Der Neue Merker

REFLEXIONEN – Die Wiener Staatsoper im November 2013

 

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Wiener Staatsoper & Co.

 MONATSRÜCKBLICK

 November 2013

 

 Zurück in die Vergangenheit? Nichts Neues vom Ensemblegedanken.

Wer das Ende November erschienene Heft 12/2013 der STRETTA von den Freunden der Wiener Staatsoper beim Kapitel FORUM aufschlägt wird bemerken, dass im Leitartikel von Dr.Karl Korinek unter Zuhilfenahme feiner Sophistik einem Ensemblegedanken zugesprochen wird, dessen Endstadium, wie in diesem Artikel gefordert, weder im Bundestheatergesetz so normiert wurde, noch seiner historischen Entwicklung der letzten fünf Jahrzehnte entspricht.

 Wie sollte denn der Ensemblegedanke auch “auf die Ebene der großen Partien” auszudehnen sein? (Was im Detail so ja gar nicht dezidiert im kulturpolitischen Auftrag steht) Und wenn Dr.Korinek schreibt „Das entspricht dem kulturpolitischen Auftrag“, so ist das auch nur seine persönliche Auslegung). Tatsächlich geht ja die Bildung eines Ensembles von der Voraussetzung aus, dass Künstler auf Basis eines Dienstplanes und im Angestelltenverhältnis einem Haus für eine oder mehrere Saisonen zur Verfügung stehen. Das wäre mit international tätigen Spitzensängern undurchführbar, denn diese schließen mit Stückverträgen ab, ob nun für einen einmaligen oder für mehrmalige Auftritte oder Serien, allenfalls aber auch z.B. für mit einem so genannten Residenzvertrag, der den Künstler aber noch nicht zu einem Ensemblemitglied im eigentlichen Sinne macht.

 Unbestreitbar ist, dass sich Künstler in den jeweiligen Haus-Ensembles erst hocharbeiten und für höhere Aufgaben empfehlen müssen, um dann auch mit Gastauftritten flügge zu werden. Hausensembles sind daher geradezu eine Notwendigkeit für die ideale künstlerische Entwicklung eines Anfängers zu einem gefragten Sänger oder zu einer gesuchten Sängerin. Wir müssen uns aber auch einig darüber sein, dass erst diese Spitzenkräfte das Medium Oper in allen seinen Ausformungen künstlerisch am Leben erhalten bzw. ein Institut zu einem führenden Haus machen können. Sind diese aber erst einmal in dieser Stellung angelangt, dann ist diese Spezies von Künstlern, nenne man sie meinetwegen Stars, kaum mehr bereit, sich in ein Hausensemble zwängen zu lassen. Elisabeth Kulman ist das jüngste und beste Beispiel einer solchen Entwicklung vom Ensemblemitglied zu einer mit allen Risken, aber auch allen Freiheiten ausgestatteten Künstlerin, die sich auch international entfalten kann aber auch bei uns für ihre besten Partien zur Verfügung steht.

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Und wer sind also die von Dr.Korinek herbeizitierten „Opernfreunde“, die sich mit kritischen Grundgedanken einstellen (so wie in diesem Artikel zitiert) und damit eigentlich und offensichtlich besetzungspolitische Fesselungen im Auge haben. Wollen wir mit einem eng gestrickten Ensemblesystem beamteter Künstler dahindümpeln wie ein Repertoirebetrieb in der Provinz. Das wäre dann wirklich die Einleitung zum wirtschaftlichen und künstlerischen Abstieg und erst recht gegen den Gesetzesauftrag, die Stellung der Staatsoper „im Kreis der international führenden Häuser zu erhalten und weiter auszubauen“!

Ja, auch ein Operndirektor kann sich seine „beratenden“ Freunde nicht aussuchen!

 

 

Die Neuinszenierung

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Kolosova, Bruns, Bezsmertna, Werba und Carvin: Bunter gehts nicht.

