Der Neue Merker

Renate HOLM zum 85er: „Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein“

„IST EIN TRAUM, KANN NICHT WIRKLICH SEIN“: RENATE HOLM ZUM UNGLAUBLICHEN 85. GEBURTSTAG AM 10. AUGUST 2016

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Renate Holm-Fanclub von 1952. Foto: Regine Heithecker

Sie versprüht nach wie vor jede Menge  Charme, strotzt vor Aktivitäten aller Art, ist Opern- und Operetten-Legende, Gesangslehrerin und Rezitatorin,  erfreut sich ihrer zahllosen Audio- und DVD-Kopien aus ihrer großen Zeit als Diva; im September   wiederholt sie etwa in ihrer Mühle im nö. Altenmarkt ein Programm gemeinsam mit Dietmar Grieser, bei dem sie Tierlieder vorträgt. Kurzum die Wahl-Wienerin und geborene Berlinerin  Renate Holm widerlegt die Gesetze der Natur: 63 Jahre begeistert sie bereits  ihr Publikum, allein dieses Faktum müsste fürs Buch der Rekorde reichen ! Und tatsächlich am 10. August 1931 wurde sie  in Berlin-Tempelhof geboren . Mit 13 Jahren belohnte sie die strenge Mutter mit einer Kinokarte: Madame Butterfly mit Maria Cebotari.  Das war ihr Schlüssel-Erlebnis. Ab da wollte sie zur Bühne und während sie als Zahnarzt-Assistentin 9  Stunden täglich schuftete, ging sie mehrmals die Woche zu einer Gesangslehrerin, die sie zur Tosca und Butterfly ausbilden wollte. Zum Glück riet ihre zweite Lehrerin  – Maria Ivogün – davon vollständig ab. Sie erkannte die Stimmqualitäten der späteren Adele, Sophie oder Susanna. Und riet ihr, die Koloraturhöhe auszubauen, auf das goldene, lyrische Timbre zu setzen und dem dramatischen Puccini- und Verdifach ade zu sagen. Und eine Blitzkarriere war die Folge. Mit 21 Jahren gewann sie – noch als Renate Franke – einen Talente-Wettbewerb in Berlin, ein Jahr später spielte sie ihre erste Schallplatte ein. Und bald ging  sie mit den Schlagerstars ihrer Zeit auf Tournee. Sie sang – nun schon als Renate Holm – das Nachtigallen-Lied von Grothe, trällerte in den höchsten Lagen, hatte besonderen Erfolg mit einem Schwipslied von Gustav Zelibor und drehte 1954 ihren ersten Film „Schlagerparade“.


Renate Holm und Rudolf Schock im Spielfilm „Schön ist die Welt“ 1957

Renate Holm wirkte in 4 Jahren in einem Dutzend Filme mit, gewann 1956 den Europäischen Songcontest in Venedig  und war ein echter Star als sie von Hubert Marischka eingeladen wurde, mit ihm als Regisseur in der Volksoper „Ein Walzertraum“ zu debütieren. Er hatte sie in dem Film „Schön ist die Welt“ mit Rudolf Schock gesehen und suchte eine Publikumsattraktion. Renate Holm zögerte keinen Augenblick, sie verzichtete auf die Traumgagen beim Film, wurde über Nacht Publikumsliebling in der Volksoper und sang 1960 zum ersten Mal an der Staatsoper und zwar als  Gretchen in „Wildschütz“ von Lortzing. Mehr als drei Jahrzehnte war sie nun hochkarätiges Ensemblemitglied im Haus am Ring. Sie war Zerbinetta und Marzelline, Adele, Papagena und Sophie, Susanna und Despina und – unter Herbert von Karajan- Musetta in der Serie mit Pavarotti und Freni in Salzburg  und Wien. Sie sang in Berlin. Bregenz, München, Frankfurt, London und im Teatro Colon in Buenos Aires – und als Motto hätte sie damals wählen können: „Ist ein Traum kann nicht wirklich sein“. Allein an der Wiener Staatsoper waren es an die 400 Vorstellungen in 19 Rollen. In all diesen Jahren trat sie – die bis heute vom Lampenfieber gequält wird – in Fernseh-Shows auf, war die legendäre Jugend in Raimunds „Bauer als Millionär“ mit Josef Meinrad, trug Lieder vor, die ein Nico Dostal oder ein Robert Stolz für sie geschrieben hatten. Sie gehörte zur Kerntruppe der Prawy-Konzerte.

Renate Holm Fanclub 2016
Renate Holm-Fanclub von 2016. Foto: Regine Heithecker

Und wer gedacht hatte, dass sie je in den „wohlverdienten“ Ruhestand treten werde, irrte  gewaltig: Nun ging’s erst richtig los. Renate Holm wurde eine beliebte (und auch immer ob ihres Perfektionsdranges etwas  gefürchtete) Lehrerin. Sie spielte erfolgreich Theater – etwa mit Georg Thomalla in „Miniaturen“, das 1987 8 Monate am Kurfürstendamm en Suite lief. Renate Holm wurde zur „Tierärztin“ in ihrer alten Mühle aus dem 17.Jahrhundert und  widerlegte die Gesetze der Natur. So optimistisch, so körperlich fit wie sie ist kaum eine andere Sängerin nach so vielen Bühnenjahren. Wenn man sie fragt: was war das größte Manko ihrer unglaublichen Karriere war, dann antwortet sie, dass sie sich niemals die Marschallin zugetraut hat. Und die Delegation ihres Berliner Fanclubs, der 1953 von Marianne Schmidt  gegründet wurde und  nun zum 85.Geburtstag  als Delegation samt der Initiatorin nach Wien angereist ist, stimmt dieser These zu. Ich wage zu widersprechen: die Marschallin im „Rosenkavalier“ sinniert über das Schicksal, das aus ihr eines Tages „eine alte Frau“ machen werde. Das gilt für sie offenbar nicht! Renate Holm ist ein Natur-Phänomen ohne Gleichen. Happy Birthday liebe Renate!

Peter Dusek

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