Oper Graz HOTEL ELEFANT Eine Opern-Collage zur Salome-Uraufführung in Graz

by PSkorepa | 19. Mai 2017 02:37

PhotoWerK_OG_HotelElefant_HiRes_098-1-440x300 b

OPER GRAZ im Hotel Wiesler
HOTEL ELEFANT Eine Collage
Première 15.05.2017 und 19.5.2017

Der dritte Opernkurzgenuß dieser Saison

Betritt man das romantisch am Murufer, gleich gegenüber der Altstadt in unmittelbarer Nähe gelegene, Hotel Wiesler, verlässt man es eigentlich gleich wieder um in das Hotel Elefant einzutreten. Ganz bequem darf man an kleinen Tischen an der Wand des länglichen Raumes Platz nehmen und sofort sticht einem die Liebe zum Detail ins Auge: Neben den Programmheften findet man Bierdeckel und Untersetzer mit dem Logo des Hotel Elefant und an der Bar kann ein hinreißender Cocktail namens Blue Elefant bestellt werden. Auch der Veranstaltungsort im Frühstückssaal des Hotel Wieslers ist laut Programmheft mit Bedacht gewählt, da dort das prächtiges Mosaik „Der Frühling oder Die Geburt der Venus“ von Leopold Forstner, der gemeinsam mit Klimt den Beethovenfries in Wien geschaffen hat, zu bewundern ist.

Das Konzept der an diesem Abend regieführenden Dramaturgin Marlene Hahn und des Studienleiters Günter Fruhmann, samt Raum und Kostümen von Silke Fischer dreht sich rund um den Abend der österreichischen Erstaufführung der Salome 1906, zu welcher die Crème de la Crème der Musikwelt in die (damals!) etwas verschlafene Provinzstadt Graz reiste um eben jener beizuwohnen.

Richard Strauss, Alma und Gustav Mahler, Alexander Zemlinsky, Arnold Schönberg, Alban Berg und Giacomo Puccini nächtigten allesamt in dem am heutigen Südtirolerplatz gelegenen Hotel Elefant, an dessen Stelle heutzutage das ÖGB-Haus zu finden ist.

PhotoWerK_OG_HotelElefant_HiRes_035-1-440x300 c

Man entschied sich, aus einem bunten Potpourri aus Lieder und Arien der im Hotel abgestiegenen Künstler einen Rahmen für den energiegeladenen Kurzgenuss zu basteln: Von Puccinis Sole e amore über das Terzett Hab mir’s gelobt aus Der Rosenkavalier und Wie schön ist die Prinzessin Salome heute Nacht bis zu Alma von Tom Lehrer wurde ein weiter Bogen gespannt und so hatte fast jeder der zehn, sichtlich sehr viel Spaß habenden Sängerinnen und Sänger seinen Soloauftritt. Hervorzuheben ist auch die Auswahl der Stücke, denn neben einigen Hits wurden selten gehörte Kleinodien ausgegraben.

In den Abend führte ein kurzer „Dokumentarfilm“ ein, in welchem der Direktor der Grazer Oper, berühmte Sänger, Bewohner der Stadt Graz, Priester und Angestellte des Hotel Elefant interviewt wurden und darüber sprachen, was es bedeutet, dass Salome in Graz ihre Erstaufführung hat und nicht in Wien. Dies war ein sehr unterhaltsamer Einstieg, denn erstens war es sehr komisch, sozusagen die Meinungen der „Zeitzeugen“ zu hören mit ihrer Begeisterung oder Abscheu für das Werk sowie Freudschen Analyseversuchen und zweites konnte man viele bekannte Gesichter erkennen, wie uA Dschamilja Kaiser, Sophia Brommer und den Bürgermeister der Stadt Graz Siegfried Nagl.

PhotoWerK_OG_HotelElefant_HiRes_021-1-440x300 Komponisten

Der Film endet, die Türe am Ende des Raumes öffnet sich, die Komponisten, schwarz gewandet, weiß beschalt, von dichtem Nebel umhüllt, treten begleitet von Eye of the tiger von Survivor (besser bekannt auch als Filmmusik für Rocky III mit Sylvester Stallone) auf. Anfangs stellt sich jeder Komponist mit einer Kurzbiografie vor, aber bei dieser Rollenaufteilung bleibt es nicht: Die Parts werden fließend unter den Sängern aufgeteilt und so wird jede Persönlichkeit mal von diesem Sänger, mal von jenem Sänger dargestellt. Auf dem Papier (wohleher Bildschirm) hört sich das sicher seltsam und verwirrend an, aber es hat funktioniert! Durch die Verwendung von Originalzitaten aus Briefen und anderer Schriftstücke der Komponisten weiß man immer, wer wer ist und das Stück hat eben auch kein starres Konzept, daher wird dadurch eine Schnelligkeit und Leichtigkeit auf die Bühne gebracht, welche das Stück so lebendig werden lässt.