 DIE ZAUBERFLÖTE   17., 20., 24., 27. und 30. November

„Nicht Fisch und nicht Fleisch, diese neue Zauberflöte“ (OÖN)
Sieg der Anspruchslosigkeit(D. Troger)
„Mozarts verschenktes Jahrtausendwerk“ (Heute)
“Das war wohl die elementarste Enttäuschung seit langem“ (R. Wagner)
Weiterhin kein Glück also beim Mozartschen Kernrepertoire unseres Hauses. Nach dem vorzeitigen Aus für den Da Ponte-Zyklus nach Giovanni und Figaro, wird der Zyklus mit der alten Cosí, (der mit einer, lediglich einem Ausstattungstheater huldigenden, bald zwanzig Jahre alten Inszenierung von de Simone) im Jänner ergänzt. Und nach einem ebenso optisch daneben gelungenen Titus, passiert jetzt diese ZAUBERFLÖTE!

„Das Regieduo Moshe Leiser und Patrice Caurier appelliert … hinreichend an das Kind im Opernnarren, um eine kollektive Regression zu erwirken.“ (Wiener Zeitung). Von ihrer „Zauberflöte“ war also Intelligentes, Originelles zu erhoffen. Am Ende stand man vor einer Aufführung, die an Ideenlosigkeit und dummen Einfällen einen ziemlich hohen (negativen) Rang einnimmt)“ (Dominik Troger) Man weiß, dass „Die Zauberflöte“ dramaturgisch wirklich kein gutes Stück ist. Aber man kann sie retten. Und man kann sie auch noch schlechter machen, als sie ist. Das scheint in diesem Fall traurig gelungen.“ (Renate Wagner)

Hüter des Wienerischen Elementes: Werba

Hüter des Wienerischen Elementes: Markus Werba

„Größter Aktivposten: Markus Werba. Als Papageno absolviert er eine athletische Tour de force, ohne die Rolle des Naturburschen in den Sand der Outrage zu setzen…Von begrenzter Wirkungsmacht ist leider auch das Dirigat von Christoph Eschenbach“ (Der Standard)

„Vor einer braunen Wand oder einem weißen Vorhang beschränkten sich die Regisseure auf oberflächliches Kasperltheater“. (Heute)

Noch dazu also eine kaum überzeugende musikalische Umsetzung, wobei die gesanglichen Leistungen des Hauptpaares von jenem der Nebenpaarung WerbaNafornita in den Schatten gestellt werden.  Auch Schramm-Schiessl und Kopica von Merker-Online finden fast nur Haare in der Zauberflötensuppe.
Es ist traurig, dass die einzigen Szenen, welche das touristisch durchsetzte Publikum so „köstlich“ unterhalten konnten, die mit den Tieren (die sind auch tatsächlich ob der Tierkostüme gelungen) und die mit den im Tutu tanzenden Polizisten sind! Traurig, weil gerade dieses Werk eine urwienerische Veranstaltung zu sein hätte, aus der Schikanederschen Tradition heraus gestaltet und von den Besten für den Mozartschen Gesang exekutiert! Für Mozart und vor allem die Zauberflöte scheint das Gefühl an der Wiener Staatsoper verloren gegangen zu sein!

 

Dazu die Rezensionen von R.Wagner, D. Troger und H.Schramm-Schiessl

 

Die Wiederaufnahme

 

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PETER GRIMES    23.,26. und 29. November

„100 Jahre und einen Tag nach Benjamin Brittens Geburtstag ist „Peter Grimes“ nun nach langer Pause auf den Spielplan der Wiener Staatsoper zurückgekehrt – als deren leider einziger Beitrag zu einem Jubeljahr, in dem das verständliche Getöse rund um die doppelt so alten Kollegen Wagner und Verdi den britischen Genius beinah zum unhörbaren Dritten macht. Dabei vertritt das großartige, im Juni 1945 uraufgeführte Durchbruchswerk des Komponisten, sieht man von Kinderopern ab, als einziges das im Haus am Ring derzeit sträflich vernachlässigte Repertoire der Nachkriegszeit“. (Die Presse/W.Weidringer)

Gun-Brit Barkmin, Herbert Lippert und Iain Peterson

Gun-Brit Barkmin, Herbert Lippert und Iain Paterson

Ursprünglich hätte Ben Heppner den Peter Grimes singen sollen, nach seiner Absage kam Herbert Lippert zum Zug. In der Wiederaufnahme am Samstag feierte er in dieser Partie Rollendebüt an der Staatsoper. Lipperts Grimes war aus eher einfachem Holz geschnitzt, seelische Abgründe wie bei anderen Interpreten der Rolle taten sich kaum auf. Stimmlich „hing“ sein Peter Grimes öfters an einem etwas dünnen „Seil“, vom Timbre mit lyrischer, leicht fahler Einfärbung versehen.

