Der Neue Merker

STUTTGART/ Staatsoper: LA CENERENTOLA – ein spritziger Saisonstart

Stuttgart

„LA CENERENTOLA“ 24.9. 2017 (Wiederaufnahme) – Ein spritziger Saisonstart

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Erfreuliche Neuzugänge: Lilly Jorstad (Angelina) und Bogdan Baciu (Dandini). Copyright: Martin Sigmund

Mit einem schnell auf Hochtouren gekommenen Ensemble, das Rossinis espritvolle Eingebungen immer wieder richtig zum Zünden brachte, startete die Stuttgarter Oper in die letzte Saison unter der Direktion von Jossi Wieler. Vor zwar nicht vollem Haus, aber mit einer sich beständig hochschaukelnden Stimmung, die schlussendlich in einen rauschenden und ovationsreichen Applaus mündete, der bei Besetzung aller Plätze auch nicht unbedingt größer und lautstarker sein könnte.

Im Rahmen von Andrea Moses 2013 erstaufgeführter, an Ideen nur so überschäumenden, teilweise etwas überspitzt komisch sein wollenden modernen Interpretation des berühmten Märchenstoffes genossen die in drei Hauptpartien neu besetzten Solisten sichtbar den Freiraum, den ihnen die Inszenierung im Bühnenbild von Susanne Gschwender und den Kostümen von Werner Pick trotz einer genau angelegten Interaktion bietet. Anfangs noch etwas vorsichtig tastete sich die Norwegerin Lilly Jorstad bei ihrem Rollendebut als Angelina in ihren Part hinein, ließ aber schnell erkennen, wie sie mit ihrem hell timbrierten Mezzzosopran die Register gut auszugleichen versteht, obwohl die äußerst gut und frei sitzende Höhe deutlicher ausgeprägt ist als die noch etwas erkämpfte Tiefe. Nach dem mit funkelnden Läufen und hinreichender Leichtigkeit in den Spitzentönen auch ausdrucksmäßig effizient ausgefüllten Finalrondo stellt sich gar die Frage, ob da nicht schon bald ein Fachwechsel zum Sopran bevorsteht. Ihr gewonnener Prinz teilte mit ihr das Fehlen eines Restes an völliger Lockerheit, wobei ihm jedoch kein Debut-Bonus zusteht. Sunnyboy Dladla bietet einen durchaus  leicht, durchgängig ästhetischen und mit klarem körperlichem Unterbau ansprechenden Tenor mit feiner Phrasierung und einer vorhandenen, aber noch etwas dünnen und somit ausbaubaren Extrem-Höhe, wie sie bei Rossini-Tenören nun mal unerlässlich ist. Als Don Ramiro wirkt er engagiert und gefühlvoll, nur der Prinzen-Charme geht ihm ab.

Der dritte Neue im Bunde ist Bogdan Baciu, der den Kammerdiener Dandini mit nicht übertriebener Komödiantik genüsslich ausspielt und dank eines nicht nur klangreichen und höhenstabilen, sondern auch nuanciert und flexibel eingesetzten Baritons ideale Belcanto-Qualitäten aufweist.

Mit der köstlich authentischen Mimik eines italienischen Papa, der sich die plapperreichen Kaskaden des Don Magnifico richtig auf der Zunge zergehen lässt, weiß Enzo Capuano das Publikum trotz seiner bösen Stieftochter-Gesinnung um den Finger zu wickeln, auch wenn sein Bassbariton nicht mehr immer über die volle Durchsetzungsfähigkeit verfügt. Catriona Smith als das Ensemble sopran-überstrahlende Clorinda und Maria Theresa Ullrich als mezzo-saftige Tisbe überbieten sich als zickige Schwestern gegenseitig mit herzhaftem, manchmal schon etwas überspanntem Spieltrieb. Über allen stand nicht nur rollenbedingt als lenkender philosophischer Erzieher Alidoro, sondern dank seiner faszinierend üppigen Bass-Resonanz wieder Adam Palka. Die große Arie, in der er Angelina eine Wendung zum Guten prophezeit, wurde mittels breit strömendem Legato, geschmeidiger Führung und ergiebig ausgeschöpfter großer Registerbeherrschung wieder zu einem Höhepunkt der Aufführung.

Eine kleine, aber genau ausgewählte und als individuelle Charaktere angelegte Formation der Herren des Staatsopernchores löste auch dank kerniger Tongebung ebenso Begeisterung aus wie das von Maurizio Barbacini mit dem Wissen entscheidender kapellmeisterlicher Qualitäten lebhaft und agil sowie crescendo-freudig geführte Staatsorchester Stuttgart. Da saß alles, vor allem auch in den schnell ausser Kontrolle geraten könnenden Ensemble-Nummern, wie am Schnürchen.

Es mag wie anfangs erwähnt manche Situation etwas übertrieben ausgeschlachtet wirken, doch die Verbindung aus spielerischem Können und guter Laune überzeugt letztendlich und garantiert für eine kurzweilige und spaßreiche Aufführung.                                      

Udo Klebes    

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