Der Neue Merker

PÄRNU/ Estland: KONZERT DES PÄRNU-STADTORCHESTERS (Mahler, Mendelssohn, Glieré, Mozart). Sasha Mäkilä, Pelageya Kurennaya

Pärnu / Estland – Konzert des Pärnu Stadtorchesters, 29.9.2017

Der junge finnische Dirigent SASHA MÄKILÄ war kürzlich zum Principal Guest Conductor des Sinfonie-Orchesters im sibirischen Krasnoyarsk ernannt worden. In Pärnu ist er ein gern gesehener Gast, nicht nur durch seine gut besuchten Meisterklassen, sondern auch durch seine Dirigate mit dem Stadtorchester dieser estnischen Sommermetropole, die sich aber in diesen Herbsttagen ziemlich von Touristen verlassen ausnahm. Sasha Mäkilä war nach seiner Ausbildung in St. Petersburg Assistent von Kurt Masur in Paris und Franz Welser-Möst in Cleveland gewesen, und seine Programmauswahl dieses Eröffnungskonzert der Saison 2017/18 erinnerte an seinen deutschen Lehrmeister: zu Beginn das berühmte Adagietto aus Mahlers 5. Sinfonie sowie nach der Pause Mendelssohn-Bartholdys Schottische Sinfonie.

Meinen Gesamteindruck seines Dirigats könnte ich unter „sehr gut ausbalanciert“ zusammenfassen, sowohl in der Wahl der Tempi als auch in der Klangbalance, was bei einem Orchester mit nur 6 1. Geigen nicht gerade einfach ist. Der Mahler hielt genau die Mitte zwischen Gefühl und „Gefühligkeit“, und auch in der Sinfonie traf Mäkilä genau den Ton dieses Werks, melancholisch in der Introduktion des 1. Satzes, aufbrausend in den stürmischen Passagen, im Scherzo mit schnellem Pulsschlag, elegisch im langsamen Satz und im Schlusssatz langsamer als in vielen Interpretationen, so dass dieser ein besonderes Gewicht erhielt. Für das gute Pärnu Stadtorchester war es ein leichtes, seiner genauen Zeichengebung zu folgen und seine Vorstellungen umzusetzen. Nach diesem Konzert wurde mir verständlich, warum Valery Gergiev Sasha Mäkilä zu bisher zwei Konzerten mit seinem Mariinsky-Orchester eingeladen hatte; es bleibt aber schleierhaft, warum er in seinem Heimatland keine seiner Qualität adäquaten Einladungen erhält.

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Dirigent Sasha Mäkilä mit der Solistin dieses Konzerts, der Sopranistin Pelageya Kurennaya (Foto: Archiv Sune Manninen)

Für dieses Konzert war die russische Sopranistin PELAGEYA KURENNAYA gewonnen worden, die mit demselben Programm vor zwei Wochen im finnischen Kuopio aufgetreten war. Waren damals beim ersten Stück, Glières Konzert für Koloratursopran und Orchester, noch leichte Einschränkungen angebracht gewesen, weil es ihr (indispositionsbedingt?) noch nicht in der Kehle gelegen hatte, so waren diese Einwände in Pärnu (fast) wie weggewischt. In der Tat wird dieses Konzert vornehmlich von reinen Koloratursopranen gesungen, die im mit Verzierungen und Staccati gespickten zweiten Satz brillieren, während Pelageya Kurennayas Qualitäten als vom Fach her „Lyrischer Sopran mit Koloratur“ sich naturgemäß am besten im 1. Satz entfalten können. Doch kam im ganzen Stück vorteilhaft zur Geltung, dass sie ihre Stimme im Vergleich zu Kuopio viel leichter führte.

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Pelageya Kurennaya (Foto: Archiv Sune Manninen)

Nach einer (zu) kurzen Pause folgte dann Mozart Konzertarie „Bella mia fiamma“, ideal geeignet, um die Vorzüge ihrer attraktiv timbrierten Stimme ins rechte Licht zu rücken. Ohne jeden Zweifel ist sie mehr ein lyrischer denn ein Koloratursopran, und es würde jedem Opernhaus zur Ehre gereichen, sie mit Mozart-Partien wie Susanna, Ilia, Pamina, aber auch Zerlina und Despina zu verpflichten. Ihre Interpretation dieser Konzertarie hatte (fast) alles: ein in allen Registern technisch perfekt verblendetes außergewöhnlich reizvolles Material von großer Ausdrucksstärke. Eine etwas längere Pause zwischen dem Glière mit seinen hohen Anforderungen und der auch nicht gerade leicht zu bewältigenden Mozart-Konzertarie hätte wahrscheinlich dazu geführt, dass Pelageya Kurennaya im dramatischen Schluss nicht mit leichten Konditionsschwierigkeiten zu kämpfen gehabt hätte. Trotz dieser leichten Einschränkungen war dieses Konzert wieder einmal ein Beweis für ihr großes Talent.

Sune Manninen

 

 

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