Der Neue Merker

SALZBURG/ Festspiele: I DUE FOSCARI und anderes

12./14.08.2017   Salzburg-Kulturwochenende mit I DUE FOSCARI und anderem

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Drei Events, den Interessen entsprechend einmal Sprechtheater und zweimal Musik (Oper, Konzert) in der sommerlichen Kulturmetropole – ein lohnendes Unternehmen.

Am Samstagabend gab es ein Gastspiel des ORF Radio-Symphonieorchester unter Cornelius Meister. Das RSO garantiert immer interessante Programme, abseits der klassischen Routinepfade. Zu Beginn gab man „Siddhartha“ von Claude Vivier. Dieses Orchsterstück für acht Orchestergruppen entstand 1976, in Anlehnung an Hermann Hesses Erzählung. Im Wechselspiel der Acht beeindruckt die ausgezeichnete Kommunikation und die hohe Qualität der Orchestergruppen. Der Dirigent bewältigte die schwere Aufgabe, den Überblick zu bewahren und die Koordination zu bewerkstelligen, bestens. Danach stand Giacinto Scelsis Hymnos für zwei Orchester und Orgel (Solist Robert Kovacs) auf dem Programm. Hier waren die Ohren der Zuhörer gefordert, denn die grelle Musik, sie wäre in jedem <horrorfilm bester Background, bereitete mitunter Schmerzen. Zur Erholung des Publikums wurde danach aus Richard Wagners „Tristan und Isolde“ das Vorspiel und Isoldes Liebestod wiedergegeben. Hier war das Orchester wieder in seinem Element, ebnso wie im Abschlussstück, Richard Strauss‘ „Tod und Verklärung“. Beide Werke wurden mit großem Ethusiasmuns, bester Klangharmonie und mit dem nötigen Temperament gespielt. Ein beeindruckendes Konzert, das beim Publikum großen Anklang fand.

Am Montagnachmittag wurde im großen Festspielhaus die zweite Aufführung von Verdis „I Due Foscari“ gespielt. Die konzertante Wiedergabe dieser selten gespielten Oper war natürlich aus „Domingo-Gründen“ ein Publikumsrenner erster Ordnung. Anders als bei der Premiere, wurden die Jubelstürme erst am Ende entfesselt, offenbar hat hier die Kritik an allzu entfesselten Fans gewirkt. Der allseits kritisierte Inhalt des Werkes ist sicher nicht unbedingt nobelpreisverdächtig, aber es gibt schlimmere Libretti als das von Francesco Maria Piave. Wenn man den Vergleich zur szenischen Produktion im Theater an der Wien 2014 zieht, muss man allerdings der konzertanten Version den Vorzug geben. Es war allen Beteiligten anzumerken, mit welcher Freude und welchem Feuereifer sie bei der Sache waren, um einen wahrhaft großen Opernnachmittag zu ermöglichen. Das Mozarteum-Orchester spielte mit einer selbstverständlich wirkender Routine, als wäre es ihre alltägliche Aufgabe, Verdi zu spielen. Das lag natürlich am überragenden Dirigenten Michele Mariotti, ein exzellenter Fachmann für diese Musik. Sein exaktes Dirigat sorgte für beste Harmonie zwischen den Sängern, dem Orchester und auch dem ausgezeicheten Philharmonia Chor Wien. Beim Sängerensemble gab es keine Schwachstelle, es waren sogar zwei Sänger zu entdecken, von denen man sicherlich noch hören wird: Guanqun Yu sang die Lucrezia mit kräftiger und schöner Stimme, auch in den hohen Regionen waren keine Schwächen zu hören. Bror Magnus Todenes ließ als Barbarigo in einer kurzen Arie aufhorchen, mit metallischer Stimme und blendender Höhe begeisterte er schon zu Beginn der Oper. Roberto Tagliavini war wie schon vor drei Jahren in Wien als Jacopo Loredano zu hören, sein mächtiger, profunder Bass klang hier wesentlich besser als zwei Tage zuvor in der „Aida“. Joseph Calleja sang den unglückseligen Jacopo Foscari mit hellem, kräftigem Tenor, da war keine Schwäche zu hören, auch sein berühmt-berüchtiges leichtes Vibrato störte hier überhaupt nicht. Seine Stimme ist metallischer geworden, man kann gespannt sein, welche Rollen er zukünftig singen wird.
Der Star des Abends war natürlich Placido Domingo als Francesco Foscari. Auch hier fällt der Vergleich zu seinem Auftritt 2014 eindeutig zugunsten des aktuellen aus. Diese Rolle kommt seiner Stimme besonders entgegen, weil hier nicht die tiefen Regionen maßgeblich sind, hier ist sein „tiefer Tenor“ ein Trumpf, hier strahlt seine Stimme noch den besonderen Glanz aus, den man seit Jahrzehnten kennt und schätzt. Mit welcher Energie und mit welchem Engagement er sich einbringt, ist beispiellos.
Berechtigter und größter Jubel war der Lohn für alle Protagonisten.

Montagabend: „Jedermann“ am Domplatz. Damit betrete ich fremdes Revier und möchte nur kurz anmerken, dass die neue Produktion (Regie: Michael Sturminger) zwar modern, aber dem Stück entsprechend ist. Mit großem Einfühlungsvermögen hat sich das Leading-team mit dem alten Stoff auseinandergesetzt und eine hervorragende Wiedergabe zustande gebracht. Besonders beeindruckte Tobias Moretti in der Titelrolle, der die Vorstellung trotz stärkster Beeinträchtigung seiner Stimme (zu Beginn musste man mit einem vorzeitigen Ende rechnen) zu Ende spielte. Mit blendendem, glaubwürdigem Spiel ließ er die Wandlung vom eitlen, protzsüchtigen Reichen zum Todgeweihten, letztendes geläuterten, reuigen Sünder miterleben. Da war kein Stück Pathos aus dem vorigen Jahrhundert, das entstaubte Werk klang sehr aktuell. Auch hier war das Publikum sehr angetan und dankte

Johannes Marksteiner

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