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STUTTGART/ Ballett: DON QUIJOTE – Balletterlebnis vor Weihnachten

STUTTGART / Ballett: „Don Quijote“ am 23.12. 2016– Balletterlebnis vor Weihnachten

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Alicia Amatriain (Kitri) und Constantine Allen (Basilio) im atemberaubenden Pas de Deux. Foto: Stuttgarter Ballett

Einige Jahre sind vergangen seit der Erstaufführung der Neufassung von Maximiliano Guerras für das Stuttgarter Ballett im Jahr 2000 kreierten „Don Quijote“, umso erfreulicher ist es, dass dieses Stück nun wieder aufgenommen wurde, denn es ist eines der wunderbar unterhaltsamen und effektvollen Ballette für Groß und Klein, das somit hervorragend in die Weihnachtszeit passt.

Miguel de Cervantes schrieb den als Vorlage dienenden gleichnamigen Roman als Parodie auf die überholten Ritterromane seiner Zeit und die Geschichte gab ihm Recht, denn die zahlreichen Ritterromane sind längst verschwunden, doch „Don Quijote“ fesselt bis heute noch Leser und Publikum. Cervantes Mischung von Komik gepaart mit echten Idealen nimmt Guerra für sein Ballett auf, räumt jedoch dem Don eine größere Rolle ein als in anderen Fassungen und lässt sogar Cervantes selbst als Figur auf die Bühne, denn er will die Geschichte aus der Perspektive des Autors erzählen. So führen beide Charaktere durch das Stück über den Träumer Don Quijote, der in Begleitung seines treuen Gefährten Sancho Pansa für seine Ideale kämpft, wobei die Hauptfiguren Kitri, die Tochter des Taverneninhabers Lorenzo und ihr Geliebter, der mittellose Barbier Basilio, sind.
In der Doppelrolle Cervantes und Don Quijote debütierte an dem Abend Alexander Mc Gowan, der mit seinem jugendlichen Charme wohltuend die älteren Charakterrollen belebte und so bestens zum wundervoll tollpatschigem Cédric Rupp (ebenfalls Rollendebüt) als Sancho Pansa passte. Alicia Garcia Torronteras (Rollendebüt) setzt als Muse Dulcinea stets die richtigen Akzente um dem Stück eine erhabene Note zu geben. Gemeinsam leiten die drei im Prolog die Haupthandlung ein – die Liebesgeschichte zwischen Kitri und Basilio, der ein tragisches Ende droht, da Kitris Vater bereits den reichen Verehrer Camacho (Fabio Adorisio, köstlich affektiert und von sich eingenommen beim Rollendebüt) als Kitris Ehemann ausgesucht hat. Durch eine List Basilios sowie dem ritterlichen Eingreifen von Don Quijote wendet sich das Blatt jedoch und das Paar darf am Ende glücklich heiraten.
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Wunderbar komischer Sancho Pansa (Cédric Rupp) mit dem heldenhaften Ritter Don Quijote (Alexander Mc Gowan)  Foto: Stuttgarter Ballett

Alicia Amatriain
wirkt eher als elegante Grande Dame als wie ein junges Mädchen und stellt so eine etwas reifere Kitri dar, sie überzeugt jedoch mit Esprit und der von ihr bekannt hervorragenden Technik, mit Ausnahme einiger Grand Jetés, bei denen sie das hintere Bein leicht hängen lässt – bei ihr überraschend und schon sehr lange nicht mehr gesehen – und der mit viel Kraft zu Ende gebrachten Fouettés zum Schluss. Glänzend dafür die Pas de deux und die vielen schwierigen Hebefiguren, vor allem die im senkrechten Spagat, in denen sie stets sicher den Halt bewahrt. Zu verdanken ist dies sicher auch ihrem Partner Constantine Allen der ein beachtliches Rollendebüt als Basilio zeigte. Bereits im ersten Solo präsentierte er sich mit perfektem Tempo, die Schwierigkeiten steigerten sich jedoch auch in seiner Rolle bis zum Schluss, wo ihm etwas die Kraft auszugehen und er u. a. die letzte Manege nicht mehr so zu tanzen schien, wie er es sich vorgenommen hatte. Davor beeindruckte er jedoch mit vielen Pirouetten-Serien, hohen Double Tours en l’air und Jetés sowie dem Lausbub-Humor mit dem er seine Rolle interpretiert, der den Höhepunkt sicher in der vermeintlichen Selbstmordszene erreichte.

Die Rolle des Toreadors José Antonio erfüllte Roman Novitzky mit viel Eleganz und Haltung sowie Geschick beim Umgang mit dem roten Umhang, mit etwas Temperament kann er in Zukunft in der Rolle jedoch sicher noch mehr überzeugen. Als seine Geliebte, die Straßentänzerin Mercedes, sorgte die rassige Myriam Simon hingegen für das nötige Feuer, sowohl in den Pas de deux als auch in ihren Soli.

Im II. Akt zaubert Ami Morita als Königin der Dryaden einen Hauch von Feerie auf die Bühne, darin kann Jessica Fyfe (Rollendebüt) als Cupido mit dem Pfeil ihr Ziel erreichen. Davor jedoch führt Adhonay Soares da Silva (Rollendebüt) als Zigeunerprinz in die Szene im Zigeunerlager ein, wo Aurora de Mori und Ludovico Pace (beide Rollendebüts) als Kitris und Basilios Double lebhaft und in hohem Tempo die Geschichte mit tragischem Ende vorstellen.

In weiteren Rollendbüts sorgten Rocio Aleman und Veronika Verterich als Kitris Freundinnen Eva und Pepa für beschwingte Atmosphäre am Dorfplatz. Als Gastdirigent führte Matthew Rowe das Staatsorchester Stuttgart mit viel Aufmerksamkeit für die Tänzer, an einem Abend an dem auch das Corp de ballet in den vielen Gruppenszenen durch Synchronizität und hohem Tempo brillierte und dadurch auch eine Hauptrolle verdient.

Man hat „Don Quijote“ in der Vergangenheit in Stuttgart sicher mit mehr Feuer gesehen, die jedoch fast durchwegs neue Besetzung (insgesamt zwölf Rollendebüts an dem Abend) wird da aber sicher noch zulegen und so darf man sich auf die weiteren Vorstellungen bis zum Ende der Spielzeit im Juli sicher freuen!                        

Dana Marta        

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