.

 Blendendes Aussehen und die schon angesprochene körperliche Gewandtheit prädestinierten ihn kurz darauf für die Rolle des „Fra Diavolo“. Das Erstaunliche an seiner Interpretation bedeutete für mich jedoch die mühelose Meisterung des nicht zu unterschätzenden gesanglichen Parts. Seine leicht geführte, wohltuend männlich timbrierte Stimme kam den Auberschen Intentionen hörbar entgegen, und womit sich manch ein Vertreter des heldischeren Fachs schwer tut, servierte dieser Räuberhauptmann nahezu nebenbei. All das geriet auch Dreschers Hans in der „Verkauften Braut“ zum Vorteil, neben dem Obolski („Feuerwerk“) eine seiner Lieblingsrollen.

 Wie man selbst in kleineren Aufgaben zu höchster Intensität gelangen kann, demonstrierte der Tenor als Butler in Gottfried von Einems „Besuch der alten Dame“. Der gespenstisch-fahle Auftritt des ehemaligen Oberrichters Hofer im „Goldenen Apostel“ zählt für mich zu den beklemmendsten Momenten von mir erlebten faszinierenden Musiktheaters. Die lapidare, mechanische – fast möchte ich das Paradoxon „tonlos“ bemühen – Interpretation dieser Szene, in der sich der Richter zu einem wissentlichen Fehlurteil bekennt, trug wesentlich zu diesem Eindruck bei. Unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten mit Prof. Riha, die letztendlich ärztlichen Rat erforderten, führten 1984 zu Dreschers Abschied (als Conte Erminio in „Gasparone“) von Ensemble und Publikum.

 Der mit Spreewasser Getaufte erblickte am 4. März 1931 das Licht einer damals nicht allzu erfreulichen Welt. Johannes Heesters („Leider wurde mir nie der Danilo angeboten.“) erweckte die Liebe zu Gesang und Theater. Die  private Ausbildung der Stimme sparte sich der junge Mann in  der Nachkriegszeit förmlich vom Munde ab („Oftmals verkaufte ich meine Lebensmittelkarte.“). Kleinere Aufgaben bei Berliner Bühnen und der DEFA („Ehe im Schatten“, „1 – 2 – 3 Corona“) boten ein begehrtes Zubrot. Nebenbei musste auf  Wunsch des Vaters noch der Beruf eines Masseurs und medizinischen Bademeisters erlernt werden. Engagements als Chortenor an Theatern seiner Heimatstadt und in Potsdam vermitteln erste Bühnenerfahrungen. Parchim beschert ihm das Debüt als Solist, Frankfurt/O., Plauen (hier grüßten ihn die Theaterfreunde noch nach über 30 Jahren auf der Straße) und Rostock schlossen sich an.

 Als die inzwischen wiederum Chemnitzer Oper nach der Wende für eine Neuinszenierung von „My fair Lady“ einen Prof. Higgins suchte,  brachten die einstigen Kollegen Manfred Drescher ins Gespräch, der kurz zuvor einen Gastvertrag als Eisenstein mit der Dresdner Staatsoperette abgeschlossen hatte. Und mit dem Phonetikgelehrten Higgins ersang und erspielte sich der mittlerweile Sechzigjährige einen grandiosen  Erfolg, dem sich weitere Verpflichtungen im sogenannten Charakterfach anschlossen (Weps im „Vogelhändler“, Ypsheim-Gindelsbach in „Wiener Blut“). Auch das Musical („West Side Story“, „Hello Dolly“) zehrte von seiner Kunst, und in der Oper war er sich nicht zu schade,  einen der „Zauberflöten“-Priester zu übernehmen. Hatte sich Manfred Drescher 1964 mit dem Edwin aus der „Csardasfürstin“ an seiner neuen Wirkungsstätte vorgestellt, so nahm er 42 Jahre darauf im selben Werk als Leopold Maria seinen endgültigen Abschied von der Bühne und einem ihm treuen Publikum. Ein Kreis hatte sich geschlossen.

 Ein beschaulicher Lebensabend in seinem am Rande der Stadt gelegenen Anwesen blieb ihm versagt. Nur wenige Jahre danach verstarb seine über alles geliebte, ebenfalls über Jahrzehnte am Chemnitzer Theater tätige Frau, und er vermochte es nicht mehr, diesem Verlust mit der notwendigen Kraft zu begegnen. Diese fehlende Kraft ermöglichte wahrscheinlich auch den Ausbruch jener heimtückischen Krankheit, der er nur wenige Wochen nach seinem 84. Geburtstag den unweigerlichen  Zoll entrichten musste. In einem der letzten, mir mit ihm vergönnten Gespräche sagte der Tenor: „Künstler sollten wieder den ihnen gebührenden Stellenwert einnehmen. Wo Spitzenleistungen gefragt sind, muss der Künstler einen Namen in der Stadt genießen.“ Einen solchen Namen hat Manfred Drescher nicht nur in Chemnitz genossen.

 Joachim Weise

 

http://www.der-neue-merker.eu/statistik/

Diese Seite drucken