Der Neue Merker

STUTTGART/ Staatsoper: ABSCHIEDSKONZERT MATTHIAS HÖLLE – Heimweh und Sehnsucht

Abschiedskonzert Matthias Hölle in der Staatsoper Stuttgart: HEIMWEH UND SEHNSUCHT

Abschiedskonzert von Matthias Hölle in der Staatsoper am 28. November 2016/STUTTGART

_SIG5274_b_Hoelle
Matthias Hölle. Foto: Martin Sigmund

Bis Ende des Jahres ist der renommierte Bassist Matthias Hölle noch als Komtur in Mozarts Oper „Don Giovanni“ in der Staatsoper in Stuttgart zu erleben. Nach mehr als 29 Jahren gab er nun im Foyer seinen bewegenden Abschied mit Liedern von Franz Schubert und anderen Meistern. Hölle wurde durch Auftritte bei den Bayreuther und Salzburger Festspielen berühmt – er war auch Gast an der Metropolitan Opera in New York. Die Themen Heimweh, Sehnsucht und das Lebensende bildeten einen Schwerpunkt dieses ungewöhnlichen Liedprogramms. Matthias Hölle wurde einfühlsam von Stephen Hess am Klavier begleitet. Von Ludwig van Beethoven erklangen zunächst „An die Hoffnung“, „Der Liebende“, „Ich liebe dich“ und das Flohlied „Aus Goethes Faust“. Mit kernigem Ausdruck und voluminöser Deklamation wartete Hölle hier auf, er lotete die seelischen Abgründe dieser Musik bis in feinste harmonische Verästelungen aus. Dadurch gewann seine Wiedergabe eine bewegende Klarheit und Reife, was auch der versierte Pianist immer wieder unterstrich. Noch besser gefielen die Lieder Franz Schuberts mit ihrer eigentümlichen Dur-Schattierung, weil Matthias Hölle den wahren Geheimnissen von Schuberts Liedkunst hier sensibel nachspürte und einen ganz eigenen Tonfall mit großem Reifegrad entwickelte. Phrasen und Übergänge wurden mit ausgesprochener Sensibilität und Leuchtkraft gestaltet, auch das Innehalten bei einer Notenlinie kam nicht zu kurz. So konnten Form und Architektur dieser besonderen Lieder Kontur gewinnen. Das spürte man bei „Auf der Donau“ ebenso wie bei „Ständchen“, „Im Abendrot“ und „Dem Unendlichen“. Emotionale Momente wurden dabei facettenreich ausgelotet. Auch Schuberts Lieder „An den Tod“, „Nachtstück“ und „Totengräbers Heimweh“ gewannen eine immer größere Intensität und einen enormen Ausdrucksradius. Timbre und Atemtechnik gingen eine gute Verbindung ein. Eine gewisse metrische Freiheit des Musizierens stach immer wieder hervor. Zum Abschluss begeisterten dann die beiden Lieder „Süßes Begräbnis“ und „Archibald Douglas“ von Carl Loewe. Die Form der Gesangsballade wurde hier mit ungestümem Impetus sehr schön getroffen – und zwar ohne Banalitäten, wie es bei diesen Liedern oft die Gefahr ist.

Aufgelöste Thematik und lyrische Stimmungen wurden bei Franz Schuberts  Triosatz in B-Dur für Violine, Violoncello und Klavier mit Stephen Hess (Klavier), Holger Koch (Violine) und Michael Gross (Violoncello) ebenso überzeugend getroffen wie beim Adagio Es-Dur „Notturno“ für Klavier, Violine und Violoncello von Schubert. Insbesondere die Motiv-Zusammenhänge arbeiteten die drei Musiker präzis heraus. In Richard Wagners Bühnenweihfestspiel „Parsifal“ wird Matthias Hölle mit Daniel Barenboim an der Berliner Staatsoper auftreten.

Alexander Walther

Diese Seite drucken