Der Neue Merker

STUTTGART/ Liederhalle: SWR-SINFONIEORCHESTER unter Christoph Eschenbach (Mozart, Bruckner)

SWR Symphonieorchester im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle

MIT SELBSTSICHERER NATÜRLICHKEIT

SWR Symphonieorchester am 3. November 2017 im Beethovensaal der Liederhalle/STUTTGART

Trotz ihrer harmonischen Gegensätze passen Mozart und Bruckner recht gut zusammen. Diesen interessanten Eindruck vermittelte zumindest das Konzert mit dem SWR Symphonieorchester unter der stets kontrollierten Leitung von Christoph Eschenbach.

Der aus Bamberg stammende Pianist Christopher Park interpretierte zunächst sehr subtil das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 23 in A-Dur KV 488 von Wolfgang Amadeus Mozart, wo sich die Themen facettenreich ergänzten. Mit samtweichem Anschlag wurde die klangliche Durchsichtigkeit ohne Trompeten unterstrichen. Und auch die selbstsichere Natürlichkeit des Formalen stach hier immer wieder hervor. Die Heiterkeit und Helle des Allegro wurde transparent unterstrichen. Leise Zwischentöne und die Sphärenhaftigkeit entfernt gelegener Tonarten ergänzten sich wie von selbst. Die Skala der Stimmungen unterstrich auch Eschenbach als Dirigent, wobei sich das Hauptthema zielgerichtet behauptete. Das zweite und dritte Thema antwortete hier mit erfrischender Klarheit, die Christopher Park immer präzis betonte. Und der Kadenz trotzte Park eine imponierende Geschmeidigkeit ab. Die Melancholie des Siciliano-Rhythmus im Adagio wurde ausdrucksvoll erfasst. Heiter und ausgelassen meldete sich dann das Rondo-Finale zu Wort, dessen ironisch funkelnde Klangzaubereien von Solist und Orchester glanzvoll herausgemeisselt wurden.

Großartig war dann die Wiedergabe der Sinfonie Nr. 7 in E-Dur WAB 107 von Anton Bruckner, die dieser zwischen 1881 und 1883 geschrieben hat. Christoph Eschenbach erfasste die erstaunliche Melodienherrlichkeit dieses Satzes mit souveräner Eleganz, denn aus zart flimmerndem Licht schwang sich das heldenhafte Thema des Allegro moderato in ungeahnte Höhen. Rubati und Intonationsschwankungen suchte man hier glücklicherweise vergebens, der Dirigent arbeitete die einzelnen Orchesterstimmen in ausgezeichneter Weise heraus. Das zweite Thema strahlte in Oboen und Klarinetten meisterhaft auf, zart wechselnde Harmonien führten zu unvergesslichen Hörerlebnissen. Immer heller und strahlender glühte der Gesang auf – und das dritte Thema führte wieder monumental zur Erde zurück. Grandios arbeitete Eschenbach die gewaltige Crescendo-Steigerung der Coda heraus, deren Klangfluten sich wie unter einer Kuppel wölbten. Den zweiten Adagio-Satz schrieb Bruckner in Vorahnung von Wagners Tod – und noch während der Komposition erfuhr er dann vom tatsächlichen Ableben des Meisters. In den tiefen Streichern blitzten plötzlich die „Wagner-Tuben“ leuchtend hervor. Der Gesang in cis-Moll prägte sich den Hörern tief ein. Erdenferne Melodien entführten die Zuhörer dann in eine andere Welt. Das erste Thema stieg in jenseitige Höhen, und in abgeklärter Ruhe wurde an das Kopfthema der Sinfonie erinnert. Den Staccato-Attacken des Scherzos wurde Christoph Eschenbach als durchaus impulsiver Leiter des SWR Symphonieorchesters ebenfalls sehr überzeugend gerecht, der polternde Rhythmus des Trompetenrufs hallte erschütternd nach. Es war eine wirklich atemlose Scherzo-Jagd, bei der es zuletzt kein Halten mehr gab. Die energiegeladene Abwandlung des Kopfthermas im Finale stürzte das gesamte Orchester nochmals in einen aufwühlenden Klangtumult, der nicht nachließ und den Christoph Eschenbach ausdrucksvoll bändigte. Vor allem die dramatisch gespannte Durchführung eilte hier in atemlosem Tempo vorüber. Es war eine ungeheure E-Dur-Apotheose, die dieses mit glühender Emphase gestaltete Werk enthusiastisch beschloss. Auch wenn die Akzente bei der einen oder anderen Passage noch deutlicher hätten betont werden können, gelang Christoph Eschenbach zusammen mit dem SWR Symphonieorchester eine bewegende Wiedergabe, die Beifallsstüme des Publikums hervorrief.

Alexander Walther

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