Der Neue Merker

PLOVDIV-Festival: LA FORZA DEL DESTINO

PLOVDIV FESTIVAL – 29.8.2017 – „LA FORZA DEL DESTINO“

 Forza1_mirrel
Copyright: Festival Plovdiv

Die Macht des Schicksals wurde an diesem Abend herausgefordert, denn die Vorstellung war genau für den einzigen Abend der Woche angesetzt, für den Regen prognostiziert war. Aber es war zwar kühl, aber trocken. Dem drohenden Schlechtwetter fiel nur die Alvaro-Arie zum Opfer.

Vor ca. 25 Jahren  gründete Maestro Borislav Ivanov im imposanten Amphitheater der zweitgrößten Stadt Bulgariens ein Verdi Festival, dessen Direktor er 20 Jahre lang war.  Nun ist es neu übernommen und wird um andere Opern und musikalische Aktivitäten erweitert. Ballett, Musical und auch Kammermusikalisches wird aufgeführt. Die große Oper, und hier vor allem Verdi, bleibt aber das Hauptthema.

Die Szenerie inklusive Regie ist aus dem Teatro Reggio di Parma übernommen. Die Regie von Stefano Poda setzt auf Schwarz-Weiß, mit einer einzigen Ausnahme: Preziosilla trägt einen schweren roten Pelz und wirkt in diesem Konzept nahezu diabolisch.  Der Chor und die Komparserie ist mit Zeitlupenbewegungen mehr als gefordert, der Prozessionszug und auch andere Bilder wirken durch die Masken der Beteiligten wie ein Totentanz.

Das große, sehr schön und exakt spielende Orchester unter Dian Chobanov verdient einen Extralob, auch der Chor geleitet von Dragomir Yosifov sang stark und konzentriert, trotz der enormen Forderungen seitens der Regie.

Als Leonora di Vargas konnte Tanya Ivanova voll überzeugen. Ihre Stimme trägt mühelos und ohne jeglichen Druck in allen Lagen. Herrlich die zarten Piani, die sie sogar am Rücken liegend zu singen hat – für eine Sängerin eine starke Herausforderung, Regisseure sind halt selten sängerisch ausgebildet. Darstellerisch konnte sie gut die Regieanweisungen nachvollziehen. Ihr geliebter Alvaro ist Daniel Damyanov, der zu sehr auf Forte setzt.

Hervorragend die Preziosilla von Violetta Radomirska. Eine schöne satte Mezzostimme, die in allen Lagen bruchlos klingt. Sie spielt  den Teufel der Krieges und des Todes absolut überzeugend. Don Carlo de Vargas ist bei  Venceslav Anastassov in bester Kehle. Eine wunderbare Phrasierung und auch große Italianita ist hörbar. In den drei Duetten mit Alvaro bleibt er allerdings damit sehr einsam.  Eine Entdeckung ist die Stimme von Alexander Nossikov als Padre Guardiano, eine schöne weiche Stimme, ein echter Basso cantabile.  Die Klosterszene mit Leonora war ein Höhepunkt dieser Produktion.

Sehr einprägsam und skurril der Fra Melitone des Mihail Puliev. Schade, dass die Szene  der  Klostersuppe und auch das Duett mit Guardiano aus zeitlichen Gründen gestrichen werden musste.

Als engstirnigen Marchese di Calatrava konnte man Evgeni Arabadjiev kennen lernen.

Nicht genannt waren Curra, Alcalde, Wirt, Trabuco und Chirurgus, die alle ihre kleinen Rollen sehr gut sangen, speziell die Sängerin der Curra fiel mit schöner Stimme auf. Sie alle kommen aus dm Chor.

In diesem Jahr wurde einiges an Musiktheater geboten: Eine Aida mit Nadia Krasteva als Amneris und Kamen Chanev als Radames in einer sehr traditionellen schönen Inszenierung unter der Leitung von Luciano di Martino, eine Turandot mit Lila Lee aus Sudkorea, Kamen Chanev war Kalaf, als Liu horte man Evgenia Ralcheva und Timur war Apostol Milenkov. Der Dirigent war Dian Tchobanov.  Auch Traviata wurde in der Regie von Nina Naidenova, (die Intendantin des Unternehmens) mit Ivan Momirov und Marchin Bronikovski unter Ivan Anguelov aufgeführt.

Dazu kamen als Ballette Don Quichotte als Gastspiel des Theaters von Skopie und eine eigene Produktion (in Kooperation mit dem Ensemble Arabesk aus Sofia ) von Romeo und Julia.  Das Musical Chicago war zudem immer knallvoll.

„Orpheus und Paganini“ war eine Idee von Mario Hossen,  einem Geiger aus Plovdiv der in Wien studierte und Spezialist für die Interpretationen von Paganini ist. Da Orfeo hier in Plovdiv gewirkt haben soll, ergab das eine sehr reizvolle Kombination diese Stars ihrer Zeit. Ein sehr schönes Programm mit Musik von Christoph Willibald Gluck, Johann Sebastian Bach Claudio Monteverdi, Niccolo Paganini und Jacques Offenbach sowie Modernes von Gheorghi Arnaqudov und Eric Satie. Nicole Brandolino sang Arien aus diesen diversen Opern der genannten Komponisten. Es spielte das Quartetto di Arena di Verona. 

Am 14. 9. findet ein großes Galakonzert zu Ehren des Festivalgründers Bosislav Ivanov unter dessen Leitung statt.  Mit dabei ist der in Wien lebende Tenor Kamen Chanev.

Elena Habermann

 

Diese Seite drucken