Der Neue Merker

SALZBURG/ Großes Festspielhaus: I DUE FOSCARI konzertant. Eine frühe Verdi-Oper, maßgeschneidert für Placido Domingo

Großes Festspielhaus

„I DUE FOSCARI“ – EINE FRUEHE VERDI-OPER, MASSGESCHNEIDERT FÜR PLACIDO DOMINGO (11.8.2017)


Schlussapplaus. Copyright: Marco Borelli/ Salzburger Festspiele

Ein Abend maßgeschneidert für das „Phänomen Placido Domingo“, ein weiterer Triumph für den spanischen Sänger, der nun als Bariton seine unvergleichliche Karriere unvermindert fortsetzt. Die Handlung dieser frühen Oper von Giuseppe Verdi – zwei Jahre nach dem Nabucco-Erfolg in Rom 1844 uraufgeführt – dreht sich um den alten Dogen Francesco Foscari. Es geht um Pflichterfüllung und Macht-Intrigen zwischen rivalisierenden Adels-Familien, um das Schweigen des Vaters zu einem Fehlurteil des „Rates der 10“ über den Sohn Jacopo Foscari ( Joseph Calleja) und schließlich um das tragische, herzzerreißende Ende des alten Foscari. Ein wahrlich eindrucksvolles Werk für eine reife Persönlichkeit wie Placido Domingo, der im Finale alle seine Qualitäten in vokaler wie schauspielerischer Hinsicht ausspielen kann. Das ursprünglich für Venedig gedachte Stück nach einer Drama-Vorlage von Lord Byron entbehrt der üblichen Opern-Ingredienzien von Liebe, Eifersucht und Leidenschaft.

Nur die gegen das Verbannungs-Urteil ankämpfende Schwiegertochter Lucretia (Guanqun Yu) ergänzt als Frau die Männer-Riege, zu der neben zwei Foscari auch der „Gegenspieler“ Jacopo Loredano (Robert Tagliavini) sowie Barbarigo (Bror Magnus Todenes) gehören. Das erst seit wenigen Jahren durch Placido Domingo wiederentdeckte Frühwerk Verdi’s enthält keine „Schlager“ wie den Gefangenen-Chor, aber viel mitreißende Ensembles, Chöre und Arien für die Foscari’s. Nötig ist also ein Dirigent, der die frühe Genialität Verdi’s umsetzten kann.

Mit dem in Pesaro geborenen Michele Mariotti stand ein solch dynamischer Drive – Musiker zur Verfügung. Gemeinsam mit dem Mozarteumorchester Salzburg und dem Philharmonia Chor Wien (Leitung Walter Zeh) sorgte er für Schwung, enthusiastische Begeisterung und den nötigen „Verve“. Und er sorgte dafür, dass Placido Domingo im „großen Finale“  alle seine „Atouts“ ausspielen konnte. Da ist nach wie vor sein edles, goldtönendes Timbre – er verfügte immer über eine baritonale Färbung in der Mittellage; und heute wechselt er zu Posa und Germont, Simon Boccanegra und eben  Francesco Foscari. Und begeistert mit der gleichen Stimme, mit der unveränderten emotionalen Intensität und mit der gleichen unversiegbaren Kraft. Jedenfalls stellte er einmal mehr alle anderen Mitwirkenden in den Schatten. Joseph Calleja begann gleichwertig, sein heller, strahlender Tenor war besonders intensiv. Doch bei seiner großen Arie stellte sich eine Schwächephase ein: die Mittellage wurde rau, die Höhen markiert. Ich habe das beim maltesischen Tenor schon öfters erlebt: ist er besonders empfindlich, sind es doch technische Probleme? Jedenfalls ging der Heiserkeitsanfall gut vorüber und der Abend – samt „standing ovations“ und Riesenjubel im restlos ausverkauften Großen Festspielhaus – gehörte ohnedies Placido Domingo. Viel zu lyrisch war allerdings für mich die chinesische Sopranistin Guanqun Yu, die – wie man hört – großen Erfolg als Liu hat; die Partie der Lucretia erinnert mich jedoch an die Abigaile in Nabucco. Und nicht zufällig hat eine Leyla Gencer diese Rolle 1957 im Studio aufgenommen. Bleibt noch zu erwähnen, dass der König aus „Aida“ Roberto Tagliavini diesmal als Loredano der „Bösewicht vom Dienst“ war und sich viel besser behaupten konnte als in der ägyptischen Dreiecks-Oper. Und das gleiche gilt für den norwegischen Tenor Bror Magnus Todenes, der seit dem Vorjahr zum Wiener Staatsopern-Nachwuchs gehört. Er fiel mit seiner wirklich schönen Tenorstimme diesmal mehr als positiv auf.

Der maßgeschneiderte Verdi-Abend für Placido Domingo wird am 14. August 2017 um 15 Uhr 30 wiederholt. Und die Anzahl der Tafeln mit dem Text „Suche Karte“ wird sich noch mehr vergrößern!

Peter Dusek

 

Diese Seite drucken