Der Neue Merker

ROSENHEIM: DIE WANDERNDEN KOMÖDIANTEN von Francois Devienne

Wieder Opernrarität in Rosenheim:

„Die wandernden Komödianten“ von François Devienne (Vorstellung: 7. 2.)

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Die Theatertruppe in Aktion (Foto: Paul Jancso)

Der von Georg Hermansdorfer im Jahr 2011 gegründete Verein Erlesene Oper, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, unbekannte oder vergessene Opern wieder zum Leben zu erwecken, wartete im Künstlerhof Rosenheim neuerlich mit einer Opernrarität auf. Diesmal wurde die komische Oper in zwei Akten „Die wandernden Komödianten“ von François Devienne aufgeführt, wobei der seit 30 Jahren tätige Musikpädagoge selbst Regie führte und dirigierte.

 Der in unseren Breiten unbekannte französische Komponist Devienne (1759 – 1803) war als Fagott- und Querflötenvirtuose sehr geschätzt, geriet aber nach seinem Tod in Vergessenheit. Von seinen 12 Opern wurde das Werk Die Visitantinnen, das für den Komponisten den endgültigen Durchbruch brachte (es wurde in fünf Jahren 200 Mal aufgeführt), noch bis 1920 gespielt, heutzutage kennt man bloß noch seine Kammermusik.

 Der Inhalt seiner 1798 komponierten Oper „Die wandernden Komödianten“, deren Libretto von Louis-Benoît Picard stammt (deutsche Übersetzung: Friedrich Treitschke), kurz zusammengefasst: Silbermann, der eine reiche Erbschaft gemacht hat, ruht sich auf einer Waldlichtung aus und schläft vor Erschöpfung  ein. Eine wandernde Theatertruppe, die auf der Suche nach einem neuen Spielort durch den Unfall ihrer Kutsche zur Rast gezwungen ist, probt aus Zeitvertreib einige Szenen aus einem Räuberstück. Als Silbermann erwacht, glaubt er, unter Räuber gekommen zu sein. – In einem Gasthaus trifft er wieder auf die vermeintlichen Räuber und alarmiert mit den Wirtsleuten die Polizei. Die Beweise scheinen eindeutig: Perücken, Waffen und Falschgeld werden gefunden. Nur durch einen Zufall und nach amüsanten Verwechslungen stellt sich schließlich die Unschuld der Schauspieler der Theatertruppe heraus.

 Georg Hermansdorfer schuf eine humorvolle Inszenierung, die trotz ihrer vielen komödiantischen Szenen nie in Klamauk abdriftete. Köstlich die oftmaligen Anspielungen auf Rosenheimer „Verhältnisse“ und die witzigen Texte („Wir haben einen stotternden Souffleur, andere Bühnen ein stotterndes Ensemble!“).

 Um die etwas einfache Handlung der Oper zu bereichern, kam Hermansdorfer auf die Idee, einige Arien und Duette aus anderen Werken einzubauen, wodurch eigentlich ein „Pasticcio“ entstand, eine um 1800 sehr beliebte Form, die sich auch in der in Deutsch aufgeführten Oper von Devienne hervorragend bewährte. Die Übersetzung der Liedtexte schuf Anita Bühling.

Das gemalte Bühnenbild, das die Zeit der Handlung auf liebliche Weise illustrierte, schuf Otto von Kotzebue (ein Ururenkel des Schriftstellers August von Kotzebue und Urenkel des Historienmalers Alexander von Kotzebue), für die trefflichen Kostüme zeichnete Irmtraud Pichler verantwortlich.

 Das Sängerensemble – vorwiegend Künstler aus der Region Rosenheim und aus benachbarten Landkreisen – begeisterte das Publikum durch enorme Spielfreude und ausgelassene Komik, die sie auch in den eingefügten Teilen, wie in Stirb, verruchter Acis, stirb! aus Händels Maskenspiel Acis und Galathea und in der großen Schlussszene aus der Oper Die lustigen Weiber aus Windsor von Carl Ditters von Dittersdorf unter Beweis stellten.

 Den Theaterdirektor Schönbluth gab sehr überzeugend der aus Rosenheim gebürtige Markus Kotschenreuther mit feiner, hell klingender Tenorstimme, seinen Jugendfreund Hubert, der am Schluss die Missverständnisse aufklärt, spielte der Tenor Gerhard Meisinger. Die beiden rivalisierenden Schauspielerinnen wurden von den Sopranistinnen Sieglinde Zehetbauer (sie studierte übrigens am Mozarteum in Salzburg) und Doris S. Langara gegeben, die besonders im legendären „Zicken-Wettstreit“ Ich bin die erste Sängerin aus Mozarts Schauspieldirektor zu brillieren wussten.  Beinahe clownesk agierte der Tenor Tobias Gründl als Schauspieler Liebhold, der sich zu einem Opernlibrettisten berufen fühlt und damit die Theatertruppe gehörig nervt und die Lachmuskeln des Publikums strapaziert.

 Mit einer besonderen Leistung warteten der Bariton Andreas Agler in der Doppelrolle als Schauspieler Sauerbrunnen und als Wirt Bertram sowie die Sopranistin Christa Huber als stotternder Souffleur und vor allem als Köchin Gertrud auf.  Ihr Duett in der Wirtsstube

Ich soll aus der einaktigen Oper Le maître de chapelle von Ferdinando Paer wurde zum musikalischen Höhepunkt des Abends. Komödiantisch großartig gespielt und von der entzückenden Christa Huber mit glockenreiner Stimme exzellent gesungen, wurden sie vom Publikum mit Szenenapplaus und Bravo-Rufe gefeiert!

 Für den großen Publikumserfolg der Aufführung sorgten durch ihr komödiantisches Spiel auch der Bariton Werner Perret als Silbermann, der in der Theatertruppe Räuber zu sehen glaubt, und der Bariton Helmut Wiesböck in der Rolle des Gerichtsschreibers, der als Vertreter des Amtsrichters die Gelegenheit nutzen will, eine Exekution auszusprechen.

 Unter dem feinfühligen Dirigat von Georg Hermansdorfer brachte das Orchester des Vereins Erlesene Oper die Partitur der zum Pasticcio aufgewerteten Oper von Devienne schon mit der Ouvertüre schwungvoll und nuancenreich zum Klingen.

 Udo Pacolt

 PS: Noch in diesem Frühjahr soll der Beginn der Reihe „Oper am Klavier“ mit „Scherz, List und Rache“ von Max Bruch (nach einem Werk von J. W. Goethe) starten.

 

 

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