Der Neue Merker

R. STRAUSS: Festliches Präludium / F. SCHMIDT: Symphonie Nr. 2

0760623200668

RICHARD STRAUSS: Festliches Präludium, FRANZ SCHMIDT: Symphonie Nr. 2

BEETHOVEN ORCHESTER BONN – MDG Live SA-CD

Frappierende Orchesterkultur für audiophile Klanggenießer

Tschingderassabum! Pomp und Gloria. Alles, was die Spätromantik an Arsenal für wogende Orchesterstürme, hymnische Fanfaren und glänzende Orgelpracht offeriert, hat Richard Strauss in seinem Festlichen Präludium Op. 61 zur Einweihung des Wiener Konzerthauses am 19. Oktober 1913 verarbeitet. Das monumentale Auftragswerk kann als eine Vorstufe zur kurz danach entstandenen Alpensymphonie betrachtet werden und wird all jene, die Strauss‘ Sinfonische Dichtungen schätzen, begeistern. In strahlendem C-Dur rauscht diese kühne Apotheose an Zuversicht und Elan in polyrhythmischen Steigerungen dem finalen Höhepunkt zu. Wie recht hat Heidi Rogge in ihrem Aufsatz, wenn sie schreibt, dass sich „gegen Schluss die verschiedenen Instrumentalgruppen wie klangliche Sturzbäche übereinander wälzen.“ Die neue CD der Musikproduktion Dabringhaus und Grimm bietet zudem höchstes klangliches Niveau auch für anspruchsvollste Hörer und deren High End Anlagen, was in Anbetracht der Live-Aufnahme-Konditionen an ein Wunder grenzt. Das Klangkonzept von MDG hat die unverfälschte Wiedergabe mit genauer Tiefenstaffelung, originaler Dynamik und natürliche Klangfarben zum Ziel.

Die daraus resultierende Natürlichkeit und Lebendigkeit der Einspielung kommt auch der zweiten Symphonie von Franz Schmidt zugute, die einen Ehrenplatz auf den Spielplänen zumindest der Wiener Philharmoniker verdient hätte. Schmidt, der sich lange seinen Lebensunterhalt als Cellist eben dieses Orchesters und des Orchesters der Wiener Hofoper verdiente, war ein typischer Spätromantiker Wiener Provenienz. Seine zweite Symphonie, zwischen 1911 und 1913 geschrieben und dem Hofopernkapellmeister Franz Schalk gewidmet, ist trotz Riesenbesetzung im Orchester ein fein abgestimmtes Werk an neoklassizistisch barock inspirierten Leitideen,  klug gearbeiteten Steigerungen, tanzesfrohen Variationen slawischen, ungarischen, italienischen, polnischen und deutschen Ursprungs sowie gekonnter kontrapunktischer Durchführung im Finalsatz.

Das Beethoven Orchester Bonn unter der animierten Leitung des Schweizer Dirigenten Stefan Blunier wartet mit einem gloriosen Sound, dem nötigen „dionysischen Schwung“ und viel ungetrübter Freude für alle Freunde solcher spätromantischer Raritäten auf. Auch als Test-CD für Hi-Fi und Klangfreaks bestens geeignet.

Dr. Ingobert Waltenberger

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