Der Neue Merker

SCHÖNBRUNN

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SCHÖNBRUNN
Hsg. Franz Sattlecker
224 Seiten, Schloß Schönbrunn / Edition Lammerhuber, 2017 

Das Schloß Schönbrunn, dem man des „Weltkulturerbe“ wohl nie aberkennen wird (auch wenn die Stadt Wien andernorts dieses gefährdet), zählt zu den großartigsten imperialen Bauten Europas. Millionen Besucher durchschreiten jährlich die prunkvollen Appartements und spazieren durch den künstlerisch und gartenarchitektonisch so bemerkenswerten Park. Das Bedürfnis, danach etwas nach Hause mitzunehmen, ist auch in Zeiten von Internet und Handy stark – das Buch „Schönbrunn“ zielt auf den Betrachter ab, der die Schönheit noch einmal genießen und auch Genaueres wissen will.

Dafür sorgt der Band, den die Schloß Schönbrunn Ges.m.b.H. und die Edition Lammerhuber gemeinsam herausgegeben haben. Das besagt, dass der das Buch durchziehende, meist mit ganzseitigen Fotos und historischen Dokumenten bestückte Bildteil in seinen aktuellen Fotos von Lois Lammerhuber stammt, der nicht nur eins zu eins abfotografiert (was oft eindrucksvoll genug ist), sondern auch raffinierte Perspektiven findet und die Kamera auf Details richtet, die man sonst vielleicht gar nicht so genau betrachten würde, wie es ihnen zukommt. Man blickt immer wieder von oben auf das Schloß, genießt Lichteffekte und Wolken, Wasserspiegelungen, interessante „Schräglagen“…

Daneben sind viele der berühmten Gemälde von Schönbrunn vorhanden, die Ansichten von Canaletto (Bernardo Bellotto), Entwurfszeichnungen, Grundrisse, Darstellungen der Feste, die zahlreichen Porträts der mit dem Schloß verbundenen Habsburger, historische Fotos, auch ein Plakat aus den fünfziger Jahren, als man in der Nachkriegszeit entdeckte, wie man Wien nicht zuletzt mit Hilfe dieses Schlosses touristisch „ankurbeln“ konnte. (In dieser Epoche ging es ja dann auch mit den „Sissi“-Filmen um die Welt…)

Ein ausführlicher Textteil wird von den derzeitigen Fachleuten zum Thema bestritten (die meisten von ihnen waren auch eng mit der derzeitigen „Maria Theresia“-Ausstellung befasst), die verschiedene Aspekte des Schlosses behandeln – Entstehungsgeschichte (die bis auf Kaiser Matthias zurückgeht, wobei Maria Theresia dann die Schlossherrin war, die sich dieses Gebäude am stärksten nach ihren Bedürfnissen umgestalten ließ), über die Raumschöpfungen und die Gärten, und schließlich über die Bewohner – dass Kaiser Franz Joseph in diesem Schloß geboren wurde und auch starb, das weiß man, dass er als Kind mit seinen Brüdern hier herumtollte und im Wasserbassin hinter dem Obeliskbrunnen schwimmen lernte, zählt zu den persönlichen Details, die das Schloß lebendig machen.

Ebenso wie jene Turngeräte, die Kaiserin Elisabeth sich einbaute und die bis heute von den Millionen Besuchern Schönbrunns bestaunt werden…

Renate Wagner

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