Auch gibt es gleich vier Almas, die unter den Künstlern ein Gefühlschaos, rangierend von Hass, Verehrung, Liebe bis hin zur Enttäuschung, auslösen: Eine der Almas ist sozusagen die Hauptfigur, während die anderen drei bestimmte Facetten ihres Geistes personifizieren – davon gibt es eine feminine, eine depressive und eine emanzipierte.

Die junge Sopranistin Sonja Sarić stellt die historische Alma dar und singt ein Puccini- und ein Berg-Lied. Es ist eine Freude gewesen, sie ganze Lieder singen zu hören, da sie bisher eher kleinere Rollen an der Grazer Oper innehatte. Nächste Saison kommt eine Gräfin für sie, darauf darf man freudig gespannt sein! Ihr Sopran ist so weich und mühelos in den Höhen und die Farbe ihrer Stimme hat etwas ganz eigenes, was sie zu etwas besonderem macht.       

Yuan Zhang betörte mit ihrem vollen Mezzosopran in Alma Mahlers Laue Sommernacht. Tetiana Miyus sang aus Zemlinskys Der Zwerg: Ghita, er weiß von nichts, wobei es besonders schön war, sie jetzt in diesem intimen Rahmen mit dieser Arie nur mit Klavierbegleitung zu erleben.

Natalya Ryabova strahlte vor Allem mit dem Lied Blaues Sternlein ebenso von Zemlinsky mit den glitzernden Diskokugeln um die Wette.

Bariton Dariusz Perczak begeisterte mit Ich hab ein glühend Messer aus Lieder eines fahrenden Gesellen von Mahler, der übrigens unter Anderem köstlich von János Mischuretz dargestellt wurde, mit Wilfried Zelinkas Darbietung des Liedes Entbietung von Zemlinsky konnte man nur seine helle Freude haben. Neven Crnić, ab nächster Saison dem Opernstudio angehörend, sang Lieben, Hassen, Hoffen, Zagen aus Ariadne auf Naxos, was er mit schauspielerischem Talent und schmissig darbot. Auch Oscar Wilde (nicht nur für Salome, sondern auch für den Stoff von Zemlinskys Der Zwerg verantwortlich), gespielt von Florian Kutej, hatte seinen Auftritt und sorgte für Lacher. Lustig war, dass er in voller Montur samt Fellmantel und Reiterstiefeln im Publikum saß, aber bis zu seinem Auftritt nicht weiters auffiel.

Besonders witzig war Wie schön ist die Prinzessin Salome heute Nacht, gesungen von Yuan Zhang, Martin Fournier, Dariusz Perczak, Martin Simonovski und Wilfried Zelinka: Hier bekam man keine authentische, partiturgetreue Vorstellung, sondern das Gefühl, als kämen Opernbegeisterte nach einer Vorstellung nach Hause und singen spontan das eben Gehörte nach.

Am Klavier der lettische Pianist Maris Skuja, der seit der Saison 1996/97 an der Oper Graz als Korrepetitor sowie in der Studienleitung und im Opernstudios tätig ist. Sein Spiel fügte dem ganzen Abend noch eine eigene spezielle Energie hinzu.

 Der Abend lebt unter Anderem auch durch flotte Dialoge und rapid gesprochenes Deutsch und daher muss man sich vor Allem vor den nicht-deutsch-muttersprachlichen Darstellern verneigen, die trotz hoher Sprechgeschwindigkeit gut verständlich die Schlagabtäusche zwischen den Künstlerpersönlichkeiten ausdrücken konnten.

 Wieder ein außergewöhnlicher Abend in der Reihe Kurzgenuss der Oper Graz, inklusive Bauchmuskelkater vom vielen Lachen und leichtem Kopfweh vom Blue Elephant. Schade, dass es nur mehr 3 Folgevorstellungen gibt. Im Juni folgt dann die für diese Saison letzte Produktion aus dieser Reihe: Das Telefon findet dann auf der berühmten Murinsel statt und kommende Saison geht es weiter mit Oper an ungewöhnlichen Orten.

Konstanze Kaas
OnlineMerker
Alle Fotos: Copyright Werner Kmetitsch

Source URL: http://der-neue-merker.eu/oper-graz-hotel-elephant-eine-collage-zur-salome-urauffuehrung-in-graz