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PARIS / Philharmonie de Paris: „CHAGALL — Le triomphe de la musique“

PARIS / Philharmonie de Paris: »Chagall — Le triomphe de la musique«

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»Chagall  Le triomphe de la musique«

La Philharmonie de Paris, Paris

  1. Oktober 2015 –31. Januar 2016

La Philharmonie de Paris widmet Marc Chagalls musikdramatischem Schaffen noch bis 31. Januar 2016 eine große Ausstellung. Der Künstler, manchen vielleicht nur durch sein großes, 1964 für das Palais Garnier geschaffenes Deckengemälde oder sein großes Diptychon für die Metropolitan Opera in New York (1966) bekannt, war ja — aufmerksame MERKEROnline-Leser wissen das bereits aus Peter Skorepas Reflexion anläßlich der 60. Wiederkehr der Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper — kurze Zeit auch für die Ausstattung einer der Eröffnungsopern in Wien im Gespräch.

Die Pariser Ausstellung empfängt den Besucher mit einem in Dunkelblau getünchten, quadratischen Raum, an dessen Decke sich eine Reproduktion des (übrigens nur an einer Rahmenkonstruktion befestigten) Chagallschen Deckengemäldes für das Palais Garnier befindet. An den Seitenwänden gibt es Schwarzweiß- und farbige Entwürfe zu diesem Gemälde zu betrachten. 

Marc Chagall mußte übrigens zwei Entwürfe ausarbeiten, die dem Präsidenten Charles de Gaulle zur Entscheidung vorgelegt wurden. Bis heute trägt Frankreichs Politik ja Züge einer Monarchie, welche sich als Demokratie verkleidet…

Der Höhepunkt der Ausstellung ist für viele der Drohnenflug, mit welchem man das Deckengemälde des Palais Garnier in einer rund 20 Minuten dauernden Endlosschleife aus nächster Nähe bereisen kann: Ob Rameau oder Debussy, Adam, Ravel und Strawinski oder im inneren Ring über dem großen Leuchter Bizet, Gluck und Verdi — immer machen sehr gut ausgewählte musikalische Ausschnitte aus den dargestellten oder damit zu assoziierenden Werken das zu Sehende unmittelbar erlebbar. Der Eindruck ist so stark, daß sich Acht-, Zehnjährige einfach auf den Boden setzen und, Raum und Zeit vergessend, gebannt die Kamerafahrt verfolgen.

Ein weiterer Raum ist dem für die Metropolitan Opera in New York entstandenen Diptychon und dem Bild Commedia dell’arte, 1958 für das Opernhaus in Frankfurt am Main entstanden, gewidmet. Vom Diptychon gibt es die Entwürfe zu bewundern und man erfährt, daß die beiden Gemälde in New York bei der Aufhängung prompt vertauscht wurden…

Dass Österreich 1955 für eine Theaterarbeit Marc Chagalls nicht bereit war, wird dem Pariser Ausstellungsbesucher spätestens im nächsten Raum klar. Dieser bietet eine Auswahl der für die Neuproduktion von Mozarts Die Zauberflöte am 19. Februar 1967 an der Metropolitan Opera geschaffenen Kostüme und Bühnenbildentwürfe (Dirigent: Josef Krips, Regie: Günter Rennert, u.a. mit Pilar Lorengar, Lucia Popp, Nicolai Gedda, Hermann Prey und Jérôme Hines): So phantastische Kostüme und Bühnenbilder, auf welchen selbstverständlich auch die obligate Ziege und die Violinen nicht fehlen durften, hätten in Wien zwölf Jahre früher einen Orkan im Blätterwald ausgelöst. Der Künstler arbeitete übrigens drei Jahre an diesem Projekt.

Weitere Räume bringen dem Besucher Chagalls Ballettausstattungen näher: Daphnis et Chloé (Paris, 1959), L’Oiseau de feu (1945 für das New York City Ballet entstanden) und Aleko (Mexico, 1942). Wunderschöne Ballettkostüme kann man hier sehen, alle Einzelstücke, alle handbemalt, und alle bei besten Lichtverhältnissen aus nächster Nähe zu bewundern, weil nicht hinter Glas versteckt

Der Rundgang endet mit einer Auswahl von Arbeiten aus der Zeit des Théâtre d’art juif de Moscou (1919). Als die vier Paneele (La Musique, Le Théâtre, La Danse und La Littérature) in der Stalin-Ära, weil nicht der gewünschten politischen Richtung entsprechend, abgehängt werden mußten, fanden sich Gottseidank kunstsinnige Menschen, die sie kurzerhand mit falschen Angaben versahen und so in einem Depot vor der Zerstörung zu bewahren wußten

Wenn man dann nach knapp zwei Stunden vor dem Ausgang steht (und da hat man noch längst nicht alle 270 Objekte, darunter auch Skulpturen, entsprechend gewürdigt), beschleicht einen die Versuchung, noch einmal zum Deckengemälde der Opéra zurückzukehren.

Bis 31. Januar 2016 sollte ein Besuch dieser Ausstellung Pflichttermin bei Reisen in die französische Hauptstadt sein. An Les Nymphéas oder der Mona Lisa kann man sich schließlich beim übernächsten Paris-Besuch auch noch erfreuen.

La Philharmonie de Paris
221 avenue Jean-Jaurès
75019 Paris

www.philharmoniedeparis.fr

Dauer: 13. Oktober 2015 – 31. Januar 2016

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag: 12 – 18 Uhr, Samstag und Sonntag: 10 – 18 Uhr

Eintritt: EUR 10.–

Thomas Prochazka
MERKEROnline

  1. November 2015

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