Der Neue Merker

REFLEXIONEN zu einer konzertanten NORMA am 21.5.2014 in der Staatsoper Wien

REFLEXIONEN
Zu einer Staatsopernaufführung der NORMA  konzertant, am 21.Mai 2014

 Gewidmet allen, die an meine Schilderung von den Sichtverhältnissen in der konzertanten NORMA nicht geglaubt haben, die von mir am 17.Mai 2014 in der Wiener Staatsoper besucht und beschrieben wurde.

 

Eine traurige Bildergeschichte von einem neuerlichen Besuch am 21.Mai 2014

Gesehen von einem mittigen (!) Galerieplatz aus, 5. Reihe, Sitz 15, rechts.

 

Bild 1 Die Overtüre: geleitet von Andriy Yurkevych. Zu sehen sind ein Teil der Philharmoniker, seiner tatsächlichen Bedeutung wegen der Chor ganz vorne an der Bühnenrampe.

Wo ist der Dirigent? Wenn sie ganz genau schauen zwischen dem ersten und zweiten Kopf von rechts das Pünktchen mit der kleinen Glatze am Hinterkopf.

Die schwarzen Köpfe im Vordergrund sind immer da, abwechselnd schaut der eine oder andere Besucher mit stark erhobenem Kopf und sucht vergeblich den Vordergrund zu erhaschen.

Ouvertüre, schon jetzt die Hälse gereckt

Ouvertüre, schon jetzt die Hälse gereckt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 2 Auftritt Oroveso. Der signifikante Graukopf von Dan Paul Dumitrescu ist rechts, weit unter der Masse der Galerierampe und den Zuschauern verborgen und daher, überhaupt nicht sichtbar.

 So ein Sitz Galerie Mitte kostet 50,-€, das sind in alter Währung rund 650,- öS, von mir wurde die Karte erworben um 19:15 Uhr vor dem Operngebäude um 30,-€, weil eben kein „Gries“ um die Karten war und der Verkäufer schon sichtlich nervös tat. Er staunte, warum ich keine Karte in der ersten Reihe wollte, er konnte nicht wissen, dass ich aus dem „unterprivilegierten“ Sektor berichten wollte und der beginnt erst ab der 2. Reihe von Balkon und Galerie, MITTE wohlgemerkt.

Dan Paul Dumitrescu als Oroveso tritt auf

Dan Paul Dumitrescu als Oroveso tritt auf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 3 John Osborn, der für Massimo Giordano eingesprungene Tenor aus den USA, ist aufgetreten. Die Balkon-und Galeriebesucher mitte und halbmitte recken die Köpfe und sehen einen Schmarrn. Diejenigen, die Glück haben sehen manchmal zwischen den Köpfen der Zuschauer einen ebenfalls kleinen Kopf singen: das ist er, der Osborn! Es gelang mir nicht, trotz vorgebeugten Körpers, einen Blick auf den Pollione zu erhaschen.

Osborn sang bis jetzt leichte Kost zwischen Rossini und Offenbach und Donizetti, also kein gestandener Tenor für den Pollione herkömmlichen Sinns. Aber da haben sich jetzt die Gewichte verlagert, zusammen mit der Bartoli wurden Urfassungen ans Licht gefördert, das haben beide jetzt in Salzburg zu Ostern gezeigt und auch auf CD festgehalten. Seine große Arie, aber vor allem die Kabaletta strotzt von Koloraturen und Verzierungen, für die er aber nicht nur Applaus erntet sondern auch ein kräftiges Buh. Ob das für diese Fassung war oder für seine etwas eigenartige Art der Tongebung, für die wir in Wien früher den Ausdruck „Krawatteltenor“ hatten, das konnte ich nicht erfragen.

John Osborn

John Osborn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 4  Damit alle wissen, wie Osborn in der Nähe aussieht, ein Bild beim Empfang des Schlussapplauses.

Schlußapplaus für John Osborn, links Piscinelli und Dumitrescu

Schlußapplaus für John Osborn, links Piscitelli und Dumitrescu

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild 5  Die beiden Damen vom letzten Mal sind gleich geblieben, sowohl namentlich als auch gesanglich. Wenn sie ganz genau schauen, sehen sie den Kopf der Norma bzw von Maria Pia Piscitelli ganz winzig klein zwischen den Köpfen zweier Zuschauer.

Norma bei der CastaDiva Arie

Norma bei der CastaDiva Arie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man kann es auch weniger lustig sagen: Diese Aufstellung der Künstler ist eigentlich den  zahlenden Besuchern aus den größten Teilen des Publikumsbereiches der Galerie und des Balkons Mitte nicht zumutbar.

Bitte liebe Direktion: bei der nächsten konzertanten Aufführung denken Sie an die sehr vielen Besucher, die durch die Aufstellung, die ja eher für einen Konzertsaal gedacht ist, negativ betroffen sind. Einer Aufstellung, die im klassischen Logentheater und seinen steilen Rängen so nicht funktionieren kann.

 

 

Peter Skorepa
MERKEROnline
Fotos:P.Skorepa

 

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