Der Neue Merker

RACHMANINOV: Klavierkonzert Nr. 2, Études-tableaux Op. 33

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RACHMANINOV: Klavierkonzert Nr. 2, Études-tableaux Op. 33; NAXOS CD

BORIS GILTBURG bestätigt seinen Rang als tonangebender Pianist

Mit seiner ersten bei Naxos veröffentlichten Rachmaninov-CD („Études-tableaux Op. 33“ „Moments musicaux“ Opus 16) hat einer der Shooting Stars unter den Pianisten, Boris Giltburg, zu Recht einen großen Hit bei Publikum und Presse gelandet. Da war die Rede von gnadenloser Leichtigkeit, kontrolliertem Rausch, erfrischend imaginativem und sensiblem Spiel oder großer dynamischer Bandbreite bei steter rhythmischer Klarheit.

All das darf auch für die rein solistischen Stücke auf der neuen CD gelten, vor allem den Études tableaux Op. 33 (plus das „Liebesleid“ von Kreisler/Rachmaninoff und das „Lachtäubchen“ von Behr/Rachmaninoff:). Als Meister der inneren Dramaturgie versteht es Giltburg hier, auch winzige Details liebevoll zu formen, nach Rembrandtscher Chiaroscuro-Manier mit starker räumlicher Wirkung Phrasen kräftig zu modellieren oder den poetischen Subkontext mit rein pianistischer Raffinesse zu erzählen.

Nicht glücklich werde ich hingegen mit dem zweiten Klavierkonzert von Rachmaninov. Diesem dem russischen Neurologen Nikolai Dahl gewidmeten Schlachtross der russischen Klavierliteratur ist mit gesteigerter Romantik nicht beizukommen, sonst säuft es ab. Und schon gar nicht mit einem orchestralem Einheitsbrei samt mediokrer Aufnahmequalität. Weder das Royal Scottish National Orchestra noch sein Dirigent Carlos Miguel Preto entgehen der musikalischen Kuschelei und der klanglichen Weichspülung. Wie ein lauer Bach plätschern die Orchesterwellchen dahin, keine Spur von instrumentaler Charakterisierung oder strukturierter Binnenspannung ist zu vernehmen. Da tröstet es nur wenig, das Giltburg das Stück mit glasklarem Anschlag, und im dritten Satz mit stupender Technik und pianistischer Bravour meistert.

Veröffentlichung: 8.9.2017

Dr. Ingobert Waltenberger

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