Der Neue Merker

Sigrid-Maria Größing: HABSBURGS KAISERINNEN

BuchCover  Größing  Habsburgs Kaiserinnen

Sigrid-Maria Größing:
HABSBURGS KAISERINNEN
Rätsel und Schicksale der geheimen Herrscherinnen
188 Seiten, Verlag ueberreuter, 2017

Am Begriff der „Kaiserin“ hat man sich angesichts des Maria-Theresia-Jahres wieder einmal abgearbeitet, als sei sie „keine“ gewesen, nur „die Frau des Kaisers“. Was allerdings für den Titel und die Bezeichnung völlig genügte, die Krönung an der Seite des Gatten war keine Bedingung – abgesehen davon, dass es auch ungekrönte Kaiser gab, die dessen ungeachtet den Titel trugen und die Funktion ausübten. (Joseph II. war zum „Römischen König“, die Vorform des Kaisertums, gekrönt worden und schenkte sich dann die Kaiserkrönung…)

Wenn Sigrid-Maria Größing, bekannte Spezialistin zum Thema Habsburg, nun „Habsburgs Kaiserinnen“ in biographischen Porträts zusammen fasst, dann sind diese Damen (mit Ausnahme benannter Maria Theresia, die allerdings über ihre Erblande nicht als Kaiserin herrschte!) keinesfalls Herrscherinnen aus eigenem Recht, sondern „nur“ Gattinnen. Mit glücklicheren und unglücklicheren Schicksalen.

Wobei der Begriff „Habsburg“ es der Autorin ermöglicht, drei Damen einzufügen, die nicht an der Seite ihrer Habsburgischen Gatten „Kaiserinnen“ waren: Maria Amalia war zwar Kaisertochter (von Joseph I.), aber dass ihr Gatte, der Kurfürst von Bayern, nach dem Tod von Maria Theresias Vater die fast ungebrochene Linie der Habsburger als Kaiser des Heiligen Römischen Reichs durchbrechen sollte, war fast Zufall. Aber so wurde eine Habsburgerin als Bayernfürstin an der Seite von Karl VII. Kaiserin – allerdings nur wenige Jahre.

Zwei andere Kaiserinnen waren die Töchter von Kaiser Franz II / I: Marie Louise, die ihr Gatte Napoleon zur „Kaiserin der Franzosen“ machte, und Maria Leopoldina, die man an das Haus Braganza verheiratete, das ihren Gatten nach Brasilien schickte und zum Kaiser erklärte – in Brasilien ist übrigens die Erinnerung an die unglückliche „Dona Leopoldina“, die so jung starb, höchst lebendig.

Gattinnen-Schicksale also, wobei sich die Habsburger lange Zeit die Ehefrauen möglichst aus der weit verzweigten, seit Karl V. und Ferdinand I. in eine spanische und eine österreichische Linie geteilten Familie holten. Das nahm solche inzüchtige Formen an, dass Kaiser Leopold I. die Tochter seiner Schwester heiratete (und die Autorin seltsamerweise nicht erwähnt, dass es diese Margarita Teresa war, von der Velasquez unermüdlich seine berühmten Infantinnen-Bilder malte). Und Kaiser Franz heiratete in zweiter Ehe eine „doppelte“ Cousine: Beide Eltern von beiden waren Geschwister.

Später nahm man sich (wie es schon Maximilian I. mit Blanca Maria Sforza tat, in der Hoffnung auf ein Vermögen, das sich nicht einstellte) italienische Damen, vordringlich aus dem Hause Gonzaga, und dann waren auch einige Prinzessinnen aus deutschen Höfen dabei, darunter die Bayern.

Glücklich unter ihnen wurden wenige. Die meisten erfüllten ihre Pflicht, eine Menge Kinder zu gebären, und wenn nicht, wankte das Habsburger-Schiff – wie im Fall von Maria Theresia, der die Autorin spürbar gar keine Sympathie entgegenbringt.

Berühmt geworden ist außer besagter Maria Theresia ja doch nur die bayerische Cousine ihres Gatten (die Mütter waren Schwestern), Kaiserin Elisabeth, die geliebte „Sisi“ von Kaiser Franz Joseph, und Zita (eine Bourbonin, wie so manche vor ihr) hat ihren Ruhm wohl einzig der Tatsache zu verdanken, die letzte österreichische Kaiserin gewesen zu sein.

Denn das Heilige Römische Reich hatte sich 1806 verabschiedet, und das Kaisertum Österreich war nicht zuletzt auch deshalb konstituiert worden, um den glanzvollen Titel nicht zu verlieren… (Deshalb legten Preußens Könige später so viel Wert darauf, deutsche Kaiser zu werden.)

Der griffige und werbewirksame, wenn auch nicht sonderlich korrekte Untertitel des Buches, der von „Rätseln“ und „geheimen Herrscherinnen“ spricht, bewahrheitet sich kaum. (Das Titelbild erinnert übrigens am ehesten an Englands Elizabeth I., um die es hier gar nicht geht…) Dass „Kaiserin“ zu sein, wenig Glanz brachte, aber unendliche Bürde (wenn man sie nicht so kühn und rücksichtslos abwarf wie Kaiserin Elisabeth), macht die Autorin wieder einmal klar: „Regiert“ aus dem Hintergrund hat keine der Damen, und dämonische Gestalten waren auch nicht dabei.  Das Buch fügt der reichen Bibliothek von Habsburger-Spin-Offs, die sich aus Einzelschicksalen zusammen setzen, ein weiteres hinzu.

Renate Wagner

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