Die Ellen Orford von Gun-Brit Barkmin war eine passende Ergänzung zu diesem Peter Grimes, ihre fester, eher heller, aber nicht sehr strahlkräftiger, im Timbre etwas „abgedimmt“ klingender Sopran, passte gut zur ihrer Rollenzeichnung: ein bisschen Blaustrumpf, ein bisschen Witwe mit Sehnsüchten.

Balstrode wurde von Iain Paterson mit wohl erklingendem Bariton auf die Bühne gestellt; ein Kapitän mit Format und Autorität und einem Englisch als „native speaker“. (D.Troger)

„Es ist ein wirklich spannendes Stück, das auch eine spannende Umsetzung verdiente…sie kam in diesem Fall zumindest aus dem Orchestergraben. Der Brite Graeme Jenkins zeigte nicht nur brillantes Fingerspitzengefühl für die emotionalen Wertigkeiten der Musik, sondern brachte auch die nötige Exaktheit, die bei einer so schwierigen Partitur (zumal in den Chorszenen) nicht immer leicht zu erreichen ist, peitschte Dramatik hoch und ließ Trauer fließen, ohne der Sentimentalität (die gelegentlich hinter Ecken hervorlugt) nachzugeben. Wenn es einen Musiker-Himmel gibt, hat Britten wohl  herunter gesehen und sich gefreut“ vermutete Renate Wagner.

 

 Das Repertoire im November

Íride Martínez, Carlos Alvarez und Juan Dieg Flórez mittendrin

Íride Martínez, Carlos Alvarez und Juan Dieg Flórez mittendrin

LA FILLE DI RÉGIMENT   1.und 4.November

 „La fille du régiment“ ist derzeit eine der besten Produktionen, die an der Staatsoper zu sehen sind – und wenn noch dazu Juan Diego Flórez für vier Abende vorbeischaut, dann kennt das Wiener Opernglück keine Grenzen mehr. Mit minutenlangen Ovationen erbat sich das Publikum eine Wiederholung des mit „hohen Cs“ gespickten „Pour mon ame“, das die mit der Cavatine „Ah! Mes amies“ eingeleitete Szene beschließt. Flórez ließ das Auditorium diesmal lange „zappeln“, ehe er dem Dirigenten seine Einwilligung kundtat (und Bruno Campanella fand dieses Mal in der Partitur gleich die Stelle wieder, ab der es losgehen sollte). sein „Pour me rapprocher de Marie“ war erfüllt von anschmiegsamer sehnsüchtiger Poesie, wunderbaren Piani und virilem Leuchten, der Jüngling schon zum Manne gereift“. (D.Troger)

„Worin besteht sein Zauber? Zweifellos in seiner Präsenz. Dieser Tonio ist „da“, von der ersten bis zur letzten Minute, die ihn auf der Bühne sieht, er ist ein übermütiger Spitzbub, der in dieser Inszenierung völlig legitim keine Pointe auslässt, aber er spielt auch eine echte Figur, eine Wandlung vom ländlichen Teppen zum Mann, der um seine Liebe kämpft“

Was ist aber mit dem Orchester unter Bruno Campanella ? Nicht dass er zu laut oder zu langsam / schnell wäre, aber es klingt nach „Dienst nach Vorschrift“ und wirkt wie ein Gugelhupf ohne Staubzucker.  (W.Habermann)

Iride Martinez spielte die Marie mit Schwung und hat sich in dieser dritten Aufführung sehr gut in die Inszenierung eingelebt. Ihr beweglicher, aber nicht sehr leuchtkräftiger Sopran servierte die Koloraturen und Spitzentöne sicher und garniert mit dem verlangten Spielwitz. Die Stimme scheint mir für die Staatsoper allerdings etwas zu leichtgewichtig, und das sängerische Feuerwerk, das Marie abzubrennen hat, kam nicht so funkelnd wie erhofft beim Publikum an. (D.Troger)

„Der Blumenwerfer bei den Schlussvorhängen sollte entweder noch etwas Krafttraining machen oder Zielwasser trinken, denn nahezu alle Blumen landeten bei den Kontrabässen“, sah Wolfgang Habermann.

