Der Neue Merker

STUTTGART/ Staatsoper: 5. LIEDKONZERT MIT DIANA HALLER – der unheimliche Zauber Venedigs

Liedkonzert Diana Haller in der Staatsoper Stuttgart: DER UNHEIMLICHE ZAUBER VENEDIGS

Fünftes Liedkonzert „La Regata Veneziana“ mit Diana Haller in der Staatsoper am 18. 6. 2017/STUTTGART

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Diana Haller. Copyright: Martin Sigmund

Diana Haller
war Erste Preisträgerin des Internationalen Wettbewerbs für Liedkunst Stuttgart 2012 der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie und „Nachwuchssängerin des Jahres 2013“. Sie ist eine Spezialistin auch für Belcanto-Arien und insbesondere für Rossini. Das bewies die versierte Mezzosopranistin bei ihrem Konzert über den „Mythos Venedig“, eine musikalische Spurensuche, bei der sie der einfühlsame Pianist Alan Hamilton begleitete. Deutsche, italienische und französische Romantik wechselten sich dabei in reizvoller Weise ab. Bei Robert Schumanns Zwei Venetianischen Liedern aus „Myrthen“ mit den Titeln „Leis‘ rudern hier“ und „Wenn durch die Piazzetta“ bestach die Verflechtung der Stimmen in geheimnisvoller Weise. Zarte Innigkeit und heftige Leidenschaft wechselten sich hier in reizvoller Weise ab. Auch Franz Schuberts „Gondelfahrer“ beeindruckte bei dieser Wiedergabe mit bewegender harmonischer Schlichtheit und einem bestimmenden Gefühl für die romantischen Unendlichkeiten der Klangwelt. Felix Mendelssohn Bartholdys „Venetianisches Gondellied“ besaß wiederum einen wunderbar wiegenden Rhythmus, dessen dynamische Balance überzeugte. Diana Hallers Stimme war hier zu verschiedenartigen klangfarblichen Schattierungen und Nuancen fähig. Impressionistisches Kolorit und Quartenakkorde dominierten bei dem „Venetianischen Wiegenlied“ aus dem „Italienischen Liederbuch“ von Joseph Marx. Die arabeskenhafte Harmonik arbeitete Diana Haller konsequent heraus. Marx, ein Gegner Schönbergs und Strawinskys, erschien hier als Komponist der klassischen Formen. „Ich ließ mir sagen“ von Hugo Wolf begeisterte in der fulminanten Interpretation von Diana Haller und Alan Hamilton durch sinnliches Sehnen und leidenschaftliche Ausdruckssteigerung. Chromatische Passagen begleiteten die sensiblen Seelenschilderungen minuziös. Das Pathos des Intimen wurde von Diana Haller gut getroffen. Die kroatische Mezzosopranistin Diana Haller beglückte das Publikum aber auch mit Liedern ihres Landsmannes Ivan Zajc mit den Titeln „Gondolieri“, „Das Ufer der Sklaven“, „Der Saal des Großen Rates“, „In der Gondel“ und „Mitternacht auf dem Markusplatz“. Hier traf sie das mondäne Klangfeld in glühenden Tonbildern, die die operettenhaften und pathosgeprägten Elemente dieser Kompositionen ins rechte Licht rückten. Es kam zu rauschenden Gefühlssteigerungen, die der Stimme Diana Hallers reiche Gestaltungsmöglichkeiten boten. „Der venezianische Ruderwettstreit“ von Gioachino Rossini zeigte in der Wiedergabe Diana Hallers bei Nummern wie „Angelina vor der Wettfahrt“ oder „Angelina nach der Wettfahrt“ große Vorzüge hinsichtlich der Gestaltung atemlos hereinbrechender Themen, Grazie und Schwung. Auch langgestreckte, spannungsreiche Ostinati mit Crescendo und zündende Rhythmen fesselten die Zuhörer bei dieser in jeder Hinsicht geglückten Wiedergabe. Beim Gebet der Desdemona aus Rossinis Oper „Otello ossia Il moro di Venezia“ zeigte Diana Haller einmal mehr tiefen Sinn für die zahlreichen Auszierungen und den unheimlichen Kantilenenzauber, der sich hier immer mehr auszubreiten schien.

Alan Hamilton war ihr dabei am Flügel eine große Stütze. Sprühende Buffo-Laune und ausufernde gesangliche Kaskaden prägten die Interpretation von Rossinis „Du weißt nicht, welch‘ grausamen Stoß“, wo sich die stimmlichen Flächen und Kantilenen in immer subtilerer Weise zu glanzvollen Koloraturen verfeinerten. Reynaldo Hahn, ein Schüler Jules Massenets, ist harmonisch auch deutlich von diesem beeinflusst. Diana Haller gewann ebenso seinen Liedern „Die Blonde in der Gondel“, „Das Schiffchen“, „Die Warnung“ und „Unter einem Weidenbaum sitzend“ bestechende Ausdruckskraft ab. Vivaldi und Rossini prägten die Zugaben.

„Bravo“-Rufe, Jubel.

Alexander Walther

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