Der Neue Merker

OPER GRAZ Abschiedskonzert für DIRK KAFTAN

Dirk Kaftan moderiert sein Abschiedskonzert

Dirk Kaftan moderiert sein Abschiedskonzert

OPER GRAZ Wunschkonzert -Wünsch dir was!
Abschiedskonzert für DIRK KAFTAN am 25.06.2017

 Sag beim Abschied leise Servus…

 Beim gestrigen Wunschkonzert an der Oper Graz wurde nicht nur die Saison 2016/17 feierlich beendet sondern auch der langjährige Chefdirigent des Hauses Dirk Kaftan verabschiedet. Dementsprechend emotional war es natürlich, denn Kaftan ist dem Grazer Publikum ans Herz gewachsen und so gab es zum Abschluss noch Standing Ovations für den Dirigenten, den es jetzt nach Bonn verschlägt.

Bei einem vielfältigen, quietschbunten und schillernden Programm konnte Kaftan herzeigen, was das Grazer Philharmonische Orchester, der Chor unter der Leitung von Bernhard Schneider und die Sänger des Hauses so alles an unterschiedlichen Stilistiken und musikalischen Charakteristiken auf dem Kasten haben.

Während der letzten Monate hatten die Opernbesucher Gelegenheit auf einem Stimmzettel anzukreuzen, was an diesem besonderen Abend gespielt werden soll: Von der Ouvertüre zum Fliegenden Holländer über Mon coeur s’ouvre à ta voix aus Samson et Dalila – brillant dargeboten von Dschamilja Kaiser, was deren (vorerst) letzter Auftritt auf der Bühne der Oper Graz war – über Solveigs Lied aus Peer Gynt – auf norwegisch auch bezaubernd: Tetiana Miyus – und La calunnia è un venticello – wurde diese Arie für Wilfried Zelinka geschrieben? Man möchte es jedenfalls meinen – bis hin zu den Steirischen Tänzen von Lanner wurde man schon bis zur Pause von musikalischer Vielfalt begeistert. Dazwischen herrlich witzige, kurzweilige Moderationen von Nora Schmid im Gespräch mit Kaftan. Sichtlich fällt es auch der Intendantin schwer, Abschied zu nehmen.

Die zweite Hälfte wurde mit der Fledermaus-Ouvertüre eröffnet, mit viel österreichischem Charme und Schwung. Da merkt man, dass Kaftan das hiesige Lebensgefühl eingeatmet und die Seele der Österreicher verstanden hat: Er zeigte Mut, sich dem Kitsch hinzugeben, ließ die Herzen im Dreivierteltakt schlagen und hatte beim Dirigieren stets ein Lächeln im Gesicht. Ivan Oreščanin umgarnte das Publikum mit Dunkelrote(n) Rosen, David McShane begeisterte mit seiner Darbietung von The Impossible Dream aus The Man of La Mancha, Martin Fournier schwang das Tanzbein zu Singin‘ in the Rain und bei Eine Fahrt durch Moskau aus der Operette Moskau, Tscherjomuschki von Schostakowitsch konnte man das Lachen aufgrund der Erklärungen Kaftans zu diesem Stück kaum zurückhalten. Besonders eindrucksvoll zeigte sich das Grazer Philharmonische Orchester mit einem kurzen Stück von Zequinha de Abreu Tico-Tico non Fubá: Heiße lateinamerikanische Rhythmen und hohe Passagen für die Blechbläser machen dieses Stück nicht ganz so einfach zum Spielen, doch das ist geglückt.

Eine Freude, wie sehr das Orchester bei der Sache war und die Begeisterung für das Konzertprogramm und der Spaß, den jeder einzelne Musiker und Sänger auf der Bühne hatte, schwappte auf das Publikum eins zu eins über. Auch nach den Zugaben – u.A. Be our Guest aus dem Musical Beauty and the Beast – wollte der Applaus nicht abreißen; sicher ist, dass das Konzert noch leicht vier weitere Stunden hätte dauern können, ginge es rein nach der Stimmung des Publikums. So eine lockere, fröhliche und leicht wehmütige Atmosphäre erlebt man im Konzert selten, es war ein wunderbarer Abschluss für eine besondere Zeit.

Konstanze Kaas
OnlineMerker

 

Diese Seite drucken