 

 ELISIER D´AMORE   8. und 12.November

Bäuerin sucht Mann, Sylvia Schwarz wird nicht lange suchen müssen.

Bäurin sucht Mann, Sylvia Schwarz wird nicht lange suchen müssen.

„Wenn man Peter Dusek glauben darf, so waren außer vom Tenor keine stimmigen Leistungen zu erwarten gewesen: Die Sopranistin kann ihre Aufnahme in das Ensemble der Staatsoper nicht rechtfertigen (und hat es noch nie können), Plachetka wäre als Belcore dank seines Auftretens besser aufgehoben gewesen, Arduini ist wieder zu wenig Belcore. Und Garcia Calvo ist als „Lehrling“ zu wenig Meister als Dirigent. Dusek stellt zu Recht fest, dass, nähme der Tourismus Schaden, die Folgen für die Auslastung des Hauses nicht auszudenken wären.“

 „Nicht ihren besten Abend hatte Sylvia Schwarz als Adina. Die spanische Sopranistin hatte diesmal Probleme mit den Spitzentönen und verzichtete zuletzt auf ihren Solovorhang. Immerhin eine Adina voller Liebreiz! Bestens disponiert war hingegen Adam Plachetka als Dulcamara, den man sich allerdings diesmal nachdrücklich als Belcore wünschte. Er ist für den Quacksalber einfach zu jung, zu dynamisch in der heutigen Neusprache: Plachetka ist kein „looser“. Da kann ich nicht ganz zustimmen, denn ein Looser scheint mir dieser mit allen Wassern gewaschene Quacksalber nicht zu sein, wenn er in all den Ortschaften derart viel Umsatz einfahren kann, zwei Diener beschäftigt und Esel und Wagen besitzt.

„Von den Sängern muss an erster Stelle der Tenor Stephen Costello genannt werden. Der junge Amerikaner wurde in Philadelphia geboren, fiel in Salzburg als Cassio positiv auf, gehört seit Jahren zu den MET „rising stars“ und tritt sei drei Jahren auch regelmäßig an der Wiener Staatsoper auf. Für den Nemorino bringt er alle Voraussetzungen mit ein sympathisches Spiel, eine kräftige, angenehme Stimme und eine „sitzende“ Höhe. Hier dürfte ein SpintoTenor heranreifen.“

Am Pult ein 35-jähriger Spanier, Guillermo Garcia Calvo, noch mehr Lehrling als Meister, meint Peter Dusek. „Aber irgendwann muss ja die Routine her.“ (P.Dusek)

 

 UN BALLO IN MASCHERA   7.,10.,13. und 16.November

Beschwörung bei

Beschwörung bei der neuen Wahrsagerin in Wien: Monica Bohinec, rechts Ramón Vargas, noch im gesunden Zustand

Das feuchtkalte Wetter garantiert uns Absagen, „Ramón Vargas ließ sich als verkühlt entschuldigen, was man höchstens an minimalen Trübungen merkte, und sang wie schon so oft einen überaus überzeugenden Gustavo“. Dann war er das prominente Opfer des Wetters ab dem zweiten Abend und der aus Bulgarien stammende Kamen Chanev gab als Einspringer sein Rollendebüt als Gustavo. Als Des Grieux debütierte er bereits 2007 an der Wiener Staatsoper, in der Folge sang er auch noch Pinkerton und Ismaele am Ring.

