Der Neue Merker

Stefano LA COLLA – es ist eine große Ehre, in Wien singen zu dürfen

STEFANO LA COLLA, TENORE

Eine große Freude, in Wien an der Staatsoper zu singen!

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Stefano La Colla. Foto: Wiener Staatsoper

Vor zwei Jahren kam Stefano La Colla zu einem Vorsingen erstmals nach Wien. Herr Direktor Dominique Meyer zeigte sich sehr angetan und versprach, er melde sich, sobald sich eine Vakanz bietet. Es vergingen zwei Jahre und nun wurde der Calaf in „Turandot“ das Wien Debüt.

So kam der absolute Familienmensch mit Ehefrau und zwei kleinen Kindern angereist und genoss trotz Probenstress und Hausdebüt die Schönheit dieser Stadt, die er als Kind bereits kennen lernen durfte.

Stefano La Colla stammt aus Turin, doch die Familie hat sehr alte Wurzeln in der Toskana, eine Famiglia nobile nachweisbar bis ins14.Jhdt. Da hieß die Familia Collalto,  bei der Verzweigung nach Süden und Norden, wurde aus Collalto im Norden Colla und im Süden, – Sicilia La Colla. Stefano La Colla wurde in Turin geboren, aber bald ging es retour nach Alcamo in der Provinz Trapani., dann für viele Jahre zurück in die Toskana,  heute lebt er mit seiner  Familie in der italienischen Schweiz.

In sehr jungen Jahren begann schon das Interesse an der Musik und der Oper. Seine Familie hatte ein Logen-Abo in der Oper von Turin, so kam es bald zum Schlüsselerlebnis und dies ließ ihn nie mehr los. Sofort wusste er, „Das ist meine Welt“ und studierte in Livorno am Conservatorio Pietro Mascagni, wo er auch seinen Abschluss machte. Seine Lehrer waren unter anderen Katia Ricciarelli und Magda Olivero.

Er sang bis jetzt  an allen großen deutschen Häusern, natürlich in Italien an der Römischen Oper, Scala di Milano, in Neapel, allerdings bereitet ihm die kulturelle Entwicklung in Italien sehr große Sorgen, ein Land das kulturell alles hat, aber Politiker aller Sparten, die zusehen wie alles zusammen bricht.

Seine Auffassung, Oper zu interpretieren ist immer die große Emotion, ohne dieser sollte es man gar nicht versuchen. Natürlich ist die Stimme und eine hundertprozentige Technik die Grundvoraussetzung dazu. Oper ist ein Live-Erlebnis, das man nur direkt im Theater erleben kann, das können filmische Konserven, seien sie noch so toll gemacht, nie ersetzen. Man braucht den direkten Atem der Interpreten. Oper darf nie nur Konsum sein, sie muss immer eine Bereicherung der Seele und letztlich auch des Intellekts sein. In der heute immer schneller werdenden Zeit soll man sich die Zeit nehmen und die Kunstwerke mit Ruhe in sich aufnehmen.

Sein Repertoire umfasst alle wichtigen Rollen der Opern von Puccini, natürlich auch Verdi, seine Lieblingspartie ist der Riccardo in „Ballo in maschera“,  Andrea Chénier findet er wunderbar, aber eigentlich ist die Rolle, die gerade dran ist die Beste. Schon sehr oft wurde er nach dem Otello gefragt, doch für den fühlt er sich noch nicht ganz bereit.

Eine sehr schöne Zusammenarbeit erlebte er mit Andrea Breth bei einer Produktion der Manon Lescaut in Amsterdam. Selten ließ ein Regisseur einem Sänger soviel Freiheit und akzeptierte Ideen. Das wichtigste ist allerdings für die gute Umsetzung einer Rolle, wenn Dirigenten den Sängern zuhören und sie voll begleiten wie beispielsweise Antonio Pappano, Sir Simon Rattle, Stefano Ranzani und natürlich Altmeister Nello Santi. Für Sänger hat sich im Laufe von zwei Jahrhunderten sehr viel geändert. Früher waren alle Stimmungen bis zu einem Halbton tiefer, die Instrumente waren anders gebaut, heute wollen alle Orchester höchste Brillanz, das geht auf die Substanz der Sänger, weil der Organismus hat sich nicht verändert. So ist alles viel kräfteraubender und stressiger als früher.

Neben den europäischen Opernhäusern ist Stefano la Colla sehr viel in Tokyo, Seoul und Chicago, sehr oft als Calaf.

An der Wiener Staatsoper fühlte er sich sofort sehr wohl, die Liebenswürdigkeit der Mitarbeiter und die große Präzision bei der Arbeit gefällt ihm sehr. Somit wünscht er sich, dass sich bald  wieder eine Möglichkeit besteht, wieder zu kommen.

Das würde sich sicher auch das Publikum wünschen, ihn in einer anderen Rolle kennen lernen zu dürfen.

Elena Habermann

Das Interview wurde in italienischer Sprache geführt

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