Der Neue Merker

SALZBURG/ Großes Festspielhaus /TV-Übertragung: AIDA – einige kritische Sätze

Salzburg/Festspiele im TV:  AIDA (12.8.2017)


Anna Netrebko, Ekaterina Semenchuk. Copyright: Monika Rittershaus/Salzburger Festspiele

Den allgemeinen Jubelchören darf ich – allerdings nur als Konsument der TV-Übertragung – ein paar kritische Sätze anfügen:

Ich habe selten eine derart stimmungslose Aufführung dieser Oper gehört. Wenn man dem Triumphmarsch ohne Gänsehaut hört, wenn das Eifersuchtsdrama zwischen den beiden Königstöchtern kühl-distanziert abläuft, wenn Radames kaum Sympathie erweckt, und und und…, dann stimmt etwas am Regiekonzept, dem Bühnenbild und/oder an der Personenführung nicht.

Musikalisch wäre nicht allzu viel auszusetzen, Radames (Francesco Meli) ließ das „Celeste Aida“ zwar im Falsett ausklingen, zeigte aber sonst einen kernigen, kräftigen Tenor, der seit dem Manrico reifer geworden ist. Ekaterina Semenchuk war eine Amneris mit auftrumpfender Stimme, Luca Salsi ein etwas grobschlächtiger Amonasro, Roberto Tagliavini ein König am Rande des Geschehens und Dmitry Belosselskiy ein ausgezeichneter Ramphis mit profundem Bass.


Francesco Meli, Anna Netrebko. Copyright: Monika Rittershaus/ Salzburger Festspiele

Die Rollen-Debütantin des Abends, Anna Netrebko in der Titelrolle, wurde den Vorschlusslorbeeren im Großen und Ganzen gerecht. Dass sie das „Numi pieta“ etwas zu dramatisch-rau sang, mag der Nervosität zuzuschreiben sein, die Nilarie war dann schon wesentlich sicherer gesungen. Die Spitzentöne sind nach wie vor nicht ihre Stärke, sie besitzt aber ausreichend Routine, um auch gefährliche Klippen zu meistern. Es wäre ratsam, in der Wahl der zukünftige Rollen vorsichtig zu sein, der nächste Karrieresprung ins hochdramatische Fach, sollte mit etwas größerem Zeitabstand erfolgen als die überhastete Abkehr von den Koloraturpartien.

Ausgezeichnet spielten die Wiener Philharmoniker unter dem Altmeister Riccardo Muti. Mit Ausnahme des etwas zu schnell durchgepeitschten Triumphmarsches war Wohlklang und gut dosierte Lautstärke vorherrschend. Ein Fest für Verdis Meisterwerk, das auch mit weniger Medien-Getöse ein glanzvoller Opernabend geworden wäre.

Johannes Marksteiner

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