Hila Fahima im Einspringerglück in Wien und in Graz

Hila Fahima im Einspringerglück in Wien und in Graz

Das zweite Rollendebüt betrifft Hila Fahima, die 26 Jahre junge Israelin, neuestes Ensemblemitglied und erst von einem Einspringabenteuer in Graz am vergangenen Samstag zurück. Nach nur einem Probentag gab sie dort in der Neuinszenierung der Zauberflöte ein gelungenes Debüt an der Mur, um jetzt in Wien ein ebenso erfolgreiches und vom Publikum entsprechend gefeiertes Rollendebüt als Oscar hinzulegen, eines mit einem Versprechen an die Zukunft.

„Sondra Radvanovsky zählt neben René Fleming, Deborah Voigt oder Karita Mattila zu jenen Sängerinnen, die man in erster Linie mit ihrem Stammhaus, der New Yorker Met, in Verbindung bringt. Sie ist eine schöne Frau, die sich (wie die anderen „Amerikanerinnen“ auch – selbst wenn sie anderswoher stammen, die Met macht sie zu solchen) hervorragend herrichten kann: Man hat drüben seine Stars gerne „schön“. Stilistisch ist sie ein „Schmetter-Sopran“, der sich sehr selten die Mühe machte, die hier so häufig verlangten Piani zu singen (und wenn, sind sie nicht sonderlich gelungen). Ihre Arie „Morro ma prima in grazia“ gelang, solange sie die Stimme zurücknahm, aber sie tut es nur selten und offenbar nicht gern. Ihre tragfähige Mittellage steigt zu einer metallischen höheren Mittellage auf, die regelmäßig in gewaltige, messerscharfe Spitzentöne explodiert“ (R.Wagner)

„Bei George Petean, ein bewährter Recke als doch sehr grimmiger René, gab es gerade vor seiner großen Arie ein paar angstvolle Momente, die anzuzeigen schienen, dass er dieser hochdramatischen Rolle an diesem Abend vielleicht nicht ganz gewachsen sein könnte, aber dann sang er sein „Eri tu“ tadellos, mit schönem Bariton, der nur leider nicht A-Klasse-Qualität hat. Aber im Repertoire muss man für solche Sänger dankbar sein“ meint Renate Wagner, die mit dem Triple-A sparsamer umgeht als eine Ratingagentur.

„Dirigent Jesús López-Cobos dirigierte den „Ballo“ erstmals in Wien, und so sehr man ihn schätzt, das war nun vor allem jenes markige Gedröhne, das Kapellmeister gerne entfesseln, die weder Zeit noch Lust haben, sich mit Feinheiten abzugeben (immerhin war das eine oder andere Lyrische doch schön…).Aber das ist das Geheimnis von Verdi, wie auch Riccardo Muti in seinem Buch über den Komponisten so wunderbar ausführt: Er spricht mit seiner Musik den Zuhörer so direkt emotional an, dass man die Lautstärke für Intensität nimmt…“ (R.Wagner) Unter Rücksichtnahme auf die Dirigenten sollte man solche Bücher vor KritikerInnen eigentlich verstecken!

 

 MADAMA BUTTERFLY    11.,15. und 19.November

Neil Shicoff mit Ana María Martínez

Neil Shicoff mit Ana María Martínez

 „Zwei Startenöre in Puccinis Madama Butterfly: Damit kann kaum ein Besetzungsbüro eines großen Opernhauses aufwarten – schon weil Puccini für seine „tragedia giapponese“ nur eine große Tenorpartie vorsah. Möglich wird dies aktuell aber an der Wiener Staatsoper, da es Plácido Domingo im Spätherbst seiner Karriere nicht nur in die Tiefe des Baritonfachs zieht, sondern auch in jene des Orchestergrabens: Der Spanier, der 1967 im Haus am Ring als Sänger debütierte, leitete wieder einmal das (routinierte) Wiener Staatsopernorchester.

