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OPER GRAZ Giuseppe Verdi ILTROVATORE 5.10.2017 Zweite, umbesetzte Vorstellung

OPER GRAZ
Giuseppe Verdi  IL TROVATORE
Zweite Aufführung mit Umbesetzungen
5.Oktober 2017


Sonja Šarić: 
Von der Inez zur Troubadour-Leonore


Besonders spannend wird es an einem Opernhaus immer dann, wenn schnelle Lösungen für plötzlich auftauchende Probleme gefunden werden müssen. Umbesetzungen in letzter Minute, eingeschobene Proben: Da stehen gewiss dem ein oder anderen Schweißperlen auf der Stirn. Erst kurzfristig wurde klar, dass Lana Kos, die Premierenbesetzung für die Neuinszenierung von Il Trovatore unter der Regie von Ben Baur, die Vorstellung am Folgetag aufgrund einer Erkrankung nicht singen könne.

Sonja Šarić nach ihrem Erfolg auf der Grazer Opernbühne

Sonja Šarić nach ihrem Erfolg auf der Grazer Opernbühne

Doch für den Ersatz musste man nicht in die Ferne schweifen, denn man konnte der jungen (erst 27-jährigen!) Sopranistin Sonja Šarić die Chance geben, in der Rolle der Leonora zu debütieren. Šarić  hatte den Studienauftrag für die Rolle der Leonora, was bedeutet, dass sie die Rolle zu Übungs- und Ausbildungszwecken ebenfalls einstudiert und erarbeitet hat. So kann man jungen Sängern am Anfang ihrer Karriere die Gelegenheit geben, ihr Repertoire auszubauen und so viel wie möglich kennen zu lernen. Für die Rolle der Inez, die Šarić in der Premiere verkörperte, sprang der Neuzugang im Opernstudio der Oper Graz, die Mezzosopranistin Andrea Purtić, ein und konnte nicht nur ihr Debüt in dieser Rolle sondern auch ihren Einstand auf der Bühne des Grazer Opernhauses feiern.

Und was für einen Abend man erleben durfte! Publikumsliebling Wilfried Zelinka in der Rolle als intriganter Fädenzieher und Erzähler Ferrando schwang sich sowohl sängerisch als auch schauspielerisch zu neuen Höhenflügen auf und begeisterte mit seinem satten tiefen Bariton. Bewundernswert ist außerdem, wie er es schafft während einer Hebefigur mit einer Tänzerin noch immer perfekt zu singen.

Rodion Pogossov war ebenso wie in der Premiere ein harter Conte di Luna mit einem weichen Kern. Wie die innere Unruhe und Unsicherheit des Grafen porträtiert, als dieser vor Eifersucht nicht mehr klar denken kann, über die Arie Il balen del suo sorriso, wo er weich und liebestrunken singt. Besonders interessant auch die Deutung des Charakters Conte di Luna in der Regie Ben Baurs: Luna bemerkt den Verrat Leonoras und bevor diese durch das Gift stirbt, schneidet er ihr die Kehle durch. Dies unterstreicht den Kontrollwahn des Grafen: Leonora darf nicht über ihren Tod bestimmen, nein, das letzte Wort hat immer noch er.

Der italienische Tenor Stefano Secco blühte, sichtlich inspiriert durch die Energie des Abends, auf und brachte einige Herzen im Publikum bei Ah! Sì, ben mio, coll’essere zum Schmelzen, was auch durch den Einsatz von Glitzerstaub unterstützt wird, den er durch seine Hände während der Arie gleiten lässt. Seine Höhen sind brillant, manchmal etwas zu schneidend, seine Heimat jedoch liegt in den lyrischen Passagen in der Mittellage, begeisterte aber auch mit einer schmissigen Stretta.

Azucena Nora Sourouzian war stimmlich leider etwas angeschlagen. Im zweiten Akt merkte man ihre Zurückhaltung, da sie versuchen musste ihre Energien für diese kräftezehrende Rolle zu sparen. Im letzten Akt wurde es dann merklich schwieriger für sie durchzuhalten. Aber: Eine Erkältung geht wieder vorbei und was man am letzten Samstag in der Premiere von ihr hören und sehen durfte war schlicht und ergreifend außergewöhnlich bewegend.

Nun zu der Einspringerin Sonja Šarić: Sie ist eine Erscheinung, sobald sie die Bühne betritt. Ihre Stimme hat Persönlichkeit, Charakter und einen hohen Wiedererkennungswert. Es ist kaum zu glauben, wie sicher sie sich durch das Stück bewegte, wie sie diese große und anspruchsvolle Rolle meisterte und ganz zu ihrer eigenen machte, als ob sie diese schon mehrmals gespielt hätte. Und was da für ein Ausdruck in dieser jungen Stimme ist! Nach der Cavatina Tacea la notte placida brach ein riesiger Beifall im Publikum aus, der redlich verdient war. Im Terzett mit Secco und Pogossov wurde deutlich, warum sich die Herren Manrico und Luna dermaßen um Leonora streiten. Die Sängerin legte so viel Gefühl und Leidenschaft in ihre Interpretation (speziell bei D’amor sull’ali rosee), dass sie jedermann uneingeschränkt in ihren Bann zog und zeigte, dass man von ihr noch viel Großes erwarten darf. Tosender Applaus für dieses Debüt!

Andrea Sanguineti gab den Sängern gemeinsam mit dem Grazer Philharmonischen Orchester die nötige Sicherheit, stand ihnen stets zur Seite und half mit angenehmen Tempi. Ein bisschen mehr Genauigkeit von Seiten des Orchesters wäre manchmal wünschenswert, da bei vielen Akkorden, bei denen man sich vor allem Klarheit und Präzision erwarten würde, ein eher schwammiger Klang aus dem Graben strömt. Auch der Chor der Oper Graz unter der Leitung von Bernhard Schneider zeigte viel Schönes an diesem Abend und hatte sicher viel Spaß mit den vielen ausgefallenen Kostümen von Uta Meenen.

Konstanze Kaas
OnlineMerker
Foto: Saric Facebook

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