Salzburger Festspielsplitter

by TP | 31. Juli 2016 18:54

Salzburger Festspielsplitter — »Die Liebe der Danae«

Bedeckt hatten sich die Damen und Herren des Feuilletons vor der Uraufführung von Tomas Adès’ The Exterminating Angel gehalten, sehr bedeckt. Man hätte sich ja blamieren können.

Auch war es interessant zu beobachten, wie die publizierte Meinung sich mit jeder Stunde Abstand zur Uraufführung von euphorisch zu »na ja« verschob. Da gab es dann ja auch schon mehr Rezensionen (hier[1] und hier[2]) zum Abschreiben.

'Die Liebe der Danae', 1. Akt: Krassimira Stoyanova als Danae © Salzburger Festspiele/Forster

»Die Liebe der Danae«, 1. Akt: Krassimira Stoyanova als Danae
© Salzburger Festspiele/Forster

Nun aber, vor der Première von Richard Strauss’ Die Liebe der Danae, seinem opus 83, stolpert der Opernfreund über Wortmeldungen der Feuilletonisten zuhauf: »Das ist unser Fall, sagt man sich, da wacht man auf, da ist man bei der Sache!« Wenn’s denn so wär’.

»1944, im Zweiten Weltkrieg, hatte Richard Strauss den mythologischen Stoff der Danae vertont«, schrieb Hedwig Kainberger in den »Salzburger Nachrichten[3]«. Und deren Ressort-Chefin »Kultur« muß es ja wissen. Hätte doch bloß auch Richard Strauss die Salzburger Nachrichten gelesen. Nie hätte er es gewagt, das Datum »28. Juni 1940« ans Ende der Partitur zu setzen.

»Die Liebe der Danae ist eng mit der Festspielgeschichte verbunden«, heißt es in der Presseinformation[4] der Salzburger Festspiele. So eng, daß man sich noch im selben Absatz widerspricht: »[…] die Oper konnte erst 1952 uraufgeführt werden. Seitdem stand es (sic!) nur ein weiteres Mal — im Jahre 2002 — auf dem Spielplan.«

Mit den bisher zehn Aufführungen ist die enge Verbindung zur Festspielgeschichte nachvollziehbar. Nie und nimmer vermag da ein Strauss’sches Randwerk wie Der Rosenkavalier mitzuhalten.

Weiter: »So sollte es 1944 eigentlich in Salzburg uraufgeführt werden.« Und »uneigentlich«? »Die Festspiele wurden allerdings nach der Generalprobe abgesagt […]« Die Festspiele waren schon vor der Generalprobe abgesagt worden, wie ein Blick in die Salzburger Festspielchronik oder den Briefwechsel zwischen Clemens Krauss und Richard Strauss lehrte. Minister Goebbels konnte allerdings dazu überredet werden, eine öffentliche Generalprobe vor ca. 1000 geladenen Gästen zuzulassen. Aber wen kümmern schon historische Fakten?

»Sein (Richard Strauss’, Anm.) Augenmerk lege er dabei auf Jupiter, der mit Pomp in der Tonart des Göttlichen, in C-Dur, eingeführt werde«, wird Franz Welser-Möst zitiert. Dumm nur, daß der mit »Der Goldregen« überschriebene Abschnitt in Ges-Dur steht, ehe die Musik nach einem Wechsel nach C-Dur für das Duett zwischen Danae und Xanthe wieder nach Ges-Dur zurückkehrt. Daß Jupiter sich der Mythologie nach Danae als Goldregen näherte… Und wie konnten unzählige Musikwissenschafter und Strauss-Experten, welche Jupiter sowohl das tranzendentale Ges-Dur als auch das strahlende C-Dur zuordneten, bloß so irren?

»Der Göttervater wird zum Menschen. — Das ist für mich die Grundaussage dieses Stückes«, bieten die Salzburger Festspiele in ihrer Aussendung der Presse Franz Welser-Mösts Ansicht an. Und weiter: »Strauss selbst sei Atheist gewesen und habe sich mit Jupiter identifiziert.« Ja, eh. Und zuvor mit Herodes. Und dem Ochs. Und mit Bacchus. Und dem Kaiser. Und Mandryka. Und Sir Morosus — nein, vielleicht lieber doch mit Henry? Für solche Ansicht muß man schon »wirklich mit allen Strauss-Wassern[5]« gewaschen sein.

Die einfache Idee, Danaes Liebe zu Midas könne über eines Gottes Verführungskünste siegen, erschiene auch viel zu abwegig.

Die Liebe der Danae, schreiben die Salzburger Festpiele Franz Welser-Möst zu, »[…] zeige eben auch einen alten Menschen, der Abschied nimmt von der Welt […]« Deshalb komponierte Richard Strauss danach auch noch Capriccio, op. 85, auf einen witzigen Text von Clemens Krauss (Uraufführung am 28. Oktober 1942 in München.).

Ach, wären doch alle Abschiede von der Welt so hintersinnig hoffnungsfroh wie Strauss’ Oper, alle Veröffentlichungen so gut lektoriert und alle unter die Leser gestreuten Informationen so akkurat. Mehr bedürft’s nicht.[6]

MerkerOnline
Thomas Prochazka
31. Juli 2016

  1. hier: http://der-neue-merker.eu/salzburg-haus-fuer-mozart-the-exterminating-angel-von-thomas-ades-urauffuehrung
  2. hier: http://der-neue-merker.eu/salzburg-kleines-festspielhaus-the-exterminating-angel-urauffuehrung
  3. Salzburger Nachrichten: http://www.salzburg.com/nachrichten/#content-div4
  4. Presseinformation: http://www.salzburgerfestspiele.at/blog/entryid/690
  5. wirklich mit allen Strauss-Wassern: http://www.profil.at/kultur/dirigent-welser-moest-scheitern-7506519
  6. Mehr bedürft’s nicht.: http://service.salzburg.gv.at/lkorrj/XBeilage?cmd=dateiAusliefern&klasse=beilagen.ABeilagen&beilagenid=804&nachrid=56910

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