Der Neue Merker

SALZBURG/ Aula der Universität: VON DER WEITERGABE DES FEUERS: MASTERCLASS MIT CHRISTA LUDWIG

SALZBURG/ Aula der Universität: VON DER WEITERGABE DES FEUERS: MASTERCLASS MIT CHRISTA LUDWIG (22.Juli 2017)

Es ist fast schon ein Ritual zur Eröffnung der Salzburger Festspiele – eine „Master-Class“ mit Christa Ludwig, der Mezzo-Legende von einst. Die schlagfertige Diva ohne Allüren, die auf ihren unglaublichen 90er zusteuert, lockt jeweils mehr Zuhörer als die Aula der Universität – vis-á-vis des Festspielhauses – fassen kann. Warteschlangen beweisen dies nachdrücklich. Wer will offenbar nicht erleben, wie eine Primadonna von einst mit den Stars von morgen arbeitet? Also ist die Stimmung schon mit dem Auftritt von Christa Ludwig „angeheizt“ und sie bleibt es bei den folgenden 6 Kandidaten, die aus dem „young-singers-project“ ausgewählt wurden.

Den Anfang macht eine  29jährige Britin Carrie-Ann Williams, sie beginnt als Liu und setzt dann mit der Donna Anna aus Mozart’s „Don Giovanni“ fort: während bei Puccini wenig ausgesetzt wird, zeigt Christa Ludwig bei der Donna Arie den Unterschied zwischen einer schönen Stimme und dem entscheidenden Belcanto-Vortrag. Sie rät, Tempoangaben wie „langsamer“ etwas schneller und Hinweise wie „presto“ eher zu bremsen. Singen sei immer rund, man müsse sich wohlfühlen; mit dem Hinweis, dass die junge Dame eines Tages bis zur Aida „reifen“ werde, verabschiedet sie sich von ihrer ersten Schülerin. „Das habe ich übrigens auch Anna Netrebko vorhergesagt als sie noch Adina und Lucia gesungen hat“- eine Legende als Wahrsagerin.

Schüler Nr. 2 ist der 29jährige Bariton Ilya Kutyukin aus Russland. Der zierliche Feschak verfügt über ein beträchtliches Stimm-Material und trägt eine Arie aus „Eugen Onegin“ voll Inbrunst vor. Doch die einst ideale Amneris, Fidelio-Leonore oder Färberin unterbricht – bei der Lern-Wiederholung – immer wieder den ambitionierten Sänger. Nicht so viel Forcieren, mehr Legato, mehr Belcanto lautet ihr Credo und die Wirkung ist eklatant!

Dann kommt ein Tenor aus den USA, der 28jährige James McCorkie: er ist erst kürzlich vom Bariton zum Tenor umgestiegen. „Das Experiment geht selten gut!“ urteilt die Sängerin, die einst vom Octavian zur Marschallin „umstieg“. Ansonsten habe sie keine Einwände-sein Vortrag sei perfekt. Umso mehr Unterbrechungen gibt es dann beim einzigen Mezzo: Marvic Monreal (Jahrgang 1991aus Malta). Sie beeindruckt mit der Arie der Dalila von Camille Saint-Sans. Aber sie singt am Ende nicht hinauf und Christa Ludwig bemängelt auch die fehlenden nötigen „tiefen Töne“.

Geradezu sprachlos ist sie hingegen über die beiden letzten Kandidaten: Der Brite Huw Montague Rendall frappiert mit der virtuos vorgetragenen Arie des Titelhelden Rossini’s „Il Barbiere die Siviglia“. Er ist ganze 23 Jahre alt und sein  Parlando-Tempo gehört ins „Buch der Rekorde“. Sein virtuoser Vortrag wird  vom Publikum besonders gefeiert. Und der letzte Sänger ist gar erst 22 Jahre alt: Gleb Peryazev kommt aus Russland und erweist sich mit der Arie des Banco aus Verdis Macbeth als echter „schwarzer Bass“. An Talenten fehle es also wahrlich nicht, urteilt die überwältigte Primadonna.

Verbeugt sich mit ihrer Master-Class und schreibt dann Autogramme. Inmitten der Fans auch auffallende junge Gesichter. Ich frage den 23jährigen Christian, den 33jährigen Patrik und den 31jährigen Thomas, warum sie zu der Masterclass-Demonstration mit Christa Ludwig gekommen seien? „Wir halten alle 3 Herbert von Karajan für den besten Dirigenten und die Kooperation mit Christa Ludwig war die Erfüllung eines Traumes!“ Das Feuer der Inspiration wird offenbar weitergegeben von den Stars von einst an die Nachgeborenen!

Peter Dusek

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