Im Publikum reihenweise Gäste aus dem Heimatland Cio-Cio-Sans, die, umspült von Puccinis weichen Klängen und gelabt von der Wärme und Dunkelheit im Zuschauerraum, so synchron wie dezent einnickten und die Köpfe vornüber hängen ließen wie zu lange nicht mehr gegossene Primeln.  (Der Standard)

Man könnte nun sagen, Domingo habe seinen Schützling mitgebracht, oder auch, die Titelrollensängerin hat ihren Mentor überredet, sie orchestral auf Händen zu tragen – egal, wie man es formuliert: Jedenfalls sang Ana María Martínez eine hervorragende Butterfly, wie man sie nicht alle Tage hört.(R.Wagner)

 Aber jedenfalls ist der Pinkerton „keine Rolle für Neil Shicoff, auch früher nicht – er war schon immer zwischen Eleazar und Britten am besten aufgehoben und hat mit Belcanto nie überzeugend reüssiert. Nun ist die Stimme schon in einem ziemlich schlechten Zustand, trocken und gestemmt, aber immerhin schlug er sich im dritten Akt unwesentlich, aber doch besser als im ersten. Und der letzte Eindruck zählt beim Publikum. Man wünschte sich für Shicoff, es gäbe jetzt eine Reihe von Charakterrollen für ihn, wo die Präsenz dieses Künstlers mehr zählte als die Stimme, die Puccini nun einmal verlangt. (R.Wagner)

„Weniger überzeugte der neue Sharpless in Gestalt des jung und unsicher wirkenden, stimmlich spröden Gabriel Bermudez“ Darin sind viele Frau Wagners Meinung. Das war die am wenigsten überzeugende personelle Erweiterung des Ensembles! Beim Vorsingen scheint der Ersatz vom Ersatz anwesend gewesen zu sein, aber lassen wir uns in der Zukunft überraschen.

 

Über die Serie von Donizettis Anna Bolena (3.11.) wurde bereits im Oktober berichtet.

 

Luxus im Wüstensand: Das Royal Opera House in Mascat

Luxus im Wüstensand: Das Royal Opera House in Mascat

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Staatsoper auf Reisen: OMAN-Royal Opera House Mascat

Ist das jetzt Etikettenschwindel oder nicht, wenn die Staatsoper im neuen Prunktempel Mascats, der Hauptstadt dieses traumhaft reichen Sultanats am indischen Ozean eine alte Inszenierung Jean Pierre Ponelles zeigt? Weiß das Quarus Ibn Said zu schätzen, dass er eine vier Jahrzehnte alte Regiearbeit vorgesetzt bekam, während wir eine brandneue Szenerie in Wien versteckt halten? Oder bezahlt der Sultan extra dafür, dass er das aktuelle Machwerk aus der französischen Provinz nicht sehen muss und stattdessen solides Regiehandwerk serviert bekommt, auch wenn diesem schon etwas Altväterliches anhaftet.

Egal, es lässt sich Ruhm und vor allem Geld im manchmal noch märchenhaften Orient verdienen, aber es lässt sich der schale Beigeschmack nicht vermeiden, dass das Wiener Publikum nicht einen kleinen Umweg dieser alten, aber noch immer sehenswerten Inszenierung über unsere Bühne wert gewesen wäre. Offenbar scheut man einen Vergleich zwischen einstigem Glanz und jetzigem optischem Elend, das auch vor der Staatsopernbühne nicht halt gemacht hat.

Die Staatsoper auf Reisen, einst (aus dem Archiv) und jetzt: 1947, noch mit der Eisenbahn über Paris nach London. 2013 Highlife in Mascat:

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Oben: Am Bahnhof in London: Von links erkennbar Höngen, Seefried, Welitsch, Schwarzkopf, Dr.Poell, ganz rechts Loose
Unten: Highlife in Mascat mit Adam Plachetka und Dryony Dwyer.

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Peter SKOREPA
MERKEROnline
Alle Bühnenfotos der Wiener Staatsoper: Michael Pöhn
Foto Domingo: LA Opera-Greg Gorman
Foto Oman/Mascat: Facebook Wr.Staatsoper
Foto London 1947: Festschrift „80 Jahre Wiener Oper“ 1949
Das Titelbild „WIENER STAATSOPER“ mit freundlicher

Genehmigung des Künstlers Karl Goldammer
Anregungen an skorepa@hotmail.de

Wien, 30.11.2013

 

 

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