OTTO SCHENK: Ich kann’s nicht lassen

by R.Wagner | 16. November 2016 16:38

BuchCover   Schenk,  Ich kanns nicht lassen

OTTO SCHENK: 
Ich kann’s nicht lassen
Rührendes und Gerührtes
256 Seiten,
Amalthea Verlag, 2016 

Wahrscheinlich wissen nicht einmal seine leidenschaftlichsten Leser, wie viele Bücher Otto Schenk in den letzten Jahren geschrieben hat. Sagen wir, dass es wieder eines gibt, denn „Ich kann’s nicht lassen“, lautet der Titel, er muss erzählen. Diesmal „Rührendes und Gerührtes“, wobei er in zahlreichen Kleinstkapiteln über alles bunt durcheinander schreibt. In seiner Überlegung über jüdische Begriffe kommt auch das „Gewure“ vor. So ungefähr kann man durch den Inhalt des Buches Slalom fahren.

Zu Beginn gewinnt man ja noch den fälschlichen Eindruck einer Chronologie, Kindheits- und Jugenderinnerungen, dann ein Sprung zu Renée, der bis zum heutigen Tag heiß geliebten Gattin und Gefährtin, dann geht es kunterbunt durcheinander – Essen, Musik (Barockopern mag er eigentlich nicht), das Inszenieren (später erfährt man im Detail, wie er Christine Ostermayer und Klaus Maria Brandauer, die einander gar nicht sexy fanden, dazu brachte, ein unvergessliches Liebespaar zu spielen), das Publikum.

Ein Schwenker zu Kant, den zu lesen ihm schwerer gefallen ist als Schopenhauer (zu lesen). Astronomie, Buddhismus, Jüdische Begriffe (siehe Gewure), Witze, Zoten, Stilblüten, Pointen.

Über die Kammerspiele kommt er zu Helmuth Lohner, und die Erinnerung an diesen Lebensmenschen ist wohl das Zentrum des Buchs und sein schönster Teil. Man begreift da eine leidenschaftliche, immer schwankende Beziehung auf Augenhöhe zwischen zwei Künstlern, die ihresgleichen kaum hatten.

Dann macht Schenk sich noch ein wenig über die Gegenwart lustig, die Tücken der Technik, die Seltsamkeiten des „Tatorts“ und dergleichen, seine Altersgenossen, die sicher auch seine treusten Leser sind, werden ihm gerne beistimmen. „Ich bin kein Schenk-Fan“, bekennt er irgendwann. Kein Problem, solange es genügend von ihnen gibt, seine Bücher lesen zu wollen!

Übrigens: Ein besonders schöner Teil des Buches sind die häufig eingefügten Viererseiten von Bildern – meist Schenk selbst, in allen Lebensaltern und Rollen, auch Szenen aus seinen Regiearbeiten, was zusammen mit dem Register seiner Theaterrollen und Inszenierungen am Ende dann auch ein sachliches Schenk-Kompendium zum Nachschlagen und zum Erinnern bietet, das kostbar ist.

Renate Wagner

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