Der Neue Merker

SALZBURG/ Haus für Mozart: LIEDERABEND ELINA GARANCA – eine Stimme wie ein Rosenstrauß

SALZBURG/-Haus für Mozart: LIEDERABEND ELINA GARANCA – EINE STIMME WIE EIN ROSENSTRAUSS (3.8.2017)

 


Elina Garanca. Copyright: Salzburger Festspiele/Marco Borelli

Ein mehr als anspruchsvolles Programm beim diesjährigen Salzburger Liederabend von Elina Garanca – ohne  die üblichen „Gassenhauer“ von Franz Schubert, Robert Schumann oder Richard Strauss. Dafür 15 Lieder von Johannes Brahms, 3 mal Henri Duparc und 8  fast schon opernhafte Szenen von Sergej Rachmaninow. Einfühlsam begleitet wird die lettische Diva vom phänomenalen britischen Pianisten Malcolm Martineau.

Während des Konzerts im restlos ausverkauften Haus für Mozart baut sich rasch jene „Magie der Stille“ auf, die sich zuletzt in Jubelgeschrei und „standing ovations“ verwandelt. Nein, das war nicht Effekthascherei – hier lässt eine führende Künstlerin einen Blick in ihre Gefühls-Innenleben zu: Sehnsucht, Sorgen, Träume, Melancholie, Eifersucht – das sind die Ingredienzien von Liedern wie „Liebestreu“ von Johannes Brahms Opus 3 Nr.1 aber ebenso „Exstase“ von Henri Duparc oder „O sing, du Schöne, sing mir nicht“ von Sergej Rachmaninow Opus 4, Nr. 4.

Die Stimme der Garanca ist größer, runder und voller geworden. Nun lässt sie auch ihre Tiefe „orgeln“ – um dann in der Folge doch mit strahlenden Sopran-Höhen zu prunken. Es ist als wenn in einen vorwiegend in Pastell-Rosa gehaltenen „Blumen-Strauß“ der Stimme nun dunkle, volle Rosen hineinversetzt würden. Kein Zweifel: hier ist eine schöne Frau, eine außergewöhnliche Künstlerin am Zenit ihrer Meisterschaft angelangt. Und der begonnene Fachwechsel (Santuzza !) tut ihr gut! Elina Garanca wird im kommenden Oktober an der Pariser Oper unter Philipp Jordan ihre erste Eboli – mit Jonas Kaufmann als Don Carlos – singen. Wenn der Salzburger Liederabend ein „Testlauf“ war, dann kann man sich auf dieses Rollendebüt wahrlich freuen. Elina Garanca sah gelöst und strahlend aus wie selten. Von den Brahmsliedern gingen Titel wie „Die Mainacht“ oder „Es träumte mir“ oder „Von ewiger Treue“ unter die Haut, von den 3 Liedern von Duparc berührte besonders „Ins Land wo Krieg herrscht“ und von Rachmaninow blieb der Titel „O sing, Du Schöne, sing mir nicht“  im Gedächtnis haften.

Der Abend bewies übrigens, wie musikalisch die lettische Mezzo-Sopranistin ist und wie sprachensicher: deutsch, französisch und russisch, wer kann da schon mithalten? Bei den Zugaben begann Elina Garanca dann mit Brahms „Meine Liebe ist grün“ op.63 Nr.5, dann präsentierte sie den 1910 mit 35 Jahren gestorbenen lettischen Komponisten Emils Darzins und endete mit einem der populärsten Lied-„Schlager“: „Morgen“ von Richard Strauss.

Allein mit diesem frühen Richard Strauss-Lied hat Elina Garanca Festspielgeschichte geschrieben und sich in die Reihe der größten Stars von Salzburg eingereiht!

Peter Dusek

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