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ST. GALLEN/ Klosterhof: LORELEY von Alfredo Catalani

ST.GALLEN/ Klosterhof : LORELEY von Alfredo Catalani am 1.7.2017

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Copyright: Toni Suter

 Der Stiftsbezirk von St.Gallen hat UNESCO Weltkulturerbe-Status, und die Einwohner sind stolz darauf und gedenken gar nicht daran, sich ihn aberkennen zu lassen. Schliesslich und endlich sind die Stiftskirche und die Stiftsbibliothek der Hauptgrund dafür, dass es Besucher aus der ganzen Welt in die ostschweizerische Kleinstadt verschlägt. Insofern lag es nahe, im Klosterhof vor der Kathedrale auch sommerliche Festspiele einzurichten, um die Attraktion des Ortes noch zusätzlich zu erhöhen.

Und in dankenswerter Weise haben die Organisatoren davon abgesehen, das hunderttausendste Opern-Open Air mit so populären Hadern wie Nabucco, Aida, Carmen oder Traviata zu veranstalten. Vielmehr stehen hier seit zwölf Jahren so rare Werke wie Donizettis Diluvio Universale, Verdis Lombardi oder Massenets El Cid auf dem Programm.

Heuer hat man sich für Alfredo Catalanis Loreley entschieden, einen noch rareren Titel. Denn wenn schon Catalanis letzte Oper La Wally nur selten auf den Spielplänen zu finden ist, so zählt seine vorletzte Oper Loreley überhaupt zu den Phantomen, zu jenen Werken, die man maximal gerüchteweise dem Namen nach kennt.

Dabei ist sie wirklich eine interessante Schöpfung, wie sich jetzt bei den Aufführungen in St. Gallen herausggestellt hat, ein opus sui generis, dessen prächtige (von Toscanini sehr geschätzte) Musik zwar französische, italienische und wagnerianische Einflüsse aufweist, aber in keinerlei Schublade einzuordnen ist.

Als wäre die Werkwahl nicht schon tollkühn und mutig genug, hat man sich auch noch den für den für seine ungewöhnlichen Inszenierungen berühmt und berüchtigten amerikanischen Regisseur David Alden für die Umsetzung verpflichtet.

Und Alden macht seinem Ruf alle Ehre. Er versetzt die mittelalterlich-kitschige Handlung kurzerhand in einen Disneyland ähnlichen Vergnügungspark, um ein adäquates Ambiente für den Mythos der verhängnisvollen Traumfrau zu schaffen. Eine Interpretation, die so manchen  Zuschauer empörte (man vernahm sogar das unflätige Wort Sch***dr*ck), die große Mehrheit jedoch am Ende zu Begeisterungsstürmen hinriss, nicht zuletzt deswegen, weil Alden ja den ganzen Abend lang unentwegt für jede Menge optischer Attraktionen sorgt.

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Copyright: Toni Suter

Besonders verdient hatten die vor allem auch die beiden Hauptdarsteller –  Ausrine Stundyte als Loreley und Timothy Richards als Walter – die nicht nur sensationell sangen u n d agierten, sondern dies noch während des ganzen ersten Aktes sogar noch unter strömenden Regen taten (die St. Gallener brechen nicht so leicht ab).

Catalanis Loreley : eine anregende und lohnende Entdeckung, der man gerne wieder einmal im Trockenen in geschlossenen Räumen begegnen würde…

 Robert Quitta, St. Gallen

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