Der Neue Merker

STAATZ/ Felsenbühne: JESUS CHRIST SUPERSTAR – der Traum von einer besseren Welt

Jesus Christ Superstar Dusek / Staatz-Felsenbühne

DER TRAUM VON EINER BESSERN WELT: „JESUS CHRIST SUPERSTAR“ (29.7.2017)

Das Jahr „1968“ gilt als Kristallisationspunkt für die Studentenbewegung, für das Ende des „Prager Frühlings“ und für Träume der Hippies von einer besseren Welt: „All we need is love…“ tönte es plötzlich aus den Transistor-Radios und bei den zahlreichen Demonstrationen hieß es: „Make love not war!“. Und da bekanntlich das Jahr 1968 erst in den frühen siebziger Jahren Realität wurde, gehört auch eine Ikone der „Flower-Power“-Bewegung zu dieser Aufbruchszeit: „Jesus Christ Superstar“ vom damals noch weitgehend unbekannten Andrew Lloyd Webber (mit Texten von Tim Rice) fand am 12. Oktober 1971 in New York seine denkwürdige Uraufführung. Und in den Folgejahren avancierte der Brite Webber mit Evita, Cats und Starlight Express zum „Musical-Superstar“ – aber die Aufbruchs-Bewegung der 70er Jahre verebbte, die Utopien von einer Welt ohne Krieg und Aggression wurden Opfer von Wirtschaftskrisen und Vietnam-Krieg. Statt der Passionsgeschichte gab es „Les Miserables“ oder „Heavy Metal“. Und die Sehnsucht nach dem „Urchristentum“ geriet in die Mottenkiste der wilden 80er Jahre. Nun wird es bald ein halbes Jahrhundert seit dieser ideologischen Zeitenwende her sein, die durch die Beatles und die Pille symbolisiert werden kann. Und siehe da, es ist offenbar die Zeit für die Wiederentdeckung. Jedenfalls hat dies der rührige Intendant der Felsenbühne Werner Auer – er leitet seit 2000 die Musical-„Werkstatt“ im nördlichen Niederösterreich – von Anfang an erkannt: „Les Miserables“ und „Jesus Christ Superstar“ standen von Anfang an als künstlerische „Haupt-Säulen“ fest. Und die Entwicklung hat ihm Recht gegeben. Nun hat er eine zweite hochkarätige Neuinszenierung von „Jesus Christ Superstar“ – in deutscher Sprache – zustande gebracht, die zwar nicht den Geist der frühen 70er Jahre beschwört aber die moderne Deutung der Jesus-Passion liefert. Als Rahmenhandlung fungiert der Fan-Cult rund um den Haupt-Darsteller, eine junge Truppe von talentierten Musical-Interpreten beschäftigt sich mit den letzten 7 Tagen im Leben von Jesus Christus ganz aktuell, ganz „heutig“. Würde sich die Tragödie wiederholen, wenn Jesus im Jahr 2017 seine Botschaft der Liebe verkündigen würde? Das „Ja-leider“ liegt nahe.

Und so bleibt die Rock-Oper „Jesus Christ Superstar“ nicht nur ein Erfolgs-Musical, sondern auch ein Stück zum Nachdenken! Wobei drei Säulen den neuerlichen Erfolg garantieren: die technische Umsetzung der Felsenbühne (diesmal ganz der Kreuz-Symbolik gewidmet) – wie immer vom Team um Jack Hamal realisiert; das musikalische „Fundament“ unter der Leitung des Orchesters der Felsenbühne Staatz durch Gregor Sommer und das junge dynamische Ensemble, das in der exzellenten Regie von Werner Auer und der show-verdächtigen Choreographie von Eva Klug agiert. Vier Mitwirkende tragen den Abend: der fesche, blonde Deutsche Philipp Dietrich in der Titelrolle – mehr „Model mit Stimme“ als „Sohn Gottes“, aber wer ist schon ein glaubwürdiger Messias? Halsbrecherisch übrigens seine Kreuzigung in schwindelnden Höhen. Sein verzweifelter Gegenspieler Judas, der ihn aus Liebe verrät: Tim Al-Windawe als expressiver Rock-Sänger, Regina Mallinger als gefühlsintensive Maria Magdalena (sie bietet auch vokal eine Spitzenleistung) sowie der „Hausherr“ Werner Auer als persönlichkeitsstarker Pilatus. Positiv fallen noch auf: Niklas-Sven Kerck als Kaiaphas, Philipp Fichtner als Annas, Michael Postmann als feiger Petrus sowie der komisch-artistische Herodes von Lawrence Karla. Reprisen gibt es noch am 3., 4. und 5. August sowie am 10., 11., und 12. August 2017. Nächstes Jahr kehrt Werner Auer zu den Anfängen seiner Musical-Bühne zurück. Man setzt wieder auf „Les Miserables“!

Peter Dusek

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