Der Neue Merker

ROSENHEIM: DIE SIEBEN RABEN von Joseph Gabriel Rheinberger. Eine echte Opernrarität

Opernausgrabung in Rosenheim: „Die sieben Raben“ von Joseph Gabriel Rheinberger (Vorstellung: 26. 3. 2017)

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Im Märchenspiel  „Die sieben Raben“ gab es auch kreativ choreographierte Ballettszenen (Foto: Nicole Richter)

 In diesem Jahr wartete der im Jahr 2011 von Georg Hermansdsorfer gegründete Verein „erlesene oper“ mit einer besonderen Rarität auf: „Die sieben Raben“ des Liechtensteiner Komponisten Joseph Gabriel Rheinberger. Die Aufführungen fanden wie im Vorjahr im Kultur- und Kongress-Zentrum Rosenheim (Ku’Ko) statt, wobei der bekannte Musikpädagoge wieder selbst Regie führte und dirigierte.

Das Werk ist eine romantische Liebesgeschichte, die auf zwei Märchen der Gebrüder Grimm basiert. Es wurde 1869 am Münchner Hof- und Nationaltheater uraufgeführt und das letzte Mal 1887 unter Richard Strauss gespielt, der ebenso zu den Schülern von Rheinberger zählte wie Engelbert Humperdinck und Wilhelm Furtwängler. Die Handlung der romantischen Oper, deren Libretto von Franz Bonn und Franziska Rheinberger stammt, in Kurzfassung: Bei den sieben Raben handelt es sich um die verzauberten sieben Brüder von Elsbet, die von einem Femegericht zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wird, als sie ihr Schweigen nicht bricht und so ihre Brüder rettet. Schließlich kann Prinz Roderich seine geheimnisvolle Geliebte glücklich in die Arme nehmen, da ihr Schweigegebot zur rechten Zeit endet.

In einem Beitrag im informativ gestalteten Programmheft über die Entstehung und Wirkung der Oper weist Georg Hermansdorfer auf die Parallelen zu Wagners Lohengrin hin: „Aus Elsa wird Elsbet, ‚Nie sollst du mich befragen‘ beharrt Lohengrin, während bei Rheinberger die Braut ihre Herkunft verschweigen muss. Auch die Hofszenen, die Brautszene, der Hochzeitszug mit Marsch und die Szene vor dem Kirchportal sind deutliche Parallelen. Selbst das musikalische Auftrittsthema Roderichs ähnelt verdächtig einem Motiv aus Lohengrins drittem Akt. Der wesentliche Unterschied besteht jedoch im Happy-End, in der Erlösung durch Glauben und die Treue.“

Joseph Gabriel Rheinberger, der 1839 in Vaduz geboren wurde und 1901 in München starb, wurde vor allem durch seine Kirchenmusik bekannt. Er lebte ab seinem 12. Lebensjahr in München, wo er das Konservatorium besuchte, an dem er später jahrzehntelang als Professor für Komposition und Orgel unterrichtete, wobei – wie schon erwähnt – unter anderem Richard Strauss und Engelbert Humperdinck zu seinen Schülern zählte. Seine zahlreichen Kompositionen umfassen Klavier- und Orgelwerke, Chormusik und Sinfonien sowie drei Singspiele und zwei Opern (neben den Sieben Raben noch Türmers Töchterlein (1873).

Wie in den vergangenen Jahren schuf das naturalistische und farbenfrohe Bühnenbild auch heuer Otto von Kotzebue. Es bildete gemeinsam mit den bunten Kostümen einen idealen Rahmen für das Märchenspiel „Die sieben Raben“. Gelungen auch die von Nicole Hadrawa-Sedlak kreativ choreographierten Ballettszenen. Auffallend stimmkräftig der Chor des Vereins „erlesene oper“ (Einstudierung: Marion Hummel, Organisation: Eva Epple).

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Die „Märchenhochzeit“ zwischen Prinz Roderich (Markus Kotschenreuther) und Elsbet (Sieglinde Zehetbauer), gesegnet von Herzogin Mathilde (Kayo Hashimoto) Foto: Nicole Richter

Das Sängerensemble (großteils aus Rosenheim und Umgebung) begeisterte das Publikum durch sehenswerten Einsatz in ihren Rollen. „Star“ der Vorstellung war die Sopranistin Sieglinde Zehetbauer als Elsbet, die mit ihrem hohen Sopran die schwierige Rolle sowohl stimmlich wie darstellerisch bewundernswert meisterte. Schade, dass der Tenor Markus Kotschenreuther als Prinz Roderich indisponiert schien und des Öfteren mit Problemen zu kämpfen hatte.

Stimmlich wie schauspielerisch überzeugend die japanische Sopranistin Kayo Hashimoto als  Herzogin Mathilde und die Mezzosopranistin Sonja Bühling als Fee. Mit großer Wortdeutlichkeit gestalteten der Bariton Andreas Agler und der Bass Michael Doumas ihre Rollen als Mathildes Stiefbruder Eckart und als treuer Jäger Hubert. Der kleineren Rolle des Richters lieh der Bass Martin Zimmerer seine tiefe Stimme.

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Dirigent Georg Hermansdorfer (Foto: Nicole Richter)

In gewohnter Weise – umsichtig und temperamentvoll – leitete Georg Hermansdorfer, die Seele der erlesenen oper e.v., das Orchester des Vereins und brachte damit die vielschichtig-romantische Partitur des Liechtensteiner Komponisten Rheinberger voll zum Erklingen.  

Das begeisterte Publikum belohnte alle Mitwirkenden mit lang anhaltendem Applaus und vielen Bravorufen für Sieglinde Zehetbauer und Georg Hermansdorfer. Es war wieder ein musikalisch reizvoller Nachmittag, der mit einer gekürzten Vorstellung für Kinder begann und zu einem gesellschaftlichen Rosenheimer Ereignis wurde, an dem auch einige Verwandte des Komponisten aus dem Fürstentum Liechtenstein teilnahmen.

Udo Pacolt

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