Der Neue Merker

PETER MATIC: Ich sag’s halt

BuchCover   Matic, Peter   Erinnerungen

PETER MATIC: 
Ich sag’s halt
Erinnerungen
Aufgezeichnet von Norbert Mayer
224 Seiten,
Amalthea Verlag, 2016  

Seit über 20 Jahren gehört er wieder den Wienern, und das auf breitester Ebene: Peter Matic spielt im Burgtheater und als Gast in der Josefstadt, er ist in der Staatsoper und immer wieder in der Volksoper zu sehen und im Sommer regelmäßig in Reichenau. Der in Salzburg aufgewachsene Wiener, der  nächstes Jahr unglaubliche 80 wird, hat Wien nach Anfängen in der Josefstadt in Richtung Schweiz und dann Deutschland verlassen. Jetzt ist er wieder da, ein Liebling des Publikums, und da man über diese ja immer „alles“ wissen will, legt auch Peter Matic seine Erinnerungen vor: „Ich sag’s halt“, meint er, und Norbert Mayer hat es aufgeschrieben.

Es ist die Geschichte eines jungen Mannes aus guter Familie, wo man noch sehr den Kopf schüttelte, wenn der Nachwuchs den Wunsch verkündete, Schauspieler zu werden. Aber wenn die Theaterleidenschaft schon in der Volksschule zuschlägt… Dann geht man nach der Matura nach Wien und lässt sich nicht vom Weg abbringen, auch wenn man bei der Aufnahmsprüfung im Reinhardt-Seminar durchfällt: Es gibt ja noch die auch recht bekannte Schauspielschule Krauss. Und die große Dorothea Neff. Und dann das Glück, als Anfänger an die legendäre „Josefstadt“ zu kommen.

Matic, glücklich verheiratet, Vater von Paul (inzwischen längst selbst Schauspieler) und Margarethe (die zur Welt kam, als Papa auf der Bühne stand), riskierte – im Fahrwasser von Regisseur Hans Hollmann, der besonders viel von ihm hielt – den Ortswechsel: zuerst Basel, dann München, schließlich Berlin. Große Rollen, viele Erfolge – allein der Fototeil des Buches zeigt die Spannweite von Komik und Tragik, Tiefe und Groteske. Gerade ein optisch so extremer Typ wie Matic konnte dann letztendlich alles spielen, ob Schnitzler, ob Musical, ob Tartuffe, ob in Frauenkleidern. Oder, als Wiener in Berlin, Raimunds Alpenkönig. Oder „Die Zofen“ von Genet, mit Männern besetzt (Partner: Helmut Griem und Thomas Holtzmann). Matic betrachtet seine 15 Berliner Jahre als Höhepunkt seiner Karriere. Welch Glück für das Wiener Publikum, als das Burgtheater ihn nach der Sperrung des Schiller-Theaters „auffing“. Seither ist er wieder zuhause.

Matic hat in den Fluß seiner Erinnerungen „Zwischenspiele“ eingewoben – über die ihm so wichtige Musik, dann zum Thema Film und Fernsehen, dann über die „Stimme“ (als Synchronsprecher, als Sprecher überhaupt ist er legendär) und schließlich „Regie“, wo er vergleichsweise am wenigsten erfolgreich war. Vieles ist ihm gelungen, wenn auch nicht alles: Einen richtig fiesen Charakter, überlegt Matic, habe er nie gespielt…

Der Wunsch nach Harmonie, der aus diesem Peter Matic eine so besondere Persönlichkeit macht (er nennt es bescheiden ein „geradezu krankhaftes Harmoniebedürfnis“), ist das ganze Buch hindurch zu spüren. Dennoch weiß er natürlich, wie sehr sich die Welt, aus der er kommt, verändert hat. Er spielt am Anfang und am Ende seines Buches darauf an. Zuerst, wenn er sich selbst als dodeliger Kaiser Franz Joseph in der Burgtheateraufführung der „Letzten Tage der Menschheit“ sieht und sich fragt, was seine Vorfahren, die des Kaisers Rock mit Stolz getragen haben, wohl dazu sagen würden. Und am Ende, wenn er sich selbst sehr wohl in der „Anatol“-Aufführung der Josefstadt wahrnimmt – auch hier im Gedanken an die Schauspieler-Kollegen von einst, „als ob ich die Geister riefe der Schnitzler-Interpreten, als ich in den 1960er Jahren noch ein junger, hoffnungsvoller Schauspieler am Theater in der Josefstadt war und diese Vorbilder neben mir auf der Bühne bewunderte.“

Aber wer dabei bleiben will, muss mit der Zeit gehen. Peter Matic hat es getan, und darum ist er noch immer da. Unverkennbar, unverzichtbar, eine Wiener Kostbarkeit.

Renate Wagner

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