Der Neue Merker

STUTTGART/ Studiotheater: THE TRUMP TRIAL – Neurosen im Playboy-Interview

„The Trump Trial“ von Christof Küster im Studiotheater Stuttgart

NEUROSEN IM PLAYBOY-INTERVIEW

„The Trump Trial“ von Christof Küster am 14. Juni 2017 im Studiotheater/STUTTGART

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Copyright: Daniela Aldinger

Im Stück von Christof Küster, das aus Zitaten, Büchern, Zeitungsartikeln und Interviews besteht, muss US-Präsident Donald Trump alles über sich ergehen lassen. Neben psychologischen Gutachten, der schonungslosen Aufklärung seiner Finanzen und der Schuld am Weltchaos lässt Küster diese Person in den schillerndsten und seltsamsten Farben erscheinen. Die Schauspieler Schirin Brendel, Christoph Franz, Boris Rosenberger, Gundi-Anna Schick und Barbara von Münchhausen lassen das irrwitzige Leben Trumps ebenso in einer imaginären Gerichtsverhandlung Revue passieren, denn er wird zuletzt zum Präsidenten auf Lebenszeit gewählt. Und sein Sohn Barron verteidigt ihn vor Gericht. Die ihm hörige Bauleiterin Barbara Res erklärt ihm ihre Unterstützung bei der Präsidentenwahl. Man erfährt, dass in Amerika seit mehr als zehn Jahren über Trumps Frisur gesprochen wird – und so erscheinen nacheinander oder gleichzeitig sämtliche Darsteller mit blonder Trump-Frisur und zuweilen grimmigem Gesicht. Im hinteren Bereich wird ein Rolladen heruntergelassen, der den Blick auf New York freigibt. Im Vordergrund haben alle Trump-Figuren Platz genommen. Auf dem Tisch steht in Gold-Buchstaben der Name „Trump“, mit dem er lukrative Geschäfte macht. Tump spielt sich selbst mit neurotischen Zügen im Playboy-Interview. Er habe nie eine erfolgreiche Person getroffen, die nicht neurotisch gewesen sei. Ein enormes Energieniveau sei erforderlich, man dürfe die Zeit nicht verschlafen. Man sieht dann Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen mit Donald Trump in einer Pressekonferenz. Dabei widerspricht sie dem US-Präsidenten kaum, was einen seltsamen Eindruck hinterlässt. Merkels Foto wird herumgereicht. Außerdem erhält das Publikum Informationen über die Familie des Präsidenten – sein älterer Bruder Fred starb an Herzversagen.

Christof Küster (Regie und Konzeption) lässt in der Ausstattung von Maria Martinez Pena das atemlos-rastlose Leben des Finanz-Tycoons Revue passieren. Natürlich blitzen immer wieder satirische Momente wie abgeschossene Pfeile auf. Im Fernsehen spricht er über die nächste „Obama-Demütigung“ – und dass er mit dem chinesischen Präsidenten eine „gute Chemie“ habe. Trump betont, dass er überhaupt mit allen Welt-Politikern eine großartige Chemie habe, „E-Sissi eingeschlossen“. Boris Rosenberger philosophiert dann über das Krokodil mit Trump-Anspielungen. Die Themen Waffenbesitz, „Flag day“ und „Illegale“ werden in rasanten Szenenwechseln gestreift. Trumps „Snake-Vortrag“ wird im Internet auf rechtsradikalen Seiten verbreitet. Und in einer „Phönix-Runde“ äussern sich Fernseh-Journalisten über die Mimik Donald Trumps bei Reden im US-Senat. In der Reality-Show „The Apprentice“ hat Trump seine Kinder neben sich sitzen. Thematisiert wird zudem die Klage von drei Trump-Gegnern, die von Trump-Wächtern in Louisville aus dem Saal geworfen wurden. Christof Küster stellt hier schonungslose Fragen nach der Mitschuld verschiedener Akteure an diesem unvergleichlichen Polit-Desaster. Auch Angela Merkels Rolle bleibt dabei völlig undurchsichtig. Sie wird zuletzt sogar zur Leiterin der Bayreuther Festspiele ernannt.

Diese „Revue“ besticht durch ihren sarkastischen Hintersinn und ihre bohrenden Fragen. Man sticht ganz bewusst in ein Wespennest. Das hat unabsehbare Folgen (Video: Oliver Feigl).  

Alexander